München - Drei Wochen vor Beginn der EM in der Schweiz ist die seit Jahren andauernde Diskussion um die hohe Termindichte im Handball neu entflammt.
Der frühere Welthandballer Daniel Stephan hat einen Spielerstreik ins Gespräch gebracht, der von der Spitze des Deutschen Handball-Bundes (DHB) allerdings als unrealistisch betrachtet wird.
"Was Daniel anmahnt, ist die bekannte Auffassung des DHB. Aber ein Spielerstreik geht an der Realität vorbei", sagte DHB-Präsident Ulrich Strombach am Mittwoch.
"Jetzt ist die Suppe gegessen"
Nach Auffassung des Handball-Chefs ist der Wettkampf-Rhythmus mit einer jährlichen Großveranstaltung nicht mehr rückgängig zu machen.
"Wir hätten vor Jahren, als diese Regelung vom Weltverband und vom europäischen Verband eingeführt wurde, mit einem Streik etwas machen können. Aber wir haben keine Solidarität hinbekommen, weil die Bundesliga sich nicht an einem Boykott beteiligen wollte. Mit einer Verweigerung der Teilnahme am Europapokal und der EM hätten wir etwas erreichen können, aber jetzt ist die Suppe gegessen", erklärte Strombach.
Die internationalen Verbände sind entscheidend
Für den DHB-Boss ist die Lage in den internationalen Verbänden der entscheidende Faktor:
"Wie wollen sie dort Mehrheiten aushebeln? Es gibt im Weltverband vielleicht zehn Länder mit professionellen Ligen, die aber wie die anderen 155 nur eine Stimme haben. Man kommt an dem momentanen Veranstaltungsrhythmus nicht mehr vorbei."
"Der Terminkalender ist Wahnsinn"
Stephan hatte in der Sport-Bild die Belastung der Profis scharf kritisiert. "Natürlich ist der Terminkalender Wahnsinn. Jedes Jahr eine WM oder EM - das ist unmöglich", sagte der Ex-Nationalspieler und bezeichnete einen Spielerstreik als "angebracht."
Der 32-Jährige, der bis zum Jahr 2008 beim Bundesligisten TBV Lemgo unter Vertrag steht, hatte im November auf Grund von gesundheitlichen Problemen seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt.
Strombach sieht Belastungen im erträglichen Rahmen
Im Gegensatz zu Stephan sieht Strombach die Belastung für die Spieler aber noch im Rahmen.
"Der Terminstress ist zwar da, aber die Grenzen werden nicht unverantwortlich überschritten. Wichtig sind vernünftige Regenerationszeiten", sagte der DHB-Präsident und verwies auf die ungleich höhere Belastung der Sportler in den nordamerikanischen Profi-Ligen.
Ligaverkleinerung wäre denkbar
Stephans Vorschlag, die Bundesliga von 18 auf 16 Mannschaften zu verkleinern, steht Strombach dagegen aufgeschlossen gegenüber:
"Die Liga zu reduzieren, ist ein interessanter Ansatz. Dann dürfen aber nicht anstelle von Ligaspielen private Veranstaltungen ausgetragen werden."