Mal basierend auf dem, was öffentlich geworden ist bzw. dem zuverlässigen Buschfunk zu entnehmen war. Mit allen Risiken, weil eine fundierte Analyse ohne Kenntnis der gesamten Aktenlage nicht möglich ist. Aber Foren sind ja auch zum Spekulieren da...
Es gibt offensichtlich zwei wackelige Ebenen, die tatsächliche und die rechtliche. Wenn eine davon einbricht, wird am Ende zumindest strafrechtlich nichts Nennenswertes übrigbleiben. Halten beide, könnte es empfindliche Strafen und Folgen (zivil- und verbandsrechtlich) geben.
I)
Die tatsächliche Ebene
Lässt sich nach Überzeugung des Gerichts nachweisen, dass die Angeklagten Schiedsrichtern (nicht nur Baum und seinem Kumpel) Geld für Falschpfeifen versprochen/angeboten haben?
Da kommt es dann wohl auf die Zeugenaussagen an, die vor Gericht gemacht werden.
Die Angeklagten und deren Angehörige müssen nichts sagen. Ebenso wenig wie sonstige Zeugen, wenn sie sich durch die Aussage selbst belasten würden. Sagen sie was und wenn ja was?
Es ist Kaffeesatzleserei, aber es könnte sich eine Indizienkette ergeben. Plaudereien auf Malle und an Hotelbars sowie bei Noka daheim (was, wenn Noka und Frau schweigen nur von den anwesenden RNL-Zeugen bezeugt werden kann), Geldflüsse, Buchungen oder Nichtbuchungen, Belege, Schriftstücke, Kontoauszüge, die Reisewege des Volarevic, deren zeitliche Abfolge usw. Gibt es Lücken in einer solchen Kette?
Möglich, dass einige Zeugen aus dem Ausland gar nicht erscheinen, möglich dass sich andere nicht erinnern, plötzlich erkranken oder ihrer schriftlichen Aussage widersprechen. Möglich, dass alles noch einmal genauso erzählt wird, wie zuvor. Möglich, dass völlig neue Gesichtspunkte und Zeugen auftauchen.
Dann muss das Gericht die Aussagen bewerten. Gibt es möglicherweise Belastungstendenzen? Wer hat was wovon? Hintergründe? Motive? Ist der Zeuge glaubwürdig oder die Aussage glaubhaft? Hörensagen?
II)
Die rechtliche Ebene
Passt der dann nach Überzeugung des Gerichts festgestellte Sachverhalt in eine strafrechtliche Norm?
Auf den 299 bezogen: Ist die EHF ein "gewerblicher Betrieb"? Sind Schiedsrichter "Beauftragte" der EHF? Sind Siegermedaillen „bezogene Waren“ im Sinne des 299? Ist der Titelverteidigerstartplatz eine "gewerbliche Leistung" im Sinne des 299? Ist die Teilnahme der Klubs an der CL eine von ihnen gegenüber der EHF erbrachte „gewerbliche Leistung“? Wie hoch ist das Risiko einer denkbaren Revision, vor dem Hintergrund, dass hier vielleicht ein Sachverhalt in eine Norm gequetscht wird, die dafür nicht geschaffen worden ist? U.v.m.
Bezogen auf die Untreue, die dem Vernehmen nach trotz anderslautender Meldungen noch im Raume steht:
Sind „schwarze Kassen“ für noch nicht konkrete Verwendungszwecke gebildet oder „Zahlungen ohne Rechtsgrund“ erfolgt oder war die Zahlung tatsächlich ein Darlehen?
Also, was bleibt am Ende übrig? Strafrechtlich, zivilrechtlich, verbandsrechtlich?
Dann noch der Zeitfaktor bis das Verfahren rechtskräftig abgeschlossen ist: Revision, entweder durch die dann Verurteilten oder die Staatsanwaltschaft? Kommt eine andere Instanz zu einer anderen rechtlichen Bewertung (Stichwort Betrug)? Wird zurück verwiesen oder bestätigt? Wieviele Jahre dauert das?
Fragen über Fragen. Es dürfte spannende Prozesstage geben. Oder „einigt“ man sich ob der vielen offenen Fragen und Unsicherheiten doch noch vor Prozessbeginn oder im Prozess?