Zum Thema Lehrer und Freizeit:
Meine Freundin ist Grundschullehrerin an einer kleinen Schule mit vier Kollegen und Kolleginnen und etwa 110 Schülern.
Sie arbeitet in der Schulzeit mindestens (!) 65 Stunden pro Woche, selbstredend auch am Sonntag. Die Hälfte der Zeit fällt auf den Unterricht (28 Stunden plus Vor- und Nachbereitung). Die andere Hälfte geht für Verwaltung und anderen Kram drauf.
Stichworte: Fortbildung, Fach-Lehrplan erstellen, Schulprogramm ändern, Schulfest oder Bundesjugendspiele vorbereiten, Sitzungen des Fördervereins besuchen, Fachbereichskonferenz, Eltenstammtisch, Elternabend (jeweils mal 4, für jede Klasse einmal im Monat), Sicherheitsbericht schreiben, Unfallstatistik, Umlaufmappe (mit den wöchentlichen Änderungen aus Ministerium und Schulamt) lesen, Klasse schmücken für Ostern, Weihnachten etc, Klassenfahrten organisieren und mitfahren (der Lehrer bekommt seine Kosten übrigens nicht erstattet), Zeugnisse schreiben (zu jedem Fach mindestens drei Sätze), Gutachten schreiben (4. Klasse), Schuleingangseignungstest (eine Neuerung) ausarbeiten, niederschreiben, bergünden, durchführen und auswerten, Vergleichsarbeiten schreiben und auf speziellen I-Net-Seiten auswerten, Mai-Singen (natürlich am Feiertag) mit Bratwurstverkauf und allem Schnickes, Besuch anderer Lehrer anderer Schulen (was ist aus unseren Schülern geworden?), "Pascal hat seinen Turnbeutel vergessen" oder "Paul ist heute krank"-Anrufe zwischen 6.15 und 23.15 Uhr...
Jedenfalls ist sie NIE vor 15 Uhr zuhause und hat mindestens zweimal wöchentlich noch irgendeine (nervige) Abendveranstaltung. Vorbereitungszeit und Korrekturen kommen extra. Jetzt soll die Schule auch noch zur Ganzttagsgrundschule umgewandelt werden. Auch hierfür müssen Konzepte erstellt werden. Vom Schulamt? Nein! Von den Lehrern!
Der Beruf hat sich geändert. Die Lehrer werden mit Arbeit (meist unnützer Art, die mit Unterricht nichts zu tun hat) seitens der Behörden förmlich zugeschissen. Ich jedenfalls habe meine alte Meinung zum Arbeitsaufwand der Lehrer jedenfalls in den letzten Jahren deutlich revidiert.
Coco hat Recht: Jedem steht es frei, diesen Beruf zu ergreifen. Doch wenn das so weitergeht, werden wohl nur ganz bis zum gesetzlichen Rentenalter durchhalten!