Ich stehe Neuerungen grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber.
Hier scheint es allerdings so, als habe man sich von der Basis und den Realitäten entfernt.
1. Die Neuregelung mit dem siebenten Feldspieler eröffnet neue taktische Möglichkeiten. Das könnte interessant werden, weil eine neue Option ermöglicht wird, die Kreativität fördert.
2. Handballern hängt nun wirklich nicht der Ruf der Schauspielerei nach. Fragt mal bei den Fußballern nach!
Insofern ist die "3-Angriff-Pause-Regel" in meinen Augen schlicht und ergreifend überflüssig, verkompliziert das ohnehin schon für den Normalkonsumenten undurchsichtige Regelwerk und belastet den "Tisch", der gerade in unteren Klassen nur einfach besetzt ist. Anscheinend wurde diese Regelung nur für die jeweiligen obersten Ligen geschaffen. Doch die machen gefühlt nur 0,01 % des Handballs aus. Für mich: Schlicht Büffelpisse!
3. Sechs Pässe. Ein nachvollziehbarer Versuch der Objektivierung. Früher gab es ja mal die "fünf langen (!)
Sekunden" als Kriterium. Das verschwand dann zu Recht wieder. Ich bin gespannt. Die Regelung setzt in Abwehr und Angriff Reize für neue Varianten, vor allem für Freiwurfvarianten. Unterhalb des Leistungshandballs, wo oftmals nur ein Schieri pfeift, der es ohnehin schwer genug hat, wird das Kraut und Rüben geben. Da hat man den Schieris - die eh schon Schlange stehen - keinen Gefallen getan.
Wie Karl schon völlig zu Recht schrieb: Wie sollen es denn die Spieler mitbekommen, wann genau das passive Warnzeichen gegeben wird und ab wann die Zählung beginnt? Heben beide Schieris immer gleichzeitig den Arm? Vielleicht in den Bundesligen mit Headset, aber sonst wohl kaum.
Das wird vermutlich mehr Verwirrung stiften als bei der alten Regelung, spätestens wenn im wichtigen TV-Spiel ein "geiles" Kempa-Tor wegen der Regelung abgepfiffen werden wird. Das versteht dann niemand der normalen Zuschauer mehr.
Ich freue ich mich schon auf die Rufe von den Tribünen: "Eins! Drei! Vier! Fünf! Sechs! Weg!"
4. Die "30-Sekunden-Regel" hat sich meiner Meinung nach in den Bundesligen bewährt (obwohl es wenige Fälle gab). Sinn und Zweck sind nachvollziehbar. Aber in den Bundesligen haben die Schieris auch ein Headset. Sie verständigen sich, wann die letzten 30 Sekunden anbrechen. In den unteren Ligen: Ein Schieri, ein "Tischmokel", der auf alles achten soll. Wie soll das denn bitte stressfrei funktionieren?
5. Die "blaue Karte" ist ein guter "Service" für Betroffene, Zuschauer und Medien. Schadet nicht.
Wie gesagt, der Handball besteht nicht nur aus der HBL (den Profiligen), Olympia, Europa- und Weltmeisterschaften und TV-Übertragungen. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, als sei der Großteil der Änderungen aber nur für diese gefühlten 0,01 % unseres Sport geschaffen worden.
Der Handball leidet ohnehin schon unter seinem komplizierten - für Nicht-Freaks kaum nachvollziehbaren - Regelwerk, das jetzt noch komplizierter wird.