Beiträge von Anton

    @ Fredo
    um das Ganze fortzusetzen:
    dafür hat doch M. eine geniale Neuverpflichtung getätigt, genau für die Position, wo am meisten "Bedarf" ist... :wall:
    aber wenn z.Zt. die Sponsoren zum Männerhandball wegrennen, dann ist halt nicht mehr möglich... ?(

    RBC

    „…Aber bei einem immer größeren zeitlichen Aufwand ( größtenteils zurückzuführen auf lange Busfahrten ) ist es schwer Leute zu finden, die das dann auch die ganze Saison über kostenlos mittragen….“

    Wieso kostenlos? Je höher, desto mehr muß auch das Umfeld im Verein in der Struktur angepasst werden, d.h. nicht nur die Spieler dürfen Geld kriegen!

    Aber eins hast du schon erkannt:

    „…Diese Spieler müssten dann auch alle bei ihren Vereinen eine private Schulausbildung erhalten. Dann fahren die Lehrer halt mit auf die Auswärtsfahrt und unterrichten im Bus oder Hotel….“

    Es geht nicht ohne die Kultusministerien, also nicht ohne weitere Bereiche der Gesellschaft, des Staates. Aber auch nicht erst in der A-Jugend: die Grundlagen für den Sport, oder überhaupt in der Talentförderung werden doch schon viel früher gelegt, egal ob in Naturwissenschaften, Kunst oder Sport! Im Sport aber schon im Kindergartenbereich. Und dann der Sportunterricht in den Schulen, wo man sich in Deutschland über Qualität und Quantität eher schämen sollte. :rotwerd:

    „…Aber die anderen Jungs die in kleinen Vereinen trainieren und auch einen Großteil an der Entwicklung beitragen, werden durch weitere Fahrstrecken nur schlecht behandelt. Spieler werden aufhören, oder Eltern entziehen ihnen die Erlaubnis weiter mitzumachen….“

    Warum ist das so? Seid doch ehrlich, doch nicht, weil sie für die Schule mehr tun, als wir früher???!!! :nein:
    Die Eltern erlauben doch auch, das sie stundenlang vor dem Fernseher oder Computer hocken, das mit 14 schon die Zigaretten in sind und Disco oder gar Flatrate-Saufen dort schon angekommen sind. :saufen:

    Es ist doch in Wirklichkeit so, das mit zunehmenden Alter die Mädchen und auch teilweise die Jungen sich abmelden, weil sie an den Wochenenden die Fahrten nicht mitmachen wollen, weil sie dann zu Hause was verpassen – aber bestimmt nicht die Schule!

    Also müssen wir uns fragen, ist unser Wettkampfsystem mit den wöchentlichen Punktspielen an den Wochenenden noch zeitgemäß?
    Es muß eben dem Trend Rechnung getragen werden, das man Jugendliche nur noch mit „EVENTS“ hinter dem Ofen hervorholt, da ist die Gesellschaft mit den Schulen vorneweg genauso gefordert, wie die Industrie.

    Meine Beobachtung ist, das sich Jugendliche kaum noch selber beschäftigen können, wenn kein Fernseher, PC oder Handy in der Nähe ist, ja schon teilweise die Trainingszeiten bei Lehrgängen die Sendezeiten von bestimmten Serien in der Glotze Rechnung tragen müssen – das soll sogar schon bei höheren Auswahlmannschaften der Fall sein – ist das nicht krank? :kotzen:

    Aber auf Malle am Ballermann oder in Lloret sind zumindest für diese Zeit die Sendungen vergessen. :ficken:

    Also im Handball auch EVENTS mit mehr als nur die Punktspiele anbieten! Und versuchen, die Industrie mehr mit ins Boot zu nehmen – ein kleines Beispiel, man müsste die Klingeltonvertreiber davon überzeugen, ihre Werbegelder nicht bei MTV rauszuschmeißen, sondern die Busunternehmen (oder die Deutsche Bahn) finanzieren die Vereinsfahrten damit, das sie die Werbung (nicht ununterbrochen) in den Bussen ausstrahlen und erreichen auch da ihr Klientel. Und es wäre auch da ein großer neuer Markt für viele weitere Dinge… Ideen gebe es viele, aber der Staat und die Sportverbände müssten sich da mehr einbringen.

    Also sorry Herr Paulat, der Vorschlag mit dem Mitteldeutschen Verband löst vielleicht kurzfristig das Problem von ca. 10 viertklassigen Handballvereinen :pillepalle:, aber geht völlig an der gesellschaftlichen Entwicklung, die auch vor dem Sport nicht Halt macht, vorbei!!! :wall:

    RBC

    "...Und ich kann den Schritt der Vereine in Mitteldeutschland nur unterstützen. Denn nur so wird man langfristig wirklich das ganze am Leben halten können. "

    Geht es um am Leben halten oder geht es um Steigerung der Qualität und damit wieder um attraktiveren Sport im Männer- und (!) im Frauenhandball und damit auch wieder um Sponsoren und Geld?

    Es wird nur durch Reduzierung der Zahl der Mannschaften in den ersten 3 Ligen gehen und es kann eben dort auch nur der Verein spielen, der dafür die Strukturen schafft und das nötige Geld für diesen Spielbetrieb und Spieler aufbringt!
    Noch mehr Staffeln heißt noch mehr Mannschaften für die wenigen guten Spieler! Sie reichen doch jetzt schon nicht mehr für die jetzigen Mannschaften in 1. bis 3. Liga - schaut doch mal aufmerksam hin in den Hallen!
    Mehr Staffeln = mehr Mannschaften = geringeres Leistungsniveau, da die geeignete Spielerzahl (und Funktionärszahl !) nicht steigen wird! Das Leistungsniveau wird noch mehr sinken und damit das ganze noch unattraktiver...

    Und wenn wir dann noch über die Jugendmannschaften anfangen zu reden, dann wird es erst richtig interessant... :)

    Wenn man das ganze so betrachtet, sind die Regionalverbände eigentlich überflüssig - also warum noch einen 6. Regionalverband gründen?
    Die Entwicklung wird in Richtung Reduzierung der Staffeln in den Regionalligen gehen, also damit auch größere Fahrtwege.
    Spielen kann eben nur die Mannschaft dort, die das Geld dafür aufbringt - da es weniger sind, wird zumindest der sportliche Wert gehalten. Zusätzliche kleinere Staffeln verwässern das sportliche Niveau bloß!
    Wenn eine mitteldeutsche Liga gewollt wird, dann eben in unter der Regionalliga, wie einige Beispiele ja zeigen (Brandenburg/Berlin, Baden-Würtemberg...). Es ist dann aber nur eine 4. Liga, wo sich Herr Paulat dann mit dem HC Einheit wiederfinden wird, denn mehr kann er sich sowieso nicht leisten und evtl. noch nicht mal das...
    Die "übergroße Zustimmung" kommt übrigens nur deshalb zustande, weil die meisten befragten Vereine mit dem Regionalverband überhaupt nichts zu tun hatten und JA nur angekreuzt haben da ja "Revolution" immer schön klingt, aber ob sie es verstanden haben (bzw. sich damit beschäftigt)?
    Wobei ich nicht gegen Veränderungen bin, aber sinnvoll und da könnte man ja gleich mal bei den Landesverbandsstrukturen anfangen (Baden, Südbaden, Rheinhessen, Mittelrhein usw.)!
    Die dagegen sind, bzw. noch weitere Punkte dann geändert haben möchten, wurden garnicht befragt - der Nachwuchshandball.
    Regionalligen gibt es wenige und ob sie sinnvoll sind, kann man an den meisten Spiel-Ergebnissen bezweifeln. Aber die Deutschen Meisterschaften in A- und B- Jugend müßten dann auch einen anderen Modus bekommen - unhabhängig von irgendwelchen Regionalverbänden.

    Also völliger Quatsch noch einen 6. Regionalverband zu gründen, löst lieber die bestehenden auf und organisiert den Handball anders!

    freshwatereast

    Zitat

    .... um mal den trainer etwas in schutz zu nehmen ... ich verfolge die thematik hier sehr gespannt ... bin selber dieses jahr in der dhb a-lizenz ausbildung und werde diese hoffentlich auch im juli abschließen ... aber die bundesligaspielordnung war in keinem der ausbildungsteile auf der agenda ;) ... also bitte keine solchen aussagen!

    :schrei:
    wie schon oben gesagt, Nichtwissen schützt vor Strafe nicht! Und ein guter Bundesligatrainer beschäftigt sich VOR der Saison mit der Bundesligaspielordnung - die ja so umfangreich nicht ist - denn es geht ja um viel (Geld)!
    Und zumindest in der C-Trainer-Ausbildung kriegt man gesagt, wozu eine Spielordnung da ist (und gerade im Nachwuchs ändert sie sich jede Saison)

    Leon

    Zitat

    Als Trainer muss man dies nicht unbedingt mitbekommen, dass nun eine tatsächlich 18 geworden ist.

    Es wäre ebenfalls ein schlechter Trainer, der nicht weiß, wie alt seine Spielerinnen sind bzw. wann sie Geburtstag haben, wo ist denn da auf einmal der so viel beschworene Mannschaftsgeist der Metzinger? Einen 18. Geburtstag werden sie doch als Grund zum Feiern nicht ausgelassen haben :bier: - unglaubwürdig...

    Vielleicht wollten sie ja das nicht:

    Abschnitt 11 - Bestimmungen für die Bundesligen, § 67, Erteilung der Spielberechtigung
    (1) Die Spielberechtigung erteilt auf Antrag der zuständige Ligaverband in einem besonderen Ausweis für Spieler der Bundesligen. In dem Antrag haben Verein und Spieler neben den sonst geforderten Angaben zu erklären, daß sie Satzung, Ordnungen und Entscheidungen der DHB-Organe als verbindlich anerkennen.
    Abschnitt 13 - § 81, Spielbericht
    (7) Die Mannschaftsverantwortlichen haben die Kenntnisnahme aller im Spielbericht vermerkten Eintragungen in Gegenwart des Schiedsrichters unterschriftlich zu bescheinigen.

    Metzingen lebt scheinbar auf einer Insel, andere Gesetze (Spielordnungen) gelten. Es sind eben die anderen Schuld! Vielleicht endet es noch so, das sich die HBVF entschuldigen muß, das man Metzingen nicht Sonderrechte eingeräumt hat... :Hail:

    Beim Lesen der Metzinger Zeitungsartikel könnte man nur noch... :kotzen:

    Irgendwie verstehe ich nicht, wieso da Metzingen noch einen Einspruch machen will, die Lage ist doch nach den Paragraphen der Spielordnung nunmal klar und die Regeln (und Strafen) gelten eben für alle und können nicht mal ausnahmsweise ausgesetzt werden, nur weil es ja um den Aufstieg in die 1. BL geht.
    Schließlich macht Metzingen ja auch keinen Einspruch wegen dem Abstieg der 2. Mannschaft aus ähnlichem Grund! :pillepalle:
    Und eigentlich sollten sie ganz klein sein und sich nicht mehr zucken, ein Spielformular kann man mal aus Versehen falsch ausfüllen, aber spätestens nach dem 18. Geburtstag hätte doch dem MV = Trainer auffallen müssen, das das Geburtsjahr 1990 nicht stimmt. Und dieser Geburtstag ist mit Sicherheit in der Mannschaft gefeiert worden.
    Warum hat er also weiter 1990 eingetragen? Kann er nicht rechnen? Oder wollte er den Fehler nicht zugeben und hoffte, das es bis Ende der Saison nicht auffällt??? :rotwerd:
    Schaut mal in Paragraph 10 der Rechtsordnung des DHB (Fälschen von Spielberichten), da würde bisher Metzingen bzw. der MV = Trainer noch ganz gut wegkommen.
    Wenn aber bei Einsprüchen evtl. der Gedanke des Vorsatzes aufkommt... (da wäre Metzingen ohne Trainer für die neue Saison in der 2. BL..) ?(

    Für mich stellt sich eigentlich die Frage:
    Steht Jg. 89 oder Jg. 90 im Spielerpass der Spielerin des LV Baden-W.?
    1. Wenn 90, dann hätte der Verein den Falscheintrag im Pass korrigieren lassen müssen (denn er stellt ja auch den Antrag für den Pass).
    2. Wenn 89, dann hat der MV das Protokoll falsch ausgefüllt und mit Unterschrift bestätigt, also auch Schuld beim Verein.
    3. Wurde sicher der 18. Geburtstag der Spielerin in der Mannschaft gefeiert (bei dem guten Mannschaftsklima, wie öfter im Verein erwähnt), spätestens hier hätte den Verantwortlichen des Vereins bzw. auch dem Trainer klar sein müssen, das diese Spielerin ein Vertrag nach dem 2. Spiel braucht, also auch Schuld des Vereins.
    4. Wenn weiterhin Jg. 90 eingetragen wurde, dann kann der MV entweder nicht rechnen oder es wurde vorsätzlich getan, dann kann der Verein froh sein, das er nur mit Punktverlust und 250,- EUR Geldstrafe belegt wurde.
    5. Wenn ich richtig gelesen habe, dann ist die betreffende Spielerin DHB-Auswahlspielerin, wenn die Pass-Stelle beim DHB/HBVF noch nicht mal bei ihren Auswahlspielerinnen weiß, welcher Jahrgang sie sind, na da zeigt sich das Interesse für den Nachwuchsleistungssport - Gute Nacht!

    Ergebnis: Blindheit der Verantwortlichen bei Metzingen (nicht tauglich für die 2. Liga, geschweige denn auch für die 1.) und des Trainers (Bundesligaspielordnung gehört zur Trainerausbildung dazu, aber wahrscheinlich da gerade verhindert gewesen, wo das dran war, sollte also nur bis Regionalliga trainieren!).
    Interessenlosigkeit der Verantwortlichen DHB/HBVF am Nachwuchsleistungssport im weibliche Bereich, aber das spiegelt sich ja auch in der Ergebnissen und in dem Chaos wieder, was da herrscht...

    Leidtragende:
    1. Die Spielerinnen von Metzingen, die über eine ganze Saison sich durch Leistung einen sportlichen Erfolg schwer erarbeitet haben und unfähigen Funktionären und Trainer vertraut! - sollten den Verein wechseln...
    2. Die Spielerinnen der Vereine, die jetzt ihre Planung (meist Urlaub) über den Haufen werfen müssen, um die Relegation neu auszuspielen.
    3. die Vereine, die nochmal neu ran müssen, d.h. alles von vorn finanzieren und mit zeitlichem Aufwand organisieren...
    4. Zuschauer, weil sie im 1. Durchgang umsonst Eintrittsgeld ausgegeben haben...

    beliebig fortsetzbar...

    Trotzdem völlig schwachsinnige Regel und total überholt!

    DHB, ändert das!

    Im Jugendbereich gibt es ohnehin die Regel, das man maximal eine Altersklasse höher spielen darf, also kann man nur in zwei Altersklassen eingesetzt werden (aber da in mehreren Mannschaften, wenn der § des Festspielens es erlaubt), denn der Jugendschutz sagt: nur in maximal zwei Altersklassen (und nicht Mannschaften).
    Nun ist aber bei den Mädchen noch die Regel: Spielerinnen ab vollendetem 16. Lebensjahr dürfen in Frauenmannschaften eingesetzt werden. Das macht vor allem im Nachwuchsleistungssport Sinn, da 16jährige oft in der B-Jugend, aber auch meist in der A-Jugend unterfordert sind.
    Aber so entsteht oft das Kuriosum (zumindest in Sachsen-Anhalt): 16jährige spielen die ganze Saison in Magdeburg oder Halle schon in den 2. Frauenmannschaften (Regionalliga Nord), spielen dann um den Landesmeister (evtl. Norddeutscher und Deutscher Meister) in der B-Jugend mit und schauen dann bei der A-Jugend (wo sie auch Leistungsträger wären) zu.
    Aber es schaut die ganze Saison keiner darauf, ob sie an einem Wochenende 2. Bundesliga Frauen, dann noch in der 2. Mannschaft Frauen Regionalliga (da sie sich ja in der Bundesliga nicht festspielen können) und noch am nächsten Tag in der B-Jugend mitspielen, denn das ist ja gestattet!
    Was ist da mit Jugendschutz? Für leistungsorientierte Spielerinnen ist das nur ein Hemmschuh für den DHB und er sollte die Regel schnell ändern...
    Bei den Auswahlmanschaften gibt es nämlich auch einen Paragraphen (in einem Spieljahr maximal in zwei Auswahlmannschaften), da wird auch weggeschaut, wenn es gerade nötig ist und Beispiele gab es da in der Vergangenheit einige...

    HSC 2000 Magdeburg - BSV 93 Magdeburg 34:25
    BSV 93 Magdeburg - SV Union Halle-Neustadt 24:40

    Naja, über den BSV93 man auch nichts besseres sagen...

    Es kann aber bei den Norddeutschen Meisterschaften nur der Landesmeister teilnehmen und von den Regionalmeisterschaften können auch die Vizemeister (nicht alle, da gibt es einen Schlüssel) bei der Deutschen Meisterschaft dabei sein.

    Also fällt schonmal eine Teilnahme beider Mannschaften dort aus (auch wenn es sportlich gerecht wäre, aber der DHB tut sich ja sehr schwer, mit sportlich gerechten deutschen Meisterschaften im Jugendbereich!). Ansonsten wird es wahrscheinlich der HSC 2000 sein, da Union Halle-N. nur über 8 A-Jugend Spielerinnen verfügt.

    Aber ins Finale der DM wird es keine schaffen, da gibt es sicher noch stärkere Mannschaften (Rostock/Frankfurt/Berlin, Leipzig, Blomberg, Ketsch...)

    Aktuell 2006/07
    Oberliga Sachsen-Anhalt
    weibliche A-Jugend:

    BSV 93 Magdeburg - HV Wernigerode 53:18
    HV Wernigerode - SV Union Halle-Neustadt 12:50
    SV Westerhausen - SV Union Halle-Neustadt 19:56
    HSC 2000 Magdeburg - SV Westerhausen 53:19
    SG Lok Schönebeck - HSC 2000 Magdeburg 16:51

    Eigentlich nicht kurios, sondern traurig. Und auch noch bemerkenswert, das Halle-Neustadt in Wernigerode und in Westernhausen nur mit 6 Feldspielerinnen anreiste... ohne Worte!

    Habe erst jetzt das Thema entdeckt, als Ergänzung mal wieder aus dem Fußball: Sportdirektor Sammer fordert auch da ganz aktuell die tägliche Sportstunde in den Schulen (also wieder allgemeine SportAUSBILDUNG) als Basis für den Leistungssport und mehr Eliteförderung (also Nachwuchsleistungssport auf Basis von Sportschulen).
    Übrigens war 2002 in der Zeitschrift Handballtraining vom Philippka-Verlag ein interessanter Beitrag eines Trainers (9+10 2002), nachfolgend als Zitat (allerdings sehr umfangreich!!!)
    handballtraining 9/10 2002, S. 62/63

    Teil 1

    Unwissenheit oder bewußte Verunglimpfung?
    Eine Gegendarstellung


    Drill oder Ausbildung, menschenunfreundlich oder humanistisch, Ost oder West? Petra und Rainer Franitzki haben sich bei ihrer Darstellung des Handballteilzeitinternates in Senden (handballtraining 5/2001, S.24 ff : Individuelle Begabtenförderung im Teilinternat Senden) im Ton vergriffen – findet Steffen Grundig, hauptamtlicher Trainer beim Handballverband Sachsen-Anhalt.
    Stein des Anstoßes war der Vorspann zu ihrem Beitrag, den wir zum besseren Verständnis im Infokasten noch einmal angeführt haben.

    Die Zeitschrift handballtraining hat mich schon seit 1986 u.a. während meines Sportstudiums begleitet. Das mag vielen normal erscheinen, aber wenn ich dazu noch sage, das ich an einem Sportinstitut einer Universität der ehemaligen DDR studiert habe, verwundert es doch viele. Zum einen war aber diese Zeitschrift leichter organisierbar, als Ausbildungsmaterialien und Rahmentrainingspläne des DHV (da nur für den „Dienstgebrauch“) und zum anderen haben wir gelernt, daß es nie schadet, über den eigenen Tellerrand zu schauen.
    handballtraining erwies sich bisher als kompetenter Begleiter, aus dem man sich gerne immer wieder Anregungen für das Training, aber auch für die Trainerlizenzausbildung holt.
    Aber als ich im Heft 5/2001 den Artikel über das Teilinternat Senden las, kam schnell ein Gefühl des Entsetzens in mir auf. Ich merkte in den letzten Wochen in Diskussionen mit Trainerkollegen – u.a. auch mit den DHB-Trainern Helmut Kurrat und Steffen Wohlrab - aus den Verbänden der Neuen Bundesländer (die liegen übrigens im Osten!), aber auch bei Gesprächen mit Verantwortlichen aus Bundesliga oder Vereinen der alten Länder, das sie dieses schlechte Gefühl über diesen Artikel mit mir teilen.
    Nach der Wiedervereinigung, auch der beiden Handballverbände, mußten sich viele sehr gut ausgebildete Trainer unserer Sportart einen neuen Beruf suchen, alle - die weiter ehren- oder hauptamtlich als Übungsleiter arbeiten wollten – mußten sich einem Lizenzsierungsverfahren unterziehen, was immer Lizenzweiterbildung oder sogar –ausbildung hieß, egal welche nationalen oder internationalen Erfahrungen und Erfolge mitgebracht wurden (aber Weiterbildung schadet ja nie).
    Allerdings war schnell zu merken, daß die Bereitschaft voneinander zu lernen sehr einseitig war, sei es aus Unkenntnis oder sogar aus Vorurteilen heraus.
    Schon in der Einleitung stolperte ich über die Wörter „ehemalige Ostgebiete“ (unter Revanchismus einstufbar) und wie gut (wenn überhaupt) die Recherchen der Autoren waren, zeigen die Unsicherheiten im Umgang mit Termini (KJS hieß übrigens Kinder- und Jugendsportschulen – Spartakiaden waren ein Wettkampfsystem) und Himmelsrichtungen (Westen / Osten/alt/neu – wo nun?).
    Unverständlich ist auch, das mit „internatsmäßigem Drill und Einkasernierung“ die Einrichtung Vollzeitinternat angegriffen wird, die sich schon lange auch in den alten Bundesländern und international in den Bereichen Begabtenförderung und Privatschulen etabliert hat. Merkwürdig ist dabei, das unsere drei Internate der Sportschulen in Sachsen-Anhalt trotz „Drill“ und „Einkasernierung“ aus allen Nähten platzen, wer zwingt denn in dieser freien Gesellschaft Eltern und Kinder dazu?
    Sicher waren die Werte der Gesellschaft vor der Wende anders als heute, erst recht auch zwischen Ost und West. Aber wie schrieb Arno Ehret in der Handballtraining 9/10-96 so schön: „Top-Leistung braucht Persönlichkeit“ (S. 45). Nichts anderes galt auch schon früher (auch nachzulesen in den RTPs des DHV), d.h. auch zu Zeiten einer DDR ging im Leistungssport nichts mit Zwang und Drill, die Motive waren selbstverständlich andere!
    Als ich dann unter der Überschrift „Leistungssport und Schule“ weiterlas und dann die Altersklassen (F-,E-, D- und C-Jugend) las, auf welche sich das Teilinternat Senden bezieht, kam ich ins Grübeln: Leistungssport im Handball F- bis C-Jugend ? In diesen Altersbereichen wurde noch nicht mal in der DDR von Leistungssport geredet, sondern es war auch da schon die Stufe der Grundausbildung und des Grundlagentrainings, Leistungssport wurde es erst mit der Einschulung zur KJS in die 8. Klasse oder später – also im B-Jugendbereich, im Aufbautraining und so ist es auch jetzt an den Sportgymnasien und –sekundarschulen nicht anders.
    Übrigens wurde auch damals das Grundlagentraining in Trainingszentren (TZ) durchgeführt, die von der Struktur ähnlich waren, wie das dargestellte Teilinternat und an der Geschicklichkeit und dem Engagement der TZ-Leiter, Trainer und Eltern lag es, wieviel noch über den sportlichen Bereich hinaus mit den Kindern getan wurde – ich erinnere mich jedenfalls gerne an meine TZ-Zeit als Handballspieler.
    Humaner Leistungssport: das ist sicher ein Begriff, über den man endlos diskutieren könnte. Das Gegenteil von Humanismus ist für mich, wenn z.B. Kinder zum Handballsport von ihren überehrgeizigen Eltern gezwungen werden, obwohl es ihnen keinen Spaß macht (davor sind auch Teilinternate nicht geschützt) oder das Funktionäre Jugendliche Leistungssport betreiben lassen, ohne das z.B. qualifizierte Trainer und Pädagogen (!) es beaufsichtigen, die medizinische Absicherung ungenügend und die Strukuren der Förderung unzureichend sind ! Sind denn die Motive der Jugendlichen von damals und heute, Leistungssport zu betreiben nicht gar vergleichbar? Früher (DDR): Anerkennung, Privilegien (sozial, materiell), Reisen ins westliche Ausland.... , heute: Anerkennung, viel Geld verdienen (Männerhandball), soziale Vorteile (viele Vereine winken mit attraktiven Lehr- und Arbeitsstellen, kostenfreie Wohnung, Auto usw.)... – man kann natürlich auch da viel hinzufügen und diskutieren.
    Ein Tipp an die Autoren: wenn sie das Teilzeitinternat (welches eigentlich ein guter Ansatz ist, die allgemeine sportliche Ausbildung der Kinder zu verbessern) konzeptionell auf der Basis der DHB-Rahmenkonzeption betreiben, aber bei „sportliche Erfolge“ gleich am Anfang im E- bis C-Jugendbereich Meisterschaftstitel anführen, dann wurde die DHB-Rahmenkonzeption schlecht gelesen, denn in diesem Altersbereich steht doch die Ausbildungsförderung und nicht das Spiel- bzw. Meisterschaftsergebnis im Vordergrund – also das individuelle sportliche Leistungsniveau und die charakterliche Entwicklung ist doch für die Bewertung der Wirksamkeit eines solchen Projektes der Maßstab.
    Außerdem sind Kreis- und Bezirksmeistertitel wohl kein Maßstab für Leistungssport !
    Traurig ist für mich, das die Zeitschrift handballtraining es zuläßt, das durch solche Artikel bewährte (früher und heute) Modelle der Sportschulen in ein negatives Licht gerückt werden - traurig auch, da erst im letzten Jahr einer der Mitarbeiter Ihrer Verlagsleitung, Dietrich Späte, als ehemaliger Bundeslehrwart des DHB bei der Landestrainertagung in Grünberg auf Grund seiner in den letzten Jahren gewonnenen Erkenntnisse wesentlich höhere Trainingsumfänge im Aufbau- und Anschlußtraining forderte , und das ist nur über Sportschulen realisierbar !
    Der deutsche Handball schwankt international zur Zeit in der Mittelmäßigkeit und droht ganz in die Bedeutungslosigkeit (vor allem bei den Frauen) zu versinken. Das die Sportschulen im Leistungssport Handball ein erfolgreiches Mittel sind, haben früher die KJS bewiesen (auch wenn sie ideologisch vom Staat DDR vereinnahmt wurden), beweisen die Sportschulen der Neuen Bundesländer (unter widrigen Bedingungen) heute (die Vereine stehen Schlange nach den Absolventen) - und wird viel erfolgreicher international (z.B. Frankreich) betrieben.
    Aber auch national droht dem Handball ein tiefer Sturz, denn die Konkurrenz der anderen Sportarten in Deutschland (und da gibt es eine Menge öffentliche Gelder aus Bundes- und Landeskassen zu verteilen) schläft nicht: Fußball hat die Bedeutung von Strukturen im Nachwuchsleistungssport erkannt und läßt es sich Millionen kosten, das an den Sportschulen der Neuen Bundesländer weit über 20 hauptamtliche Trainer den Nachwuchsleistungssport betreuen – bekannte Namen aus der Bundesliga und Nationalmannschaft wie Janker, Jeremies, Zickler oder Böhme, aber auch aktuell aus dem Radsport, Jan Ullrich und Jens Vogt, als Absolventen der Sportschulen sprechen da für sich. Noch viel mehr Beispiele könnte man aus den Einzelsportarten nennen (Kanu, Eisschnellauf, nordischer Skisport usw.).
    Trotzdem sind auch die neuen Handballschulen nicht vor Problemen gefeit: Die nicht mehr vorhandene Sichtung im Vorschul- und Grundschulbereich für die Sportart Handball (früher ESA), die allerdings alle Sportarten in Deutschland betrifft und der immer schlechter werdende allgemeine sportliche Ausbildungsstand der Kinder im Grundschulbereich. Deshalb müssen wir an den Sportspezialschulen immer mehr mit ´Durchschnitt´ arbeiten, um diese Einrichtungen aufrecht zu erhalten, d.h., es sind Kinder an den Schulen, die früher keine Chance gehabt hätten, die Eignungstests zu bestehen, aber die Plätze müssen für die Aufrechterhaltung der Klassenstrukturen besetzt werden.
    Wir haben die Jahrestrainingspläne von 1989/90 den jetzigen Bedingungen angepasst und versuchen Partner zu finden, die diese Pläne aus sportwissenschaftlicher Sicht überarbeiten. Es gab erste Versuche mit dem Sportinstitut der Uni Leipzig (ehem. DHfK), aber sie verliefen sich mit der Zeit. Da wir aber in den letzten Jahren gezwungen waren, durch zahlreiche Bewerbungen in den höheren Klassenstufen, Plätze in diesen Klassen und Internat freizusteuern (durch ´Ausdelegierung´ durchschnittlicher oder aus verschiedenen Gründen ungeeigneter Kinder), mussten wir ein Ausbildungs- und Testprogramm entwickeln, um auch für eventuelle Rechtsstreitigkeiten (Eltern drohen ja heutzutage schnell mit einem Anwalt) gerüstet zu sein. Dieses Programm liegt jetzt sehr umfangreich vor und basiert auf den umfangreichen Erfahrungen der Trainer des HVSA. Der positive Nebeneffekt ist natürlich, dass die individuelle Leistungsentwicklung jedes Handballers an diesen Einrichtungen so noch besser erkennbar und nachweisbar ist.
    Es gibt natürlich noch eine ganze Reihe anderer Probleme, wie die Unterstützung und Präsenz des DHB an den Sportschulen (Basketball und Fußball haben da einen riesigen Vorsprung), die Laufbahnberatung der DHB-Kader durch die DHB-Trainer ist teilweise auch geprägt durch persönliche Interessen der Trainer, Nutzung der Strukturen des LSB und der OSP zur Leistungsdiagnostik und Leistungsmotivation der Nachwuchskader u.v.m.
    Es gibt also in Konkurrenz zu den anderen Sportarten auf dem Gebiet des Nachwuchsleistungssports im DHB neben den vielen anderen Problemen viel zu tun und ich hoffe, das sich Lösungen finden lassen.
    Den Autoren Petra und Rainer Franetzki kann ich nur empfehlen, die Überschrift des letzten Kapitels ihres Artikels zu beherzigen: „Von anderen und mit anderen lernen“ – lest bitte u.a. mal den Artikel in der Handballtraining 7/8- 97, S. 38ff, dort ist von H. Kurrat das Modell des Handballverbandes Sachsen-Anhalt mit den Sportschulen dargestellt (und da hat sich inzwischen sogar noch einiges verbessert) – und noch besser (das gilt für alle, die am Nachwuchsleistungssport im Handball Interesse haben): fahrt mal nach Frankfurt/O., Cottbus, Magdeburg, Halle, Leipzig, Eisenach oder Erfurt und schaut Euch diese Einrichtungen mal an und dann diskutiert mit uns über Strukturen und Inhalte (und wir sind bereit, auch immer noch dazuzulernen, zu verändern...) – wir wollen doch auch nur, das es in unserer Sportart vorwärts geht, Ideen haben wir genug !

    Steffen Grundig
    Hauptamtlicher Trainer beim Handballverband Sachsen-Anhalt

    P.S. Ich habe aber auch schon in letzter Zeit viel Aufgeschlossenheit und auch manchmal auch ein wenig Neid auf unsere Bedingungen gespürt, wenn ich mit Trainern und Funktionären aus den alten Bundesländern gesprochen habe, so z.B. bei der letztjährigen Festveranstaltung zum zehnjährigen Jubiläum der Gründung des Teilzeitinternates Handball in Stuttgart-Ostfildern, zu der ich eingeladen war, um die Sportgymnasien Magdeburg und Halle vorzustellen

    Interessante Internetadressen:

    http://www.hvsa.de
    http://www.sportgymnasium-halle.de
    http://www.sportsekundarschule-halle.de
    http://www.union-halle.net


    INFO VORSPANNTEXT
    „Handelt es sich etwa nur um einen ´neuen Aufguss´ aus bewährten Kaderschmieden der ehemaligen Ostgebiete (Kinder- und Jugendspartakiaden KJS) mit systematisch geplantem ´Drill´ und ´Einkasernierung´ förderungswürdiger Kinder und Jugendlicher zum Zwecke der Leistungsmaximierung? Oder läuft es im Westen (neue Bundesländer) anders? Antwort auf diese Fragen geben ihnen die folgenden Ausführungen aus der Jugendabteilung des ASV Senden (Teilinternat „Handball Senden“).“
    (handballtraining 5/2001, S.24 ff: Individuelle Begabtenförderung im Teilinternat Senden)

    Die Analyse ist sicher richtig, aber auch nur ein Teil der Wahrheit im deutschen Sport, nicht nur im Frauenhandball.
    Zu Beleuchten wäre da noch die allgemeine sportliche Grundausbildung im Kindergarten bzw. in der Grundschule (wo findet überhaupt noch eine statt?), wo das wichtigste Lernalter für viele motorische Fähigkeiten liegt. Keine gezielten Sichtungen mehr, um auch leistunsgssportlich geeignete Kinder zu finden und gezielt zu fördern. Dann kann ich ab der B-Jugend "Leistungssport" nicht mit max. 4 Trainingseinheite in der Woche bestreiten, hier versagt völlig das Fördersystem des DHB vor allem im weiblichen Bereich - sondern 8-10x Sporttreiben in der Woche und das unter Anleitung von Sportpädagogen wäre Pflicht, um die internationale Spitze im Blick zu haben und dann kommt bei einer gesunden Pyramide auch genügend Breite für 2. und 3. Ligen heraus, aber das funktioniert nur in einem Teil Deutschlands (Sportschulen). Vereine allein sind da völlig überfordert! Das ist natürlich neben der Schule auch Streß, wer will das schon noch in der "Spaßgesellschaft" Deutschland. Und eine soziale Absicherung der Spitzenleute in den Sportarten, die nicht so im Medieninteresse stehen (wie auch Frauenhandball) durch die Olympiastützpunkte. Das funktioniert in vielen Ländern inzwischen besser, muß man nur mal nach Frankreich oder Holland... schauen.
    Und dann kommen noch dazu die Profilneurotiker als Funktionäre in den Vereinen oder im Management, es gäbe da so viel zu analysieren, aber das würde hier zu weit führen...
    Die Vereinsmeierei in Deutschland (und auch die Verbände wie der DSB und DHB) sind in ihren Strukturen, Gesetzgebungen, Statuten usw. mit dem Thema Leistungssport völlig überfordert, das sieht man inzwischen sogar im Fußball. Und dann noch die Fürstentümer mit ihren Landesverbänden...es macht doch jeder, was er will...