Freundschaft!
Frakreich kann man nie abschreiben. Trotz eher wenig überzeugenden Auftritten sind sie im Viertelfinale. Und wenn ab da Titi sogar mal ein par Bälle halten sollte, sind sie plötzlich doch wieder im Finale.

Dafür muß man aber auch ein bestimmtes Grundniveau haben. Und das haben sie nach Ansicht der bisherigen Spiele wohl nicht. Omeyer spielt nicht berauschend, das ist schon klar. Aber er spielt eigentlich letztlich genau das, was er in dieser Saison auch im Verein angeboten hat. Nicht besonders viel. Dazu kommt, daß die Franzosen-Abwehr einfach nicht mehr so stark ist, wie sie das früher mal war. Dinard hat doch deutlich abgebaut. G. Gille ist auch nicht mehr dabei. Da wird es dann schwer für Omeyer, einen Leistungssprung zu machen. Das kann in einem Spiel immer mal vorkommen, aber ich sehe nicht, daß er in einem Viertelfinale gegen Kroatien und einem Halbfinale gegen Dänemark zwei Topleistungen hintereinander bringen würde. Zumal er ja Landin im direkten Duell zweimal ganz klar unterlegen ist. Omeyer hat ja in den letzten zwei Jahren auch eine ganze Reihe von richtig schwachen Spielen geboten. Zum Beispiel im WM-Finale 2011 oder jetzt gegen Deutschland. Da gäbe es noch einige mehr in Auswahl und Verein zu nennen.
Das größte konkretete Problem, was die Franzosen neben der Überalterung imho haben, ist der Kreis. Sorhaindo hat einfach kein internationales Format. Da fehlt B. Gille an allen Ecken und Enden.
Ich sehe auch nicht, daß Karabetic wie hier angesprochen, den Unterschied gegen Island gemacht hat. Am Ende an Frankreich das wegen drei Turnovern gezogen. Zwei Steals von Abalo und das angebliche Offensivfoul. Karabatic hat in der Schlußphase ein Tor gemacht und ein Assist gegeben. Wirklich entscheidend waren aber die Tore nach Abalos Ballgewinne durch Guigou. Wäre auch zu komisch, wenn Karabetic den Unterschied gemacht hätte. Genau das macht er eben in aller Regel nicht. Über die Jahre betrachtet, wird ganz klar deutlich, daß er in aller Regel immer so gut oder so schlecht spielt, wie die Mannschaft eben gerade ist. Das sieht man in Montpellier, wo er ohne Mitspieler international nichts gerissen hat. Und das sah man oft in der Nationalmannschft. Entweder er ist unsichtbar (WM-Halbfinale 2007 gegen Deutschland) oder er macht Fehler auf Fehler (WM 2007 gegen Island oder auch die komplette EM 2012). Die große Ausnahme, das WM-Endspiel 2011 sei aber erwähnt. Da war er wirklich gut und hat das Spiel gezogen.
Grundsätzlich habe ich auch in den letzten Jahren keine französische Dominanz gesehen. Sie hatten einfach einen Block aus zehn, zwölf Spielern, der gut funktioniert hat. Und das ganz große Plus war die körperliche Robustheit. Sie konnten einfach die Turnierbelastung besser wegstecken, als andere Favoriten. Die Kroaten hätten nach 2004 noch einige Titel gewonnen, wenn die Spieler nicht permanent in Verein und Auswahl hätten durchpowern müssen. Frankreich hat es übrigens in keinem Turnier geschafft, ohne Verlustpunkt zu bleiben. Das zeigt doch, daß sie nie über den Dingen standen. Wenn überhaupt, dann waren sie (abgesehen vom Kraftvorteil) in der Zeit besser als das Feld, als Narcisse auf dem Zenit stand (2008 und 2009).
Man muß auch sehen, daß Frankreich gestern nur mit zwölf Spielern durchgespielt hat. Und dabei waren sie 60 Minuten gefordert. Gegen Deutschland mußten sie auch voll durchziehen. Da haben 14 Spieler gespielt (Detrez aber nur 3 Minuten). Ich denke, daß sie einen großen Nachteil gegen Kroatien und Dänemark haben, die auf hohem Niveau 16 Leute durchwechseln können.
Ich halte da daher nicht für wahrscheinlich, daß Frankreich eine realistische Chance auf das Endspiel hat. Es ist imho zu billig, den Franzosen Wunderkräfte zu attestiert. Daß sie vier Turniere in Folge gewonnen haben, hatte Gründe, die man analysieren kann. Gleiches gilt aber auch für das Abschneiden bei der letzten EM. Auch bei Olympia gab es Gründe für den Sieg. Dort liefen praktisch alle Umstände in Richtung Frankreich. Ein Turnier ohne Saisonbelastung in den Knochen für die alte Mannschaft. Nur 14er-Kader, der gerade Kroatien und Dänemark geschwächt hat - Frankreich aber in die Karten spielte. Immer einen Tag Pause zwischen allen Spielen. Spanier, die nicht mit der besten Mannschaft antraten, sondern sich für die Heim-WM einspielten. Dänen, für die ein Großteil des Kader urplötzlich der Arbeitgeber zerbröselt ist. Diese Faktoren sind jetzt alle nicht gegeben.