Ich kann den meisten Vorredner nur zustimmen. In den letzten Jahren habe ich bis hin zur Landesligaebene gepfiffen. Dabei gehörten rote Karten nicht zur Regelmäßigkeit. Ein paar klare Bewertungskriterien gibt es schon. Wenn beispielsweise ein Torhüter aus seinen Tor herauskommt und dem sich nach dem Ball umdrehenden Gegenstoßspieler foult ist die Sache relativ eindeutig Rot. Wenn ein Gegenstoßspieler in vollem Lauf von hinten gestoßen wird uns so zu Fall kommt, ist das für mich auch Rot. Schwieriger sieht es bei Fouls im Rückraum und auf Außen aus. Hier spielt unter Umständen die Wirkung des Fouls für die Bewertung eine Rolle, auch wenn es das nicht unbedingt sollte. Der Gegenspieler von einem Spieler, der in der Luft von der Seite gestoßen wird, sollte 2 min erhalten. Bleibt der Angreifer länger liegen und ist gar verletzt, ist es nicht ausgeschlossen, dass man dann als Schiedsrichter intuitiv schneller Rot zückt, obwohl auch 2 min regelkonform wären.
Als Trainer flippe ich aus, wenn bei vielen Fouls ein zu seichter Maßstab angelegt wird. Ich hätte auch wenig Problem damit, wenn meine Spieler*innen entsprechend bestraft würden. Leider habe ich schon erleben müssen, dass eine Gegenspielerin nicht regelkonform bestraft wurde und bei einem wiederholten Foul gleicher Art, eine meiner Spielerinnen schwer verletzt hat, was zu deren Karriereende führte. Eine Absicht war dabei das letzte, was ich der Gegenspielerin unterstellen würde.
Daher bin ich tendenziell generell dafür, dass eine gewisse Rücksichtslosigkeit besser konsequenter zu bestrafen ist, also gerne auch mal eher Rot als 2 min.
Insgesamt handelt ein Schiedsrichter nach den visuellen Beispielen, die er für bestimmte Situationen hat. Da reichen die aus den Fortbildungen allein manchmal nicht aus, zumal es quasi vor jeder Saison neuer Schwerpunkte gibt.
Die Kriterien für Blau sind eigentlich im Regelwerk gut beschrieben und lassen wenig Interpretation zu. Hier ist es oft der Mut der Schiedsrichter, der fehlt, davon auch vernünftig Gebrauch zu machen.