Freundschaft!
Mir sind die Ziele des SCM bekannt, doch die Luft ist in der Liga an der Spitze eben sehr dünn. Solche Spiele dürfen auch mal verloren gehen, ohne die Ziele und anscheinend auch komplette Vereinspolitik direkt in Frage stellen zu müssen. In Magdeburg wird viel gemeckert, aus meiner Sicht zu schnell. Genau wie eben in die andere Richtung. Alles emotional, nichts rational. Die Clubs, bei denen das Umfeld ruhiger ist, haben auch mehr Zeit, um sich entsprechend zu entwickeln. Das sieht man in Wetzlar, bei den Löwen oder in Leipzig.
Mag schon sein, daß viel gemeckert wird. Auch zu schnell. Aber das hat null Auswirkungen auf die Entwicklung des Clubs. Weder im Positiven noch im Negativen. Im Positiven nicht, weil Schmedt und Co. in dem Bereich eine Kritikallergie haben und jeden Einwand als Majestätsbeleidigung auffassen und lieber in ihrer eigenen Suppe kochen. Da wir nie ein guter Einwand ankommen und seine Wirkung entfallten können, weil man sich einen Panzer gegen alles aufbaut. Und negativ wirkt sich die Kritik auch nicht aus, wenn ein paar Leute im Internet den Finger in die Wunde legen und auch nicht, wenn die Hallengänger sich zu Hause mit Meckern abreagieren. Dafür ist die Kritische Masse viel zu klein. Wir sind nicht in der Fußball-Bundesliga und schon gar nicht bei Schalke, dem HSV oder Bayern, wo jede Kleinigkeit in der Presse hoch und runter geht und wirklich Auswirkungen auf die Entscheidungen hat und wo man auch Trainer etc. wegschreiben kann. Die Auswirkung der Öffentlichkeit auf die Entscheidungen eines Handballbundesligisten ist nahezu null. Wenn Du jetzt hier einerseits davon redest, daß die Leute nicht analytisch genug seien, aber zum wiederholten Male eine nicht relevante Öffentlichkeit für Fehlentwicklungen im Club verantwortlich machst dann ist das eines: hochgradig lächerlich. Reine Rabulistik.
Das Problem ist und bleibt - und das hatte ich schon öfter beschrieben - daß man ein Kernpersonal Schmedt, Svensson & Stiebler hat, daß einer wirklich nachhaltigen Entwicklung im Wege steht. Ich muß das nicht alles wieder im Detail aufdröseln, wer da was kann und was nicht. Auf jeden Fall ist die Kompetenz nicht so da, wie man sich selbst gern einreden würde. Man ist zu bequem. Und was das schlimmste ist: es ist wichtiger, ein Selbstbild aufrecht zu erhalten, laut dem man alles richtig macht, statt offen dafür zu sein, daß man Dinge besser machen könnte. Das ist Gift für jede Ambition, wirklich nach vorn zu kommen. Bennet Wiegert hat das ein wenig gelindert, aber heilen konnte er das Problem natürlich auch nicht.
Wir erleben jetzt seit Jahren abwechselnd Phasen, in denen es top läuft mit Phasen, in denen man sich teilweise total blamiert. Es ist normal, daß es solche Phasen gibt. In Magdeburg sind sie einfach total ausgeprägt. Und wenn man auf die letzten Jahre zurückblickt, dann erkennt man ein problematisches Muster. In den Erfolgsphasen fühlt man sich bestätigt. In den Krisenzeiten weiß man gar nicht, woran es liegt und kann sich das alles nicht erklären. Ich habe es am Jahresanfang hier mal belegt. Die Wahrheit liegt in der Mitte. Und da produziert man im langjährigen Schnitt einfach viel zu wenig Punkte gemessen an den finanziellen Mitteln, die man zur Verfügung hat, und an den Zielen, die man formuliert. Ganz analytisch. 