HSV: Rettungsanker Satzungsänderung?
Am kommenden Mittwoch trifft sich eine Delegation des HSV Hamburg beim Ligavorstand in Magdeburg zu einem - möglicherweise - letzten Rettungsversuch des vor der Insolvenz stehenden Klubs. Im Anschluss an das Treffen wird der HBL-Vorstand über die Strafe für den HSV wegen Verstößen gegen das Lizensierungsverfahren verhandeln. HSV-Präsident Heinz Jacobsen bringt es auf den Punkt: "Von dem Gespräch mit der HBL hängt vieles ab. Ich hoffe, dass es eine Lösung gibt", sagte er dem Hamburger Abendblatt
Dabei interessiert sich der HSV schon seit geraumer Zeit nicht mehr für den drohenden Punktabzug. Wegen angeblicher Mauscheleien bei der Abgabe der Lizenzunterlagen, bei der Mietforderungen der ColorLine-Arena verheimlicht worden sein sollen, und der Nichtabgabe einer testierten Bilanz droht den Hamburgern ein Punktabzug von bis zu 8 Zählern.
Viel gewichtiger als der Punktabzug ist das unüberwindlich scheinende Dilemma, den wirtschaftlichen Träger Omnisport GmbH nicht während des laufenden Spielbetriebs wechseln zu dürfen. Es geht ums nackte Überleben. Die HSV-Verantwortlichen wollen am Mittwoch mit der HBL eine Lösung aushandeln. In Rede steht eine Ausnahmegenehmigung, um den Standort Hamburg zu retten. Diese kann aber nicht der Vorstand alleine beschließen, hierzu müsste eine Vollversammlung mit allen Vertretern der 1. und 2. Liga einstimmig eine Änderungen der HBL-Statuten beschließen.
Uwe Schwenker sieht hierin keinen Lösungsansatz für den HSV. "In unserer Satzung gibt es klare Richtlinien. Bei einer Ausnahmeregelung für den HSV wäre das ganze Lizenzierungsverfahren ad absurdum geführt. Der HSV hätte bei so einer Abstimmung keine Chance."
Ohne den Wechsel des wirtschaftlichen Trägers und der damit verbundenen endgültigen Ausbootung von Wilfried Klimek, kann der HSV aber nach heutigem Stand keine zusätzlichen Sponsorengelder aquirieren.
Ein Überleben der OmniSport scheint indes ausgeschlossen. Der hohe Schuldenstand (es ist von 1,9 Mio Euro die Rede), Rückstände bei der Auszahlung der Spielergehälter, offene Forderungen der ColorLine-Arena (die nächsten Heimspiele sollen privat vorfinanziert worden sein durch HSV-Aufsichtsratschef Jürgen Hunke), der Krankenkasse oder der Finanzbehörde? - die Zahlungsunfähigkeit leuchtet unübersehbar am Horizont. Nach den Statuten der Liga hätte dies einen Zwangsabstieg des HSV zur Folge.
Aber vielleicht wird am Mittwoch der Gordische Knoten doch noch durchschlagen. Für das Spiel am Dienstag gegen den VfL Gummersbach baut der HSV auch auf die Unterstützung der Fans, um ein Zeichen an die Liga zu senden. "Wir befinden uns in der entscheidenden Schlacht um den Handballstandort Hamburg. Jetzt müssen auch die Fans noch einmal die letzten Reserven mobilisieren und ihr Bekenntnis zum HSV abgeben. Trotz der unglaublichen Verletzungsmisere werden wir versuchen, das Unmögliche möglich zu machen und dem VfL Gummersbach einen großen Kampf bieten, auch dafür ist die lautstarke Unterstützung unseres Hamburger Publikums notwendig", appelliert HSV-Trainer Bob Hanning an die Zuschauer. Mit bisher 6.250 verkauften Karten ist der Unterrang der knapp 13.000 Zuschauer fassenden Arena fast ausverkauft. Nun will der HSV auch den Oberrang öffnen, um noch mehr Zuschauer in die Halle zu locken.
Unterdessen meldet das Hamburger Abendblatt Unruhe an der Spielerfront. Man wolle bis Weihnachten Klarheit über eine Perspektive beim HSV haben, lassen die Gille-Brüder über die Zeitung ausrichten, andernfalls werde man den Verein verlassen.
Olaf Nolden - http://www.handball-world.com