Ich bin ein ruhiger Bürger, mich regen nur wenige Dinge wirklich auf. Das Wallau-Spiel (Acht-Tore vor vergeigt) hat mich nicht sonderlich aufgeregt, aber bei folgenden Sachen kenne ich mich selbst nicht mehr:
- Einkaufen mit Frau (kein Supermarkt) nach dem Motto: "Was brauchst du denn?" Antwort: "Weiß ich nicht, aber entweder einen Pullover, eine Hose, eine Jacke oder Schuhe!". In der Praxis findet mann (!) dann immer wieder folgendes ehernes Gesetz bestätigt: Nach acht Schuhläden und 25 Anpoben, wird drei Stunden später das erste Paar aus dem ersten Laden gekauft. Konsequenz: Ich fahre da nicht mehr mit und kaufe mir grundsätzlich das erste Paar...
- Im Supermarkt: Dahin kann man Frauen mitnehmen, was die Ganze allerdings erheblich verzögert und einen um die Erfahrung reicher macht, dass Kiwi-Buttercreme-Brotaufstrich für 2,29 € genau so scheiße schmeckt, wie er aussieht. Wenn man einen zweiten Wagen mitnimmt, geht es. Zwei Dinge bringen mich allerdings in Amoklauf-Stimmung:
1. Oma Hilde und Oma Trude, die sich zufällig im Gang treffen, über das neue Auto von Nachbars Heinz und die neuen Primeln im anderen Supermarkt quasseln und dabei eine korrekte Sperre stellen ohne es zu merken.
2. Lange Schlangen an der Kasse.
Es ist immer das gleiche: Entweder hat die Kassiererin beim Kunden vor mir einen Storno verursacht, die Kassenrolle ist leer, der Kiwi-Buttercreme-Aufstrich ist nicht in der Kasse gespeichert oder jemand vor mit bezahlt auf die ostwestfälische Art:
Meist sind es ältere Damen, die dieses Brauchtum pflegen: Erst alle Artikel schön langsam vom Band in den Wagen packen. Dann sagt die Kassiererin: "39,97 Euro!"
Jetzt fingert die Dame ihre Quadratmeter große Tasche vom Haken vor dem Wagen. Sie öffnet die Tasche und fördert eine Halbquadratmeter-Tasche zu Tage. Diese legt sie auf das Band, nestelt an dem Reißverschluss und breitet aus: Eine kleine Tasche, eine weiße Geldbörse, eine rote Geldbörse, ein Apfelschälmesser und zuletzt das Brillenetui. Lesebrille raus, auf Nase setzen, Messer und Geldbörsen wieder einzeln zurück in die Tasche legen.
Sie öffnet die kleinere Tasche und findet die schwarze Geldbörse.
Bevor sie Reißverschluss Nummer 1 öffnet, der IMMER klemmt, stellt sie eine gewagte These in den Raum: "Moment, ich hab´s passend!"
Jetzt geht es los: Den ersten Zehner, auf Briefmarkengröße gefaltet, auseinanderklappen. Dem zweiten Zehner folgt der erste Fünfer. Alle ordentlich gefaltet. "Ach so langsam gewöhnt man sich an das neue Geld. Früher waren Fünfmarkscheine so selten." Nach dieser Weisheit, die so sicher wie das Amen in der Kirche aus ihrem Mund sprudelt, legt sie zaghaft lächelnd den zweiten Fünfer auf den Tisch des Hauses.
Der klemmende Reißverschluss Nummer 1 wird zugezogen, Reißverschluss Nummer zwei geöffnet. Das Kleingeld. Der Horror neigt sich dem Höhepunkt entgegen: Drei Zweier, zwei Eurostücke, zwei 50 ct-Stücke liegen nach wenigen Minuten in der Hand der Kassiererin. Die Dame fingert weiter. 20 ct, 20 ct, 10 ct...
"Sind das 5 Pfennige oder 2 Pfennige?", fragt sie ein kupfernes Geldstück der armen Angestellten unmittelbar vor deren Augen haltend.
"Zwei Cent!"
"Dann reicht´s es doch nicht! Aber ich schau nochmal!". Jetzt kommt die weiße Geldbörse (Rente) ins Spiel , danach die rote (Miete). Die Ausbeute: Zwei Centstücke.
Also alles wieder zurück. Ein Cent-Stück in die rote, eines in die weiße, den Rest in die schwarze Geldbörse. Dabei wäre es ein arger Verstoß gegen die Tradition, die Scheine nicht wieder auf Briefmarkengröße zu falten. Und die Traditionen wollen wir doch schön aufrecht erhalten!
Zum Abschluss öffnet sie den Reißverschluss Nummer drei des schwarzen Portemoinnaies, der sich problemlos aufziehen lässt, holt zwei gebügelte Zwanziger heraus, steckt die drei Cent Restgeld in die Manteltasche. "Ach, hier hätte ich noch fünf Cent gehabt", sagt sie und schiebt, nachdem sie bedächtig alle Taschen wieder in alle Taschen gesteckt hat von dannen, trifft im Gang Oma Hilde, setzt eine Sperre, die Kassenrolle ist leer. Ich laufe Amok...
- Leute (immer mit HF-Kennzeichen), die die Botschaft der "Tempo-30-Zone" hinaus in die Welt tragen machen mich rasend!
- Wartezimmer, in denen ausschließlich "Frau im Spiegel", "Brigitte" und "Praline" ausliegen und in denen es nach Tod riecht, weil seit Wochen nicht gelüftet wurde.
Das war noch nicht alles, Eltern mit verzogenen Bratzen, denen alles durchgelassen wird, regen mich auch auf. Aber ich habe jetzt keine Zeit mehr...