tsvfieber:
[vom thema abschweif]
Die Juristerei ist eben keine absolute Wissenschaft, in der es immer nur eine richtige Lösung gibt, wie z.B. in der Mathematik. Hier geht es um Menschen. Menschen haben unterschiedliche Interessen und Betrachtungsweisen der Dinge, die sich darüber hinaus im Laufe der Zeit dauernd ändern. Derjenige, der sich im Recht fühlt, aber kein Recht bekommt, wird sich immer benachteiligt sehen. Das ist immer so, wenn etwas entschieden wird. Auch außerhalb des Gerichtssaals.
Kein Gesetz ist in jedem Fall eindeutig. Es wird daher auch nie möglich sein, dass Computer eines Tages Recht sprechen. Es ist ebenso nicht möglich, Gesetze so abzufassen, dass sie für jeden Fall eine Lösung bieten. Aber das juristische "Handwerkszeug", mit dem man die Vorschriften so auslegen kann, dass man überwiegend auf einen Nenner kommt, gibt es schon. Und an dieser Stelle wird es meist für den Laien unverständlich... - Auch im "Handballrecht", in dem es auch für Juristen, die sich mit dieser ganz speziellen Materie ansonsten nicht befassen, schnell uneben wird.
[/vom thema abschweif]
Der DHC bietet (leider) die Gelegenheit, einmal grundsätzlich auf das Denken im Bundesliga-Handball zu schauen. Es gibt sportliche Spielregeln und es gibt wirtschaftliche Spielregeln. Das dürfte unstreitig sein. Dabei sind beide gleich wichtig, was aber - Problem!!! - kaum jemandem bewusst ist.
Warum definiert eigentlich kein Verein neben dem sportlichen Ziel ein wirtschaftliches? Warum sagt kein Verein z.B. "Unser Ziel ist es, sportlich einen Mittelfeldplatz zu erreichen und wirtschaftlich zehn Prozent der Altlasten abzubauen?" Oder: "Wir wollen Meister werden und 100.000 Euro Gewinn machen?" - Stattdessen wird oftmals lieber der 15., 16. oder 17. Spieler geholt und am Ende hat man Miese, die sich über Jahre anhäufen und irgendwann den gesamten Verein gefährden. -
Man darf mit dem Ball in der Hand nur drei Schritte machen. Macht man einen vierten, kann es sein, dass das gepfiffen wird und man den Ball verliert. Allgemeiner Konsens. Habe ich kein Geld, kann ich in der Winterpause keine Spieler verpflichten. Tue ich es dennoch, kann es sein, dass das gepfiffen wird. - Kein Konsens?
Der sportliche Erfolg ist nichts wert, wenn keine wirtschaftlichen Ziele definiert werden. Was nutzt sportlicher Erfolg ohne wirtschaftliche Solidität? Wenn man, wie Nordhorn, mit dem Europapokal in der Hand, abschmiert? Nachhaltigkeit ist das oberste Ziel, unter dem alles andere unterzuordnen ist und nach dem jede Entscheidung zu treffen ist. Und der Sockel der Nachhaltigkeit sind solide Finanzen. Es sei denn, man sagt z.B.: "Ich will ein Jahr Bundesliga spielen. Um jeden Preis. Und dann nach mir die Sintflut." - Aber wer tut das schon?
Damit es immer weniger Nordhorn gibt, werden die wirtschaftlichen Spielregeln dauernd angepasst und verschärft. Einige Vereinsverantwortliche befassen sich aber insgesamt zu wenig mit diesen Regeln oder deren Entwicklung(obgleich sie die Möglichkeit haben). Sie kennen sie teilweise gar nicht (z.B. bei H. Lieven hatte es nach außen den Anschein) oder lassen "den Lizenzkram" den Steuerberater machen, der allerdings die juristischen Komponenten nicht einschätzen kann. Wird aber irgendeine Kleinigkeit in den sportlichen Regeln geändert, haben alle dazu gleich eine Meinung. Obgleich das "Neuverschuldungsverbot" der aktuellen L-Richtlinien (wer hat das wirklich zur Kenntnis genommen?) sicherlich weitaus größere Relevanz hat als z.B. die Zwei-Wochensperre wegen eines Fouls in der Schlussminute.
Dieser Zusammenhang zwischen sportlichen und wirtschaftlichen Regeln ist vielen Fans und leider auch einigen Verantwortlichen der Vereine nicht bewusst.
Kleines Beispiel zur Verdeutlichung:
Was passiert, wenn ich einen Schiedsrichter anmache? - Ich bekomme eine Strafe! Das ist allgemein akzeptiert.
Was passiert, wenn ich denjenigen Schieri anpinkle, der über die wirtschaftlichen Spielregeln wacht?
Ich will damit keinesfalls sagen, dass sich irgendjemand in der HBL oder dem Gericht von öffentlichen Äußerungen Vereinsverantwortlicher leiten lässt. Aber wenn das o.g. Denken bei den Verantwortlichen verinnerlicht wäre, würden sie sicherlich die eine oder andere Äußerung überdenken, ehe sie diese rauslassen.
Und dann wären wir wieder bei den Strukturen. Es ist heutzutage unmöglich, einen Handball-Bundesligisten neben dem Hauptjob zu führen. Es entsteht ein Zeitproblem und dann fallen nämlich diese Dinge wie u.v.a. Kenntnis der wirtschaflichen Spielregeln unter den Tisch. Wer würde eine Mannschaft ins Rennen schicken, die die Spielregeln nicht kennt, gecoacht von einem Trainer, der diese auch nicht kennt? Was käme dabei sportlich heraus? Würde man nur ein einziges Spiel gewinnen?
Ohne hauptamtlichen Manager mit zumindest Prokura und einige "Indianer", die die Dinge solide und zuverlässig abarbeiten wird kein Bundesligist mittelfristig überleben.