Mal aus Nettelstedter Sicht:
Tja. Nehmen wir mal das Bittere vorweg: Nachdem ich mir bei Ruckel-TV auch den Hofbräu-Cup angeschaut und am Samstag einige Experten gesprochen habe ist klar: Derzeit (!) sind wir die schwächte Mannschaft der Bundesliga. Dicht gefolgt von GWD.
Viel zu langsam, mit erheblichen Schwächen am Kreis und im Rückraum. Das Zusammenspiel passt noch nicht im Ansatz.
Balingen, Essen und Berlin sind schon wesentlich weiter. GWD war in den letzten Jahren beim MerkurS-Spielothek-Cup immer relativ schwach. Das hat also nichts zu sagen, zumal die Mannschaft nun wirklich eingespielt ist.
Nun das Positive: Somit haben wir auch das größte Steigerungspotenzial.
Viel größer als das von Balingen, Essen oder den Füchsen. Diese Mannschaften haben auch schon viel eher mit dem Training angefangen (keine Relegation) und hatten nicht neun Neuzugänge zu integrieren. Noch ist Zeit bis zum ersten Schlüsselspiel und im Laufe der Saison wird sich viel ergeben, sobald erste Erfolgserlebnisse kommen.
Man darf auch nicht vergessen, dass Branko Kokir nur mit angezogener Handbbremse spielen durfte und Olli Tesch gänzlich fehlte. Aber Verletzungen wird es immer geben.
Die Abwehr - und hier lag der ganz große Schwerpunkt im Training - steht schon recht gut. Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte werden damit ihr liebe Not haben. Allerdings muss man wohl kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass der TuS in der Zeitstrafenrangliste auch in dieser Saison ganz weit oben landen wird.
Man weiß nicht, wie die Schiedsrichter die oft grenzwertigen Abwehrsituationen der 3:2:1 oder 5:1 bewerten. Davon hängt auch einiges ab. Es soll Anweisungen gegeben haben, gegen das "Hintendranhängen" und "Trikotziehen" bei offenen Deckungen (das dort zwangsläufig öfter als bei einer 6:0 auftritt), stärker als in der letzten Saison vorzugehen. Es ist verdammt schwer, 60 Minuten lang eine 3:2:1 "sauber" zu spielen.
Was ich persönlich sehr angenehm und positiv finde: Die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit ist nach diesem ersten Auftritt vor heimischer Kulisse sehr gering bis nicht vorhanden. Hatte man vor Freitag (ohne die Mannschaft gesehen zu haben) noch "blind" gesagt: "Klassenerhalt, aber sicherer als in der letzten Saison", hieß es am Samstag: "Och, das wird ja noch enger als im letzten Jahr" oder "Da wird nichts von."
Es ist gut, wenn die Leute nicht viel erwarten. Dann hat die Mannschaft alle Möglichkeiten, die Fans und Zuschauer auf ihre Seite zu ziehen. Nach dem Spieleothek-Cup hätte wohl eine große Mehrheit "Platz 15" sofort unterschreiben, wenn so etwas denn ginge. Es ist immer besser, postitiv zu überraschen, als höher gesteckte Zielvorgaben zu erreichen. Positive Überraschungen schaffen Euphorie, ein erwarteter und vorausgesetzter Heimsieg nicht unbedingt.
Wahrscheinlich werden in dieser Saison 17 Punkte nicht für Platz 15 oder 16 reichen. Es drängt sich keine Mannschaft als abgeschlagener Punktelieferant auf und GWD wird zudem sicher noch im Laufe der Saison nachrüsten.
Auch dürften die Mittelfeldmannschaften (Magdeburg, Nordhorn, Göppingen und Großwallstadt) mehr Punkte gegen Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel verlieren als zuletzt.
Letztlich geht es darum aus den Spielen gegen die unmittelbaren Konkurenten WHV, Berlin, Balingen, Essen, Wetzlar, Melsungen, GWD möglichst viele Punkte zu holen und den einen oder anderen "Bonussieg" einzufahren. 20-22 Punkte müssen es schon werden, wollen wir nicht wieder bis zur allerletzten Sekunde zittern.
Velco sagte: "Wir haben noch sehr viel Arbeit!" Da bleibt nur, gutes Gelingen zu wünschen!