Freundschaft!
Vielleicht sollte ich mal was grundsätzliches zur Größe sagen.
Wenn man davon ausgeht, daß handballerisches Talent (Athletik, Motorik, Spielintelligenz) unabhängig von der Größe gleichmäßig verteilt ist, dann wirken zwei Faktoren. Die Größe und das Talent. Bei zwei gleichtalentierten Spielern darf man davon ausgehen, daß dann der größere der bessere ist. Ergo ist davon auszugehen, daß Handballer statistisch gesehen je besser sind, je größer sie sind. Da aber sehr große Menschen sehr viel seltener sind als große, gibt es ab einer bestimmten Größe zu wenige Menschen, als daß da statistisch gesehen noch genug mit Handballtalent sind. Also gibt es irgendwo einen Peak, an dem die beiden Effekte gegeneinander laufen. Und den kann man beim Studium der besten Spieler der letzten 40 Jahre (davor waren die Spieler doch einiges kleiner) recht genau erkennen, wenn man mich fragt. Halbrechts wäre das ungefähr 1,95 bis 2,00 Meter, Halblinks etwa 1,98 bis 2,05 Meter und Mitte so bei 1,90 bis 1,94 Meter. Wenn man mich fragen würde, wer die besten Spieler der letzten 40 Jahre auf diesen Positionen sind, dann wären die meisten von ihnen auch tatsächlich jeweils in diesem Bereich zu finden. Und die, die doch kleiner sind, sind dann einfach ganz exzellent in ihren handballerischen Fähigkeiten gewesen. Ich nenne mal Jovica Cvetkovic, Magnus Andersson oder Vasilie Stinga, die mich alle ganz besonders begeistern.
Die Frage ist also nicht genau danach, wie groß ein Spieler ist, sondern ob ein Größendefizit durch seine handballerische Klasse aufgewogen wird oder nicht. Und bei Lagergren ist meine Antwort darauf, wie schon geschrieben: er ist okay, aber ich sehe ihn nicht so stark, daß seine Skills sein Größendefizit überkompensieren. Ergo hätte man wohl auch einen anderen Spieler bekommen, der größer ist, aber in Summe nicht schlechter.
Was den Vergleich mit Damgaard angeht: das Problem ist doch, daß man dann mit ihm einen 1,92-Meter-Mann UND mit Lagergren einen 1,86-Meter-Mann hat. Das Problem potenziert sich. Wenn man Lagergren geholt hat, weil man das Tempospiel aus der Abwehr weiter forcieren will, dann müßte man aber auch konsequent sein, und auf eine offensive Deckung umstellen. Was ich erstmal nicht erkennen kann. Im Gegenteil, man spielt 6:0 mit Leuten wie Musa und Chrapkowski, dessen Wert ihrer Größe vorne gegen Null geht, weil sie entweder gar nicht im Angriff spielen (es verlernt haben [Chrapkowski] oder quasi Umschüler sind [Musa], weil er das vorher fast nie gespielt hat). Wenn man aber hinten nicht viel mehr Bälle abgreift, dann kann man die Fähigkeit im Umschaltspiel zu selten nutzen, um die Nachteile im Positionsangriff wenigstens auszugleichen. Am Ende hätte man dann das schlechteste von beidem.
Ich kenne übrigens keinen Verein, der seinen Kader bewußt klein gemacht hat, um dann mit schnellerem Spiel Vorteile zu erreichen. Das funktioniert im Handball nicht so, wie es im Basketball durchaus gehen kann. Daß es gehen kann, haben die Koreaner 1988 bewiesen. Aber sie konnten sich von vornherein nicht aussuchen, mit welchen Spielern sie spielen. Ein Verein kann das.