Beiträge von Lothar Frohwein

    @ Gummersbacher:

    Tja. Gäbe es in der Intensität vergleichbare Regeländerungen im Fußball, müssten wir einen "Brennpunkt", "Tagesthemen extra" und diverse Talkshows und Expertenrunden auf allen Kanälen zu dem Thema über uns ergehen lassen. Ergänzend zu den groß aufgemachten Meldungen der Print- und Onlinemedien. Vielleicht würde sogar der Bundespräsident dazu sprechen.

    Im Handball informiert lediglich (aber immerhin) http://www.handball-world.com. Sonst niemand, nicht einmal offiziell der weltgrößte Handballverband. Auf dessen Homepage findet sich bislang NICHTS zu diesem Thema, das ALLE Handallerinnen und Handballer angeht. Wir erfahren stattdessen, dass Thomas Freyer das DHB-Team als Projektleiter verstärkt, eine neue Runde des AOK-Star-Trainings bevorsteht, Karstadt-Sports neuer Handelspartner des DHB ist und dass Flensburg im Pokal-Halbfinale auf die Rhein-Neckar Löwen trifft. Wow! - Das interssiert die 750.00 Mitglieder brennend.

    Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man lachen! Vor allem, wenn dann wieder neidisch über den lichtjahregroßen Vorsprung des Fußballs lamentiert wird...

    Ich stehe Neuerungen grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber.

    Hier scheint es allerdings so, als habe man sich von der Basis und den Realitäten entfernt.

    1. Die Neuregelung mit dem siebenten Feldspieler eröffnet neue taktische Möglichkeiten. Das könnte interessant werden, weil eine neue Option ermöglicht wird, die Kreativität fördert.

    2. Handballern hängt nun wirklich nicht der Ruf der Schauspielerei nach. Fragt mal bei den Fußballern nach!

    Insofern ist die "3-Angriff-Pause-Regel" in meinen Augen schlicht und ergreifend überflüssig, verkompliziert das ohnehin schon für den Normalkonsumenten undurchsichtige Regelwerk und belastet den "Tisch", der gerade in unteren Klassen nur einfach besetzt ist. Anscheinend wurde diese Regelung nur für die jeweiligen obersten Ligen geschaffen. Doch die machen gefühlt nur 0,01 % des Handballs aus. Für mich: Schlicht Büffelpisse!

    3. Sechs Pässe. Ein nachvollziehbarer Versuch der Objektivierung. Früher gab es ja mal die "fünf langen (!) :lol: Sekunden" als Kriterium. Das verschwand dann zu Recht wieder. Ich bin gespannt. Die Regelung setzt in Abwehr und Angriff Reize für neue Varianten, vor allem für Freiwurfvarianten. Unterhalb des Leistungshandballs, wo oftmals nur ein Schieri pfeift, der es ohnehin schwer genug hat, wird das Kraut und Rüben geben. Da hat man den Schieris - die eh schon Schlange stehen - keinen Gefallen getan.

    Wie Karl schon völlig zu Recht schrieb: Wie sollen es denn die Spieler mitbekommen, wann genau das passive Warnzeichen gegeben wird und ab wann die Zählung beginnt? Heben beide Schieris immer gleichzeitig den Arm? Vielleicht in den Bundesligen mit Headset, aber sonst wohl kaum.

    Das wird vermutlich mehr Verwirrung stiften als bei der alten Regelung, spätestens wenn im wichtigen TV-Spiel ein "geiles" Kempa-Tor wegen der Regelung abgepfiffen werden wird. Das versteht dann niemand der normalen Zuschauer mehr.

    Ich freue ich mich schon auf die Rufe von den Tribünen: "Eins! Drei! Vier! Fünf! Sechs! Weg!"

    4. Die "30-Sekunden-Regel" hat sich meiner Meinung nach in den Bundesligen bewährt (obwohl es wenige Fälle gab). Sinn und Zweck sind nachvollziehbar. Aber in den Bundesligen haben die Schieris auch ein Headset. Sie verständigen sich, wann die letzten 30 Sekunden anbrechen. In den unteren Ligen: Ein Schieri, ein "Tischmokel", der auf alles achten soll. Wie soll das denn bitte stressfrei funktionieren?

    5. Die "blaue Karte" ist ein guter "Service" für Betroffene, Zuschauer und Medien. Schadet nicht.

    Wie gesagt, der Handball besteht nicht nur aus der HBL (den Profiligen), Olympia, Europa- und Weltmeisterschaften und TV-Übertragungen. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, als sei der Großteil der Änderungen aber nur für diese gefühlten 0,01 % unseres Sport geschaffen worden.

    Der Handball leidet ohnehin schon unter seinem komplizierten - für Nicht-Freaks kaum nachvollziehbaren - Regelwerk, das jetzt noch komplizierter wird.

    Bemerkenswerte Kommunikation der geplanten Regeländerung. Regeln sind immerhin der Sockel des "Gebäudes Handball". Der Kongress war Anfang November... ?(

    Zitat

    Neue Regeln im Handball ab 1. Juli Siebter Feldspieler, sechs Pässe und eine Blaue Karte

    Die viel diskutierten neuen Regeln im Weltverband werden zum 1. Juli 2016 verbindlich - und gelten damit bereits bei den Olympischen Spielen in Rio.

    Der Weltverband IHF hat die neuen Regeln zum 1. Juli 2016 den nationalen Verbänden zugeschickt. „Wir werden uns damit intensiv beschäftigen und auf allen Ebenen bestmöglich vorbereiten“, sagte Generalsekretär Mark Schober vom Deutsche Handballbund (DHB). Dem Liga-Verband HBL liegt das Werk, das Handball-World.com detailliert aufgelistet hat, noch nicht vor, wie Geschäftsführer Frank Bohmann am Donnerstag mitteilte. [...]

    Neue Regeln im Handball ab 1. Juli: Siebter Feldspieler, sechs Pässe und eine Blaue Karte - Sport - Tagesspiegel

    Zitat

    [...]
    Manfred Prause:
    [...]Der IHF-Kongress hatte 2015 in Sotchi - mit den Stimmen des DHB - beschlossen, dass die neuen Regeln am 1.Juli 2016 in Kraft treten. Der Präsident und der Generalsekretär des DHB waren vor Ort und sind dort über die neue Regeln informiert worden. Die Änderungen hätten nur zur richtigen Zeit an die richtige Stelle gegeben werden sollen. [...]

    Im Fokus: IHF-Experte Prause erkl鋜t f黵 handball-world.com die neuen Regeln

    02.03.2016, 19:00 Uhr, TuS Nettelstedt-Lübbecke - Frisch Auf Göppingen
    02.03.2016, 20:15 Uhr, VfL Gummersbach - Füchse Berlin
    02.03.2016, 20:15 Uhr, HBW Balingen-Weilstetten - SC Magdeburg
    03.03.2016, 19:00 Uhr, TSV Hannover-Burgdorf - SG Flensburg-Handewitt
    03.03.2016, 20:15 Uhr, Rhein-Neckar Löwen - MT Melsungen
    05.03.2016, 19:00 Uhr, SC DHfK Leipzig - TVB 1898 Stuttgart
    06.03.2016, 15:00 Uhr, HSG Wetzlar - ThSV Eisenach
    06.03.2016, 15:00 Uhr, TBV Lemgo - Bergischer HC 06
    Aufgrund des Rückzugs des HSV entfällt HSV - Kiel

    @ Karl: Ich dachte, das hätte ich mit der Differenzierung zwischen Mäzen-Klub und mäzenähnlichem Verein ausgedrückt. Aber du hast mit deinen Ausführungen zum öffentlichen Auftritt der Mäzene uneingeschränkt Recht!

    Deine Anmerkung zum "Niveau auf allen Ebenen" und "immergültigen Wahrheiten" teile ich nicht uneingeschränkt.

    Völlig objektiv gesehen war der TuS nämlich in den letzten zehn Jahren (Zeitraum zehn Jahre, weil du zehn Jahre ins Spiel gebracht hast) auf der sportlichen Ebene trotz des Abstiegs 2008 deutlich erfolgreicher als GWD.

    Der TuS holte in diesem Zeitraum der ersten Liga 228 Punkte, GWD "nur" 159. Die aktuelle Runde inklusive der zwei "Final-Four"-Teilnahmen 2010 und 2012 nicht mitgerechnet.

    In den vergangenen zehn Spielzeiten war GWD punktemäßig in der ersten Liga nur zweimal erfolgreicher als der TuS, was deine Aussage "auf allen Ebenen" klar widerlegt. Und unter dem Strich geht es ja für die breite Öffentlichkeit (nicht für mich) nur um den sportlichen Erfolg!

    Klar ist aber auch, dass GWD in der "ewigen Tabelle" der Bundesliga (seit 1966) in allen Belangen vor dem TuS rangiert.


    Edit: Ich kenne den Fahrplan der Eurobahn, Karl. Ich fahre oft genug mit denen. Ich "labere" mich nicht raus, sondern wollte lediglich in diesem bundesweiten Forum den Lesern unerhebliche Details ersparen. Fahrpläne sind änderbar, präziser gesagt zusätzliche Züge einsetzbar, was allerdings zugegebenermaßen nicht einfach umzusetzen ist; daher der Hinweis auf die "größere Aufgabe".

    Lothar:

    Haha, nicht ungeschickt die unzureichende Sachverhaltsermittlung verdeckend :D

    Das verstehe ich nicht. Bitte erkläre mir das, Karl!

    Zitat

    Nee, also Marketing bringt in der Ecke gar nix. Hotti hat ja neulich mal im Interview von der 'fehlenden Emotionalität' in der Region gesprochen - und da ist auch wirklich was dran. GWD hat ja nun viel, viel bessere Voraussetzungen (allein schon, weil da kein Gauselmann+ Sohn ist)

    Mmmm. Ich bin der Meinung, dass gezieltes Marketing selbstverständlich was bringt. Und zwar eine Menge!

    Sowohl für GWD als auch für den TuS. Aber darüber kann man sicherlich trefflich streiten.

    Worüber man nicht streiten kann: GWD ist zwar kein Mäzen-Klub wie der TuS, aber ganz sicher ein mäzenähnlicher Verein, wie die meisten Klubs in der Bundesliga auch; was ja völlig in Ordnung ist. Ohne Harting keine erste Bundesliga. Nicht mal im Ansatz. Diese Tatsache wird seit Jahren geschickt verschleiert, was aus meiner Sicht auch OK ist. Aber es ist Fakt.

    Nichtsdestotrotz ist GWD ein äußerst sympathischer, authentischer Verein mit großer Tradition und viel Leidenschaft und Herz; eine der vielen tragenden Säulen des deutschen Handballs.

    lothar schreibt:

    Nuja, wäre dann aber für manchen vielleicht doch auch schön, wenn man evtl. am selben Tag auch noch nach Bielefeld zurückkommen könnte - der letzte Zug von Lübbecke nach Bielefeld fährt Samstags um 20.20 Uhr ;) - danach ist Lübbecke von der Außenwelt abgeschnitten.

    Ganz davon abgesehen ist es natürlich ziemlich abwegig in Bielefeld Publikum für Handball in Lübbecke zu suchen (da ist nicht zuletzt dank der presselandschaft Lemgo der Platzhirsch)

    Deshalb ja auch mein Hinweis auf die große Aufgabe, Karl!

    Der Kreis um Bielefeld ist möglicherweise doch zu groß. Aber: Versuch macht klug!