Freundschaft!
Bezüglich Benno habe ich aber eine andere Meinung. Niemand kann sagen, ob wir mit einem anderen Trainer besser da stehen würden - aber ernsthaft daran glauben kann ich nicht. Und pures Glück / Pech der anderen waren die vergangenen Jahre auch nicht. Die Frage ist, wer hätte es besser machen können? Da fällt mir niemand ein!
Das ist auch nicht ganz die richtige Frage. Die erste Frage muss immer die sein, was man machen will, auf welche Art man zum Erfolg kommen will. Was mit den gegebenen Mitteln überhaupt Erfolg ist. Und wenn ich die Fragen beantwortet habe, kann ich mir überlegen, wer dann die richtige Person auf der Trainerbank und gegebenfalls im Büro ist.
Dann muss man erstmal analysieren, was gut läuft und was schlecht. Und das ist hier ganz einfach. Man ist geradezu katastrophal schlecht beim Kaderbau, bei der Umsetzung der finanziellen Mittel in sportliche Substanz. Fast kein Transfer sitzt wirklich, viele sind Flops, echte Treffer gibt es fast kaum. Auf der anderen ist die Bilanz geradezu sensationell, was die Umsetzung dieser Substanz in Punkte angeht. Man wird vermutlich wieder Dritter, weil man viele Spiele einfach knapp gewinnt und die direkte Konkurrenz einfach öfter patzt. Nach regelmäßigen Zwischentiefs ist man am Ende trotzdem immer wieder konstant. Aber gewinnen wird man damit trotzdem nichts, weil man irgendwann in der Saison halt doch mal eine Krise hat und aus den Pokalen ausscheidet oder in der Liga zurückfällt. Jede Mannschaft, die von der Form und vom abrufen lebt und nicht von der Qualität, ist eben auch abhängig davon, dass die Form da ist. Kann sie nicht immer. Mit Qualität kann man sich über solche Phasen retten. Und vorallem gewinnt Qualität am Ende die Finalspiele, weil da alle von alleine motiviert sind.
Das ist das Spannungsfeld in dem wir uns bewegen. Eine klare Schwäche, eine klare Stärke. Das mittelt sich zu einem Ergebnis aus, in dem ein Trainer eben nie zur Disposition steht. Ganz normal. Das ist ja in der Gesamtschau im grünen Bereich. Aber man wird nicht irgendwo Spitze sein, wenn man nicht die Qualität für die Spitze hat. Das ist außer Reichweite und muss es auch bleiben.
Ein Zahlenspiel zur Veranschaulichung. Sagen wir, die Mannschaft hat ein Substanzpotenzial von 48 Punkten. Halte ich für realistisch. Normale Schwankungen wären +/- 5. Wiegert motiviert die Mannschaft seit Jahren am Limit, sodass man immer in dem Bereich 48+3/4/5 landet. Das sehen wir. Kämen jetzt andere Leute, die das wirtschaftliche Potenzial besser in Kaderqualität umsetzen würde, hätte der Kader vielleicht ein Substanzpotenzial von 54 Punkten. Das halte ich für einen realistischen Wert. Der Trainer würde die Mannschaft aber nicht so konstant motivieren können wie Wiegert. Also reizt man diese Spanne +/-5 über die Jahre stärker aus, dann landet man im Schnitt vielleicht gar nicht besser als heute. Aber man hat eben mal eine Saison mit 59 Punkten, mit denen man um die Meisterschaft spielt, vielleicht sogar gewinnt und mal eine eine mit 49 Punkten, mit denen man vielleicht Fünfter wird. Das ist der Unterschied. Aktuell kann man vielleicht wieder Dritter werden. Das ist aber das höchste der Gefühle mit so einem Kader. Und das ist - wie gesagt - schon ziemlich gut mit so einem Kader.
Muss man halt wissen, was man will. Ich weiß, wofür sich der Club entscheidet: immer für den Spatz in der Hand und das Prinzip Hoffnung.