Freundschaft!
Das ist halt das Problem, wenn ein Trainer immer nur Startruppen trainiert hat. Das war selbst in Hameln so (auch wenn das katastrophal gelaufen ist). Und dann hat er immer wieder Topteams übernommen, wo die Gruppe schon geformt und auf dem Zenit war. In Magdeburg kamen die Probleme, als es an den Umbau ging. In Gummersbach war er nicht so lange, bis der kam. Und in Kiel zeigt sich schon wieder in etwa das Magdeburger Dilemma. Wenn man immer aus den Vollen schöpfen konnte, dann begreift man als Trainer vielleicht einfach nicht, daß es zum Alltag eines Trainers gehört, daß er nicht jeden Spieler haben (oder halten) kann, den er gern möchte.
Man wird schon anders geprägt, wenn man im Laufe der Jahre immer wieder zum improvisieren gezwungen wurde. Da entwickeln sich dann auf Dauer auch Fähigkeiten, die Alfred gar nicht haben kann. Wenn ich mir eine PK oder ein Interview mit Wandschneider anhöre, dann kommen da immer Sachen, bei denen ich interessiert zuhöre. Differenzierte, innovative Aussagen. Wüßte nicht, daß ich von Alfred schon einmal vergleichbares gehört habe. Das ist eben die Prägung, die Leute wie Wandschneider, Bürke, Brack oder wer auch immer auf der Ochsentour bekommen haben. Alfred war dagegen ein Glücksritter, der immer weiter nach oben gefallen ist.
Was den THW angeht. Natürlich kann es sein, daß es in ein paar Wochen anders aussieht. Aber sicher wäre ich mir da nicht. Es ist mittlerweile schon ein zusammengewürfelter Haufen, mit Leuten, die über dem Zenit sind (die teilweise auch erst kürzlich geholt wurden) und etlichen Jungen, denen man einfach auch ein wenig Zeit zugestehen muß. Ich glaube nicht, daß diese Mannschaft in dieser Saison auf ganz hohem Niveau spielen kann. Und wenn, dann nur über die Abwehr. Problematisch ist auch, daß Duvnjak zum ersten Mal wirklich unter der Belastung leidet. Er konnte das bisher immer sehr gut wegstecken. Diesmal hat er schon Konzentrationsprobleme und das kann dann auch schnell man in einer Verletzung enden. Auch scheint mir die Führungsstruktur der Mannschaft und die Mentalität nicht mehr so da zu sein. Da ist für die alten Recken nicht viel nachgewachsen.