DHB schickt Topschiris in die Pampa
Eigentlich sollte es die Sache nicht wert sein, das man überhaupt über sie spricht. Denn eigentlich ist es doch so, dass sie sich im Hintergrund bewegen sollen, die Fäden in der Hand halten und ein Handballspiel den Regeln entsprechend über die Bühne bringen. Doch nicht selten geraten die Herren Schiedsrichter ins Kreuzfeuer der Kritik. Manchmal berechtigt, manchmal aus lauter Frust als Notnagel benutzt. Beim Final Four in Hamburg war es aber leider wieder einmal so, dass sich Unparteiische, aber auch die für ihre Ansetzung Verantwortlichen harscher Kritik ausgesetzt sahen. Dabei waren es nicht in erster Linie die Verlierer, die ihren Unmut nach Spielende kund taten. Vielmehr waren es gleich zahlreiche namhafte neutrale Beobachter, die mit ihrer Schelte nicht hinterm Berge hielten. Bob Hanning beispielsweise war außer sich über die gezeigte Leistung des sächsischen Gespanns Lars Schaller und Sebastian Wutzler, reduzierte seine zunächst knallharte Bewertung als mediengerechte Aussage gegenüber Journalisten aber auf das Wort »skandalös«. Was aber ausreicht, um seinen Unmut und die offensichtliche Benachteiligung von Underdog TuS N-Lübbecke gegen »Gastgeber« HSV Hamburg zum Ausdruck zu bringen.
Bundestrainer Heiner Brand befand in seiner bekannt diplomatischen Art, dass er das Gespann aus Leipzig und Frankenberg schon stärker und souveräner gesehen habe. Und Thorsten Storm, Manager der Rhein-Neckar Löwen, sah den HSV sowohl im Halbfinale gegen Lübbecke als auch im Endspiel gegen sein Team aus dem Standortvorteil einem Heimbonus bei den Schiris ziehen.
Nach dem Finale droschen dann noch Trainer Ola Lindgren und Keeper Henning Fritz auf das Gespann Holger Fleisch und Jürgen Rieber ein. Für den Ex-Nationaltorhüter war die Sache eindeutig: Man sei klar benachteiligt worden, weil die Spielleiter dem Druck in der Arena nicht gewachsen waren. Daher forderte Fritz auch, das Final Four künftig an einem neutralen Ort durchzuführen.
Einem Wunsch, dem die Handball-Bundesliga natürlich nicht nach kam. Es gäbe ohnehin nur drei Arenen, die zur Wahl stünden: Hamburg, Köln und Berlin. Mannheim würde durch das Sieb fallen, da man aufgrund des eigenen Anspruchsdenkens und dem der Sponsoren diese Veranstaltung nur in einer Metropole durchführen wolle. Und das sei Mannheim nun mal nicht. Doch auch Köln (VfL Gummersbach) oder Berlin (Füchse Berlin) könnten einem Teilnehmer einen Heimvorteil bescheren.
Ola Lindgren zählte aber nicht nur das Final-Gespann, sondern auch Schiedsrichterwart Peter Rauchfuß an. Und das nicht zu unrecht, denn mit den Gebrüdern Methe fehlte das beste Gespann in Hamburg. Stattdessen hatte man die Leiter des EM-Endspiels zum Zweitligaspiel zwischen Delitzsch und dem Bergischen HC in die Pampa geschickt.
Dafür fand mit Schaller/Wutzler ein Duo Berücksichtung, das von der Leistung her für viele nicht mehr als Mittelmaß im A-Kader der deutschen Schiedsrichterzunft darstellt, nach Meinung von Beobachtern aber von Landsmann Rauchfuß gepuscht wird. Ein Gespann, das dem TuS N-Lübbecke übrigens im Bundesligaspiel nach einem Foul an Rui beim Stand von 24:25 in den Schlusssekunden einen Siebenmeter verwehrt hatte.
So blieb beim ansonsten gelungenen Final Four letztlich ein fader Beigeschmack. Einer, für den die ausrichtende HBL nichts konnte. Denn für diesen Bereich zeichnet einzig der Deutsche Handball-Bund verantwortlich, der ansonsten für die Bundesligen und den Pokalwettbewerb kaum noch Befugnisse besitzt. Bei ihm werden aber viele Außenstehende den Eindruck nicht los, als würde dort auch heute noch Vetternwirtschaft herrschen.
Der TuS N-Lübbecke war indes mit seinem Wochenende zufrieden. Und in Sachen Schiedsrichter? Kein Wort – aber alle dachten sich ihren Teil.
Volker Krusche