Freundschaft!
In den letzten Tagen waren in der Handballecke Vorschhläge von Fans der Aufsteiger zu lesen, die für eine finanzielle Unterstützung für die Neulinge plädieren oder zentral vermarktete Werbebanden für die Liga befürworten. Dazu müssten aber zunächst überhaupt überregional agierende Unternehmen am Handball interessiert sein. Werft einfach mal einen Blick auf die Trikots der 18 Erstligisten welche Firmen darauf vertreten sind. Der Handball ist in Deutschland in den Regionen abseits der Metropolen und der Fußball-Standorte groß geworden und ich bin der Letzte, der diese traditionsreichen Spielorte verlieren will, aber man kann und darf sich den Regeln des modernen Profisports nicht verschließen.
Ich habe zentral vermarktete Banden- und Trikotflächen nicht befürwortet, sondern das mal als Idee für eine mögliche Kompensation für den überbordenden TV-Anteil einiger weniger großer Vereine ins Gespräch gebracht. Ich habe ja darauf hingewiesen, daß man die TV-Zeit vielleicht nicht von den großen auf die kleinen Vereine umverteilen kann, weil es Marktmechanismen sind, die den übertragenden Sender zu dieser Spielauswahl bringen. Das befreit doch aber die Liga hinterher nicht von ihrere Verantwortung, darzustellen, welchen Nutzen die kleineren Vereine von diesem TV-Vertrag haben. Kommen sie nicht im Fernsehen, haben sie gar nichts davon. Vielleicht ein paar Euro im Jahr. Aber netto wirkt dieser TV-Vertrag in der jetzigen Form kontraproduktiv für die kleineren Standorte, weil die paar Großen ihren Werbewert durch die massiven TV-Zeiten im Gegenzug stark erhöhen und darüber die Einnahmen durch Werbung so stark steigern, daß sie einen klaren Vorteil gegenüber den Kleinen haben. Wohlgemerkt nicht durch eigene Leistung, sondern durch einen Vertrag, den die Liga, die ja alle Vereine gleich behandeln müßte, zu gunsten einiger weniger Großer geschlossen hat.
Das ist das Gegenteil von dem, was John Rawls unter Gerechtigkeit defininert hat. Hier fehlt nämlich die Antwort auf die Frage, wo der Nutzen aller ist, welcher sich aus dem Privileg einiger weniger Verein oft im TV zu sehen zu sein, ergeben müßte. Und das wirkt sich dann eben auf die Funktionsfähigkeit der Liga aus. Wer glaubt, daß diese vielen klaren Ergebnisse und Spiele, bei denen man vorher weiß, wer gewinnt, sich nicht negativ auf den Gesamtmarktwert der Liga auswirken, irrt aber gewaltig.
Im übrigen bedeutet eine zentrale Vermarktung eines Teiles der Werbeflächen nicht, daß dort ligaweit der gleiche Sponsor platziert werden muß. Es kann auch eine Aufteilung in regionale Zonen geben, wo dann unterschiedliche Unternehmen werben. Wichtig ist nur, daß alle Vereine an der TV-Präsenz der Liga wirtschaftlich partizipieren, auch wenn sie selbst nicht zu sehen sind.