Freundschaft!
Ach ja, die Quote. Schön wäre erstmal ein Bewußtsein dafür, daß nicht genug Leute nachkommen - in dem Sinne, daß zwar durchaus Talente da sind, aber der Übergang in den Männerbereich nicht so klappt, wie er sollte. Das ist eine Aufgabe für die HBL. Bisher war es ja so, daß man sich immer hinter den Erfolgen der Nationalmannschaft versteckt hat. Das ist hoffentlich noch rechtzeitig nicht mehr möglich. Denn eines ist klar. Auch wenn sich die HBL in den letzten Jahren ein wenig emanzipiert hat, für die weitere Entwicklung ist Nationalmannschaft immer noch die treibende Kraft. Wenn die so weiter macht, dann ist der Handballboom schnell zu Ende.
Ich glaube darüber hinaus gar nicht, daß die Situation so ist, daß wir sowenig Spieler haben, daß man damit nichts anfangen könnte. Eine paar gute haben wir ja. Die die es von den Deutschen doch in der HBL gepackt haben, sind ja zwangsläufig gut. Dahinter kommt dann aber halt fast gar nichts mehr.
Nehmen wir einfach mal den Rückraum. Es sind doch nur billige Ausreden, wenn jetzt alles auf die Ausfälle von Hens und Kaufmann
geschoben wird. Wir hatten seit Jahren nicht mehr so einen starken Rückraum, wie dieses Mal. Was Glandorf und vorallem Kraus da geleistet haben, war doch mehr als nur ansehnlich. Kraus bester Torjäger der Vorrunde, Kraus (1.) und Glandorf (3.) gehörten zu den drei besten Feldtorjägern, auch mit einer für Rückraumspieler guten Quote (Kraus 55 %, Glandorf 54 %) Vor vier Jahren haben wir praktisch ohne Rückraum gespielt, teilweise mit unter 40 % Wurfquote Spiele gewonnen, weil Deckung und Konter in Perfektion geklappt haben.
Das Problem scheint nicht zu sein, daß wir keine guten Spieler mehr haben, sondern vielmehr, daß Deutschland keine Spieler hat, die das spielen können, was Brand da unverrückbar in seinem Kopf hat. Wie Schuppen von den Augen fällt es da plötzlich, was dieses 'Kraus versteht Handball nicht' heißt. Das soll eigentlich bedeuten, Kraus spielt nicht so, wie Brand den Handball versteht. Ein guter Architekt baut mit der Landschaft. Ein guter Trainer baut seine Mannschaft so, wie es der Kader hergibt. Anders herum geht es gegen die Wand.
Eine neues Spielsystem, oder vielleicht auch ein paar neue Spielsysteme braucht das Land. Wenn es keinen Zerbe, Petersen, Dragunski und Immel mehr gibt, sollte man sich vielleicht Gedanken um eine offensive Abwehr machen. Dann hat man vielleicht auch eine andere Auswahl für die Offensive, ist nicht so beschränkt auf Schränke. Aber HBL-Land ist nunmal leider auch 6:0-Land. Da kann man nicht auf viel zurück greifen.
Wenn man jedoch einen Schluß zieht, dann, daß das "System Brand" ein Fall für die Geschichte ist. Bleibt die Frage offen, ob Brand sich umstellen kann oder ob man einen neuen Bundestrainer suchen muß.
Was das System Brand ist, hat Matthias ja im Januar hier bereits erläutert. (Soll ja nicht heißen, daß jetzt plötzlich die Kritiker kommen.)
Zitat
Original von härter_schneller
das system brand ist für mich ein spielsystem 6:0 abwehr auf block & torwart. gs vor allem über erste welle, angriff komplexe auslöseaktionen mit mehreren stationen mit einem ballverteiler und werfern aus der distanz. kreis sperrt laufweg / wurfbahnen frei. die außen sind anspieler. ich hab bei der em keine mannschaft gesehen, die einen vergleichbaren angriff spielt. und auch nur wenige aus der spitzengruppe, die so wenige varianten in der defensivarbeit gezeigt hat.
mit einer emotionalen höchstleistung und klasse-einstellung, aber eben nicht dem "besten" handball ist man bei der heim-wm damit weltmeister geworden. allerdings scheinen mir die spieler für dieses system etwas dünn gesät in der liga. schon mit velyky muss die truppe ganz anders spielen - wir konnten leider nicht beobachten, ob sie das könnte.
brand scheint aus der ferne beobachtet mannschaftsinterne prozese über rein sportliche kriterien zu stellen. da spielen halt nicht diejenigen zusammen, die man vielleicht am besten zu einer sportlich erfolgreichen einheit bauen kann, sondern diejenigen, die sich am besten in die vorgegebene mannschaftsstruktur einpassen.
wenn so eine hierarchie mal erstarrt und dominant wird, bekommst du sportlich ein problem. und da hat sich brand aus meiner sicht nicht sonderlich clever verhalten.
übrigens - es ist ja schon ein paar mal angeklungen. "offiziell" sucht der dhb "allrounder" mit hoher spielfähigkeit. das soll gesucht, gesichtet und gefördert werden. in der a-nationalmannschaft sind allerdings die voraussetzungen nicht da, um solche spielertypen einzusetzen. auch das ist ein "system". ein spielsystem nämlich. soll der dhb halt seine rtk umstellen und sagen, findet uns wieder 2m+ spieler die jump-and-shoot können - und hinten defensiv blocken.
Ich will nur mal noch auf einen Punkt eingehen. Das ist der Punkt, daß Brand persönliche Beziehungen über den sportlichen Kriterien stellt. Mein Opa hat früher oft gesagt "Sobald ein Trainer persönlich wird, ist es vorbei." Und in dem Kader waren diesmal aus meiner Sicht drei Leute drin, die da nicht reingehören: Fritz, Zeitz und Kaufmann (der ja dann noch rausgefallen ist). Zudem kommt noch die Art und Weise dazu, wie Schwarzer in den Kader kam (nicht daß er drin stand) und die Eierei mit Baur. Und das ist dann zuviel. Ich bin der letzte, der eine Einzelentscheidung kritisieren würde. Jeder Trainer hat seine Meinungen, die man als Außenstehender nicht so nachvollziehen kann, und das ist auch gut wichtig. Aber in der Summe war es zuviel. Ich bin da eh immer sehr kritisch, aber diesmal haben es viele andere auch so gesehen. Als ich mich nach der Nominierung mit Ronaldo drüber unterhalten, war er der gleichen Meinung wie ich. Er hat sonst meine pessimistische Haltung, die ich seit der WM schon vertrete, eigentlich nie geteilt. Und er war ja bei weitem nicht der einzige, der so dachte.