Alles anzeigenEs ist aber doch nicht verkehrt anzumerken, dass dieses "Interview" von Handball-World.com eher den Eindruck von einem Gefälligkeitsartikel im Rahmen der Partnerschaft mit DYN erweckt, als dass hier kritisch nachgefragt worden wäre.
Inwiefern sollen die neuen Anwurfzeiten klarer oder verlässlicher sein? In der vergangenen Saison gab es mit den Spielterminen Donnerstag 19:05 Uhr und Sonntags 14:00 / 16:05 Uhr klare Anwurfzeiten zu denen der Großteil der Spiele stattfand. Jetzt erstreckt sich der Spieltag über vier Wochentage und an den einzelnen Tagen gibt es unterschiedliche ANwurfzeiten. Ich muss als Fan also eher zweimal hinschauen, ob mein Verein nächsten Donnertag um 19 Uhr oder erst um 20:30 Uhr spielt - und die Woche darauf ist es wohlmöglich wieder der andere Sendeplatz oder gar der Montag. Da von Klarheit und Verlässlichkeit zu sprechen ist PR-Kommunikation in Reinform.
Wenigstens die Hälfte der HBL-Vereine ist Ankermieter in ihren Hallen und hat geringe Probleme mit der Hallenverfügbarkeit. In den Multifunktionsarenen sind die Planungen für Konzerte und Großveranstaltungen meist weit über ein Jahr im Voraus und werden daher schon bei der Erstellung der Spielpläne berücksichtigt.
Auf welcher Erfahrung beruht denn die Aussage zum Haupttrainingstag? Natürlich ist der Donnerstagabend ein beliebter Trainingstermin im Amateurbereich als Vorbereitung auf den Spieltag am Wochenende. Aber da Hallenverfügbarkeiten im Breitensport knapp sind, ist jeden Abend irgendeine Mannschaft im Training. Bei meinem Heimatverein erstrecken sich die Trainingstermine für Herren-, Damen und Jugendmannschaften komplett über alle Wochentage und es ist reiner Zufall bei wem jetzt gerade welcher Wochentag besser passen würde.
Zudem hat die Entzerrung des Spieltages für aktive Amateurhandballer eher negative Auswirkungen. Wusste man früher, dass die Spiele im wesentlichen Donnerstag und Sonntag stattfinden und das eigene Training z.B. am Dienstag und Freitag, dann konnte ich man eine Dauerkarte kaufen in dem Wissen alle Heimspiele auch besuchen zu können. Durch die möglichen Spieltermine am Donnerstag, Freitag, Sonntag und Montag muss man aber davon ausgehen einige Spiele zu verpassen, weil man an diesen Tagen selbst aktiv ist. Das betrifft natürlich nicht nur die Amateurhandballer, sondern jeden potenziellen Dauerkartenkäufer, der zusätzlich an anderen wöchentlichen Veranstaltungen teilnimmt - sei es Sporttraining, Gesang, Tanz, Kartenspielen, etc. Daher halte ich die Behauptung, dass diese Spieltage zu höheren Zuschauerzahlen führen werden, für sehr gewagt.
Dass es Freitag- und Montagabend keine Konkurrenz zum Fußball oder anderen Wettbewerben gäbe, ist ebenso falsch. Freitags ist traditionell Spieltag in der DEL und montags wird in Zukunft die Fußball-Bundesliga der Frauen Spiele ausgetragen.
Alle großen Sportligen setzen auf klare Spieltage und -zeiten, aber im Handball soll die maximale Zerfledderung plötzlich ein Bonus sein? Natürlich kann ich die Intention von DYN verstehen, möglichst viel Sendezeit mit Livesport füllen zu können. Aber meiner Meinung nach verkauft sich die HBL hier unter Wert, wenn sie den Wünschen von DYN so sehr nachkommt. Die BBL beispielsweise weist in ihrem Rahmenspielplan für die Saison 2023/24 keine derartigen zeitlichen Eskapaden aus.
Die BBL wird ebenso "zeitliche Eskapaden" abliefern, wirst schon sehen.