Beiträge von Lothar Frohwein

    Seitdem ich zum Handball gehe frage ich mich, welchen Sinn gelbe Karten eigentlich (noch) haben.

    Mir ist schon der Grundsatz der Progression bewusst und vielleicht auch die theoretische Warnfunktion. Aber mal ganz provokativ gefragt: Braucht der Handball noch gelbe Karten?

    Bekomme ich als Spieler (mal) eine, interessiert mich und meine Mannschaftskameraden das in etwa soviel, als ob in China nen Sack Reis umfällt. Überhaupt: Welchen Handballer juckt eine gelbe Karte? Welcher Spieler macht sich darüber Gedanken und hält sich darauf zurück?

    Bei einer Hinausstellung ist das ganz anders. Ob wir erst eine, zwei oder schon drei gelbe Karten kassiert haben, weiß eh niemand. Ich bin mir sicher, dass das die wenigsten Spieler von ihrer Mannschaft im Spielverlauf registrieren. Wenn man überhaupt mitbekommt, dass man selber eine kassiert hat... Und selbst wenn: Sie foulen trotzdem, auch wenn sie wissen sollten, dass die drei Karten schon vergeben sind. Also in dieser Beziehung besteht keine Warnfunktion. Bei Karten gegen die Bank kann man das anders sehen.

    Eigentlich sind gelbe Karten Bestrafungen ohne Konsequenz, demnach überflüssig.

    Eine Frage eines Freizeitspielers und Fan der Sportart an die vielen Schieris hier: Wäre es nicht für alle Beteiligten einfacher und sinnvoller, die gelben Karten einfach abzuschaffen oder wiedersprich das zu sehr dem (körperbetonten) Spielgedanken?

    Um das Spiel langsamer und langweiliger zu machen, könnte man das Spielfeld auf 110 + 70 Meter vergrößern, den Ball ebenfalls vergrößern, elf Spieler pro Mannschaft zulassen und verbieten, den Ball mit der Hand zu spielen. Das Spielen mit dem Fuß und dem Kopf erlauben. Die Tore könnten dann sogar auf 7,37 x 2,42 Meter vergrößert werden. Es werden dann im Durchscnitt bei auf 2 x 45 Minuten verlängerter Spielzeit höchstens drei Tore fallen... ;)

    Mal ernsthaft: Ich persönlich finde, dass die schnelle Mitte den Sport attraktiver gemacht hat. Taktisch sind eben einige Elemente dazugekommen, die es vorher nicht gab. Jede Sportart unterliegt Veränderungen. Es gab Zeiten, da wurde diskutiert, ob Hallenhandball überhaupt sein müsse.

    Ich wäre allerdings dagegen, diese Schraube noch weiter anzuziehen und beispielsweise die Mitte gänzlich abzuschaffen und durch einen Abwurf zu ersetzen. Dann würde es vermutlich doch zu heftig und würde in eine einzige Rennerei ausarten.

    Es ist offenbar so, dass es überall eine gewisse Anzahl Menschen gibt, die das Bedürfnis haben, sich gegenseitg schlagen zu müssen. Der Fußball ist nur der Anlass, zu dem sich diese gleichgesinnten Leute treffen. Das hat sich im Laufe der Jahre entwickelt. Um den Sport an sich geht es diesen Leuten gar nicht, nur um Selbstdarstellung und eine in unseren Augen nicht nachvollziehbare Selbstverwirklichung.

    Vielleicht sollte man eine Firma gründen, die ein Areal zur Verfügung stellt, auf dem sich diese Menschen gegen Eintritt oder Monatsgebühr auf eigene Gefahr aufs Maul hauen können.