Beiträge von Lothar Frohwein

    21.09.2017, 19:00 Uhr, Füchse Berlin - TVB 1898 Stuttgart
    21.09.2017, 19:00 Uhr, HC Erlangen - TV 05/07 Hüttenberg
    21.09.2017, 19:00 Uhr, Frisch Auf Göppingen - TBV Lemgo
    21.09.2017, 19:00 Uhr, HSG Wetzlar - THW Kiel
    21.09.2017, 19:00 Uhr, MT Melsungen - SG Flensburg-Handewitt
    24.09.2017, 12:30 Uhr, Rhein-Neckar Löwen - TuS Nettelstedt-Lübbecke
    24.09.2017, 12:30 Uhr, SC DHfK Leipzig - TSV Hannover-Burgdorf
    24.09.2017, 15:00 Uhr, SC Magdeburg - GWD Minden
    01.10.2017, 12:30 Uhr, TSG Friesenheim - VfL Gummersbach

    @ Nueboy:

    2.300 Dauerkarten wurden vor 20 Jahren verkauft.

    Wenn man keine DK hatte, musste man Beziehungen haben, um an ein Ticket zu kommen; es gab sogar einen Schwarzmarkt vor der Halle. Das war aber eine andere Zeit. Die Kreissporthalle war eine der größeren Hallen der Liga.

    Beim TuS tummelten sich Weltklassespieler wie z.B. Wenta, Khalepo und Dujshebaev. Das Ziel hieß Deutsche Meisterschaft (man hatte ja den europäischen City-Cup gewonnen), was kläglich verfehlt wurde. Letztlich war das damals aber ungesund, unvernünftig, vom Größenwahn getrieben und hätte dem TuS beinahe das Genick gebrochen.

    TuS N-L hat in Beitrag #13 schon vieles von dem gesagt, was ich auch denke.

    Ergänzend habe ich noch einige Punkte (nicht abschließend, will euch ja nicht langweilen):

    - Die Liga ist in einem Wandel, der sich nicht aufhalten lässt. Die Wiege des Handballs, die Traditionsvereine in ländlichem Umfeld, verschwinden dauerhaft in der 2. Liga; so genannte "Projekte" in Städten nehmen deren Plätze ein. So wird es auch dem TuS ergehen, wenn nicht nach dieser Saison, dann nach der kommenden.

    - Die Kreissporthalle entspricht - ehrlich gesagt - nicht mehr den Erwartungen des heutigen Zuschauers. Baulich, Innenoptik, Catering...

    - Das Freizeitangebot hat auch auf dem Land deutlich zugenommen; es gibt mehr Alternativen zum Handball, als noch Mitte der 90er-Jahre, wo der Hausmeister nur das Licht in der Halle anmachen musste, damit sie von Zuschauern eingerannt wurde.
    Der Euro kann nur einmal ausgegeben werden. Die Familien geben ihr Freizeitbudget allerdings nicht donnerstags aus, wenn sie freitags wieder arbeiten und die Kinder zuhause lassen müssen. Viele Menschen arbeiten übrigens um 19.00 Uhr noch. Sonntags spielen alle unteren Ligen, Fußball wie Handball. Da ist man entweder selber aktiv oder fährt die Kinder von Faußballplatz A in Halle B. Von daher sind die neuen Anwurfzeiten für den TuS eine absolute (existenzbedrohende) Vollkatastrophe.

    - Der TuS hat geographisch und historisch betrachtet ein Einzugsgebiert, in dem etwa 45.000 Menschen leben; das kleinste der Liga. Das relativiert und erklärt viel. Wenn 1.500 Zuschauer kommen, waren 3,3% der Bewohner des Einzugsgebiets da. Unzulässige Hochrechnung, aber trotzdem prägnant: Übertragen auf Berlin hätten die Füchse dann 115.500 Zuschauer...

    - Die Stamm-Zuschauerschaft vergreist und stribt - drastisch formuliert - langsam weg. Das ist aber nicht nur ein Problem in Lübbecke, wenn ich mich in den Hallen so umsehe.
    Ich glaube nicht, dass man Kinder und Jugendliche mit dem Sky-Konzept als Nachrücker gewinnt. Wenn gespielt wird, haben die keine Zeit bzw. am nächsten Tag ist früh Schule. Und kein 14-Jähriger holt sich Sky. Das ist was für die Gesetzteren, die es sich leisten können. Die Produktion eigener Clips für die sozialen Medien, die die "Kids" erreichen und die in Zukunft noch wichtiger werden , schränkt der Sky-Vertrag arg ein.

    - Der Etat des TuS ist seit dem Abstieg 16 deutlich zurückgefahren worden. Je weniger Leute kommen, desto weniger die Motivation der Sponsoren. Beides kann man ihnen nicht verdenken, es gab in den vergangenen Jahren genug finanzielle Kraftakte, die aus verschiedenen Gründen nicht dauerhaft gewirkt haben. Daher sind die Anwurfzeiten existenzbedrohend, was sich möglicherweise auch an anderen Standorten noch herausstellen wird. Das Nettelstedter Publikum ist indes recht verwöhnt und kann mit der realistischen Aussicht, den TuS in 13 oder 14 von 17 Heimspielen verschiffen zu sehen, nicht umgehen. Die Leistung entspricht nun aber dem Etat..

    - Ganz wesentlich ist, dass Handballvereine eine lokale, bestenfalls regionale Marke sind. Die Zahl der Fans ist arg beschränkt; im Gegensatz zum Fußball, wo es Werder-Fans in Thüringen oder am Bodensee und Bayern-Fans auf der Hallig Langeneß gibt. Fußballklubs der ersten Liga sind in der Regel nationale, wenn nicht sogar internationale Marken. Dort ist die Nachfrage an Karten meist höher als das Angebot. Für viele Fans ist es ein Ziel oder sogar Traum, einmal pro Saison ein (!) Heimspiel des Lieblingsvereins live sehen zu können. Dafür werden Zeit und Geld investiert und ein hoher Aufwand betrieben (Anreise, Hotel etc.) . Anstoßzeiten spielen daher eine untergeordnete Rolle, anders als im Handball. Die eben genannten Voraussetzungen haben wir im Handball nicht im Ansatz; wir rekrutieren die Zuschauer nahezu ausschließlich aus unserem lokalen Einzugsgebiet und müssen deshalb verstärkt auf die Befindlichkeiten und Bedürfnisse der potenziellen Zuschauer Rücksicht nehmen und eingehen. Daran wird sich realistischerweise auch langfristig nichts ändern.

    - Letztlich weiß ich auch aus vielen Gesprächen, dass ehemaliges Stammpubikum (Leute, die über 30 Jahre ein Dauerkarte hatten) aus all den von TuS N-L und mir aufgeführten Gründen (vor allem aber wegen der Zeiten) zuhause bleibt, WEIL es doch so gemütlich ist, das Spiel auf dem Sofa bei Sky sehen zu können. Und wenn es nicht gefällt, schaltet man auf eine unterhaltsame Partie um... Man sagt zwar, dass man zu bestimmten Spielen käme, aber die Erfahrung zeigt: Hast du keine Dauerkarte bezahlt, notierst du dir nicht die Termine und dann aus dem Auge, aus dem Sinn...

    Mein Fazit: Kurz- bis mittelfristig wird der Erstligastandort Lübbecke verschwinden; der HBL bleibt zu wünschen, dass es immer genug potente "Projekt"-Nachrücker geben wird, um den Status "stärkste Liga der Welt" halten zu können, denn auch andere Vereine werden zu kämpfen haben...

    Edit: Auch Karls Beitrag unterschreibe ich.

    Edit 2: Lösungsmöglichkeiten gäbe es für den TuS möglicherweise, aber die würden Zeit, Ausdauer, viel Engagement, "Menpower" und Kraft kosten und auch kleinere Investitionen erfordern.

    Ganzheitliches Edit 3: Wenn es denn aber der gesamten Sportart Handball helfen sollte, haben die Neuerungen meinen Segen! Das werden die kommenden drei Jahre zeigen.