Freundschaft!
Wobei die 3. Wahl Verpflichtung des Geiers auch schon das Chaos in der Magdeburger Führung dokumentierte.
Man hätte ihn nicht holen. Zumindest hätte ich ihn nicht geholt. Er war da vorher bereits ungefähr 15 Jahre als Trainer tätig und da war nichts dabei, vom dem ich gesagt hätte, daß es für sich spricht bzw. für ihn. Daß man Jungandreas als Interimstrainer geholt hat okay. Daß man dann jemanden für länger sucht, absolut okay. Dann hat man seine Liste von Kandidaten (die ich alle ganz okay bis gut fand). Von denen kommt keiner. Warum sage ich dann nicht, ich mache mit dem Interimstrainer weiter? Warum muß ich dann auch so schnell so eine Verlegenheitslösung wählen? Hätten sie sich nur etwas länger Zeit gelassen, einen besseren Kandidaten zu finden, dann wäre, selbst wenn sie keinen gefunden hätten, die Zeit so weit gewesen, daß man schon sehen konnte, daß Jungandreas wirkt.
Es fehlt die Nachhaltigkeit. In 25 Jahren Bundesliga hat der Verein mit Bennet Wiegert inzwischen den 14. Trainer. Nur Alfred mit 226 Ligaspielen, Doering mit 135 und Carstens mit 120 Spielen hatten überhaupt die Chance sich hier nachhaltig einzubringen. Ansonsten waren alle anderen Trainer nur "Durchläufer". Wie sollte sich da jemals eine Mannschaft entwickeln? Und warum soll ich als Spieler die Anweisungen meines Chefs befolgen, wenn ich weiss, dass er sowieso bald wieder weg ist?
Ja, stimmt. Aber letztlich ist es anders herum. Wenn ich ein gutes Konzept habe und dafür einen Vertrauensvorschuß am Anfang und es dann irgendwann aufgeht, dann kann ich auch lange bei einem Verein arbeiten. Ohne Erfolg (im relativ zum Mitteleinsatz) wird es das einfach nicht geben. Und wenn man ohne Erfolg lange an einem Trainer festhält, weil man den Trainer nicht wechseln will, dann ist das auch Quatsch. Wenn man sich die Trainerhistorie nach Miesner ansieht, dann haben da (abgesehen von den Interimstrainer) sehr lange alle Trainer relativ viel Zeit gehabt. Die Ausnahme war Ingolf Wiegert, der nicht mal ganz das eine Jahr geschafft hat. Vorher war Hartmut Krüger mehrere Jahre, dann Lothar Doering 4,5 Jahre, obwohl er, gemessen an den Ansprüchen und auch Investionen weitgehend nicht den erwartet Erfolg gebracht hat. Dann war Alfred Gislason lange im Amt und Bogdan Wenta wäre es mit der Mannschaft sicher auch eine Weile geblieben.
Und dann ging es los. Bogdan Wenta hat erst seine Mannschaft verloren. Und dann sein Job. Vielleicht hätte er das damals sogar weiter gemacht. Nur mit Kaiser ging wohl gar nichts und sie wollten ihn wohl auch aus Prinzip loswerden. Dann hatte man Biegler, der in der Situation Gold wert war, aber einfach jemand ist, der gar nicht lange irgendwo bleiben will. Carstens durfte dann wieder etwas länger. Aber der ist daran gescheitert, daß man kein klares Konzept für einen langfristigen Aufbau hatte und auch gar nicht verstanden hat, warum es lief oder nicht lief. Die Ironie ist, daß Carstens letztlich gehen mußte, weil die Fixierung auf den kurzfristigen Erfolg den kurzfristigen Erfolgen irgendwann ausbleiben ließ. Dann kam Geir Sveinsson und ist für mich einfach als Trainer nicht gut genug für die Bundesliga. Ironischerweise spielte man mit ihm die beste Phase der letzten Jahre. Was damit zusammen hing, daß man für eine gewisse Zeit mal etwas Stabiltät in der Mannschaft hatte und dazu aber auch eine Menge Spielplanglück. Jetzt ist es Bennet Wiegert, der auch eine Verlegenheitslösung war, ganz gut funktioniert, aber auch nicht überragend. Und es auch nicht so aussieht, als würde da die große Leistungsexplosion geben.
Eine wirklich homogene Mannschaft gab es zuletzt unter Alfred. Carstens hat dann noch mal einen Versuch gestartet, der am Anfang auch funktionierte. Warum seine Arbeit letztendlich zum Scheitern verurteilt war, weiss bestenfalls der Banker.
Erstmal: nein, die letzte homogene Mannschaft gab es unter Bogdan Wenta. Das wird nur leicht vergessen, weil die Phase so kurz war. 2006 war die Formungsphase abgeschlossen und die Mannschaft hat, bis auf das unglückliche Heimspiel gegen Flensburg, die gesamte Bundesligaspitze ein ums andere Mal deklassiert. 31:20 gegen Hamburg, 39:24 gegen Kiel, 39:27 in Lemgo und zweimal gegen die RNL 33:20 & 39:26. Da hatte man mit Heinevetter, Bielecki, Tkaczyk, Grafenhorst, Sprenger & Jurecki ein super Korsett für Jahr zusammen. Nur Halbrechts war mit Abati noch ein Alter unterwegs. Aber eine Position ist nie das große Problem. Diese Mannschaft hatte Zukunft und hätte vielleicht sogar Meister werden können, wobei das schwer zu sagen ist, weil der THW damals das (Punkte-)Niveau sehr hoch gelegt hatte.
Aber zum Thema: nein, der Banker weiß es nicht. Das ist doch genau das Problem. Man hat damals das Ziel ausgegeben, binnen drei Jahren wieder international zu spielen. Also hatte man den Fokus auf drei Jahre gelegt, in der die Entwicklung der Mannschaft ihren Höhepunkt erreicht. Hat drei erfahrene Spieler geholt (Landsberg, Doborac, Natek) plus Hornke, auf den man aber nicht so gesetzt hat. Damit hatte man aus einer sehr jungen Mannschaft 2009/10 eine Mannschaft gemacht, die 2010/11 vom Alter her am oberen Rand des optimalen Altersbandes lag. Und damit logischerweise auch die beste Saison spielte, denn im Jahr darauf war die Mannschaft bereits völlig überaltert. Weil sie natürlich ein Jahr älter wurdem aber auch weil mit Pajovic (unter den Spielern, die im ersten Jahr mindestens 20 BL-Spiele gemacht haben, der älteste SCM-Neuzugang aller Zeiten) noch einmal ein alter Spieler nachgelegt wurde, aber keine Jungen geholt wurden.
Ich glaube, daß beim SCM (und da besonders bei Schmedt) ein sehr mechanisches Verständnis der sportlichen Vorgänge vorherrscht. Da war man erst überrascht, daß das erste Jahr so gut lief und dann hat man wohl gemeint, mit jedem Euro den, man zusätzlich reinsteckt, wird es noch besser. Wenn es aber Unterströmungen gibt, die man gar nicht wahrnimmt (wie z.B. die Frage, wie entwickelt sich die Leistungsfähigkeit der Mannschaft in Abhängigkeit zum Alter; gibt auch andere), dann wundert man sich plötzlich, warum es nicht funktioniert. Und wenn man es sich einfach nicht erklären kann, landet man eben irgendwann beim Trainer.
Auch ich habe lauthals im Forum die seine Entlassung gefordert. Ebenfalls die des Geiers. Stehe ich zu und unterschlage es auch nicht.
Es kann ja richtig sein, einen Trainer zu entlassen, wenn es nicht mehr funktioniert. Damit ist es aber noch nicht getan. Man braucht auch noch eine gute, am besten eine bessere Lösung. Die hat man eigentlich nie gefunden. Bei Geir ist wie gesagt so, daß man ihn mMn gar nicht holen hätte sollen. Und ich glaube auch, daß man heute schlechter stehen würde, wenn er bis heute weiter gemacht hätte. Bei Carstens sehe ich es gespalten. Einerseits kann man mit einem Trainer nicht mehr weitermachen, wenn unter den Ergebnissen irgendwann die Autorität leidet. Vom fachlichen her wäre man wohl besser gefahren, wenn Carstens das Geld, was man in den letzten Jahren reingesteckt hätte, verwalten hätte können. Carstens als SD statt Stiebler und als Trainer statt Geir/Wiegert hätte vermutlich besseren Ertrag gebracht.
Aber langsam dämmert es mir auch, dass die auch von mir avisierten Ziele, dauerhaft mal wieder vorne mitzuspielen, unter diesen Voraussetzungen absolut unrealistisch sind. Darum bin ich langsam soweit zu sagen, lasst Wiegert doch einfach mal die Zeit, seine Vorstellungen zu verwirklichen.
Ja. Solange sich die grundlegende Strategie nicht ändert, wird man mit einem anderen Trainer auch nicht wesentlich besser fahren. Würde man, sagen wir mal, einen sehr namenhaften Trainer verpflichten, dann würde der sowieso die Strategie in Frage stellen. Wenn man da nicht beweglich ist, kommt er nicht oder wenn er es akzeptiert, dann scheitert er auch. Insofern sollte man mit Wiegert weitermachen, solange es irgendwie funktioniert. Oder eben alles radikal ändern. Aber das wird es so schnell nicht geben.