Strombach droht WM-Standorten mit Entzug
Ulrich Strombach droht den WM-Hallen
Kaum ist der Supercup, der nach Aussagen vieler Beobachter aus organisatorischer Sicht keineswegs perfekt verlief, vorbei, droht 15 Monate vor der WM weiterer Ärger für den DHB. Wie das Handelsblatt (Mittwochsausgabe) berichtet, droht DHB-Präsident Ulrich Strombach einigen Hallenbetreibern, ihnen den Zuschlag als WM-Standort wieder zu entziehen. Hintergrund ist die Weigerung einiger Hallenbetreiber, den vom DHB vorgelegten WM-Vertrag zu unterzeichnen, der den Hallen die Möglichkeit nimmt, die Tickets für die WM 2007 selber zu vertreiben.
Wo im Januar 2007 die WM in Deutschland letztlich stattfinden wird, ist somit wieder völlig unklar. Schon die Vergabe an die 12 Standorte verzögerte sich immens. Zögen die bisher ausgewählten WM-Standorte nicht mit, habe man noch 15 Monate Zeit, für Ersatz zu sorgen, so die unmißverständliche Warnung des DHB-Präsidenten gegenüber dem "Handelsblatt", der die Weltmeisterschaft in Deutschland gerne als "beste WM aller Zeiten" und "Handball in einer neuen Dimension" tituliert.
DHB veräußerte Ticketrechte über Zwischenhändler
Grund für den Streit ist das Ticketing, dies sickerte bereits erstmals bei der Pressekonferenz des DHB mit der IHF in Dortmund durch. Zu diesem Zeitpunkt war das komplette Ticketing bereits exklusiv an den Schweizer Ticketverkäufer "Ticket-Corner" veräußert worden. Allerdings nicht vom DHB selber, sondern von der in Zug/Schweiz ansässigen Agentur gdm, die von Arnold Schuler, Präsident des Handball-Klubs GC Zürich, und Uwe Zimmer, Spielerberater aus Essen, betrieben wird. Die Agentur gdm vermarktet derzeit auch einen Teil des Ticketverkaufs der anstehenden EM in der Schweiz. Dem Bericht des Handelsblatts zufolge, verkaufte der DHB die Ticketrechte, die laut Handelsblatt einen geschätzten Marktwert von 500.000 Euro haben , für "nur" 300.000 Euro an gdm. Die Agentur wiederum soll das Paket für 800.000 Euro an Ticket-Corner weiterveräußert haben.
"Es gibt ein paar Hallen, die mit dem Ticketanbieter ihre Probleme haben", bestätigte DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier dem Handelsblatt. Die Einnahmen aus den Ticketverkäufen sind nahezu die einzige Refinanzierungsmöglichkeit für die Hallen, um die insgesamt vier Millionen Euro, die nach einem harten Bieterverfahren in drei Raten bis Ende 2006 an den DHB zu überweisen sind, wieder einzuspielen. In den Kalkulationen zur WM flossen auch die Vorverkaufsgebühren ein, die durch den von Ticket-Corner geplanten Verkauf über das Internet größtenteils wegfielen.
Bredemeier: "Ticketverkauf am 1. Dezember"
"Ich glaube, dass diese Sache noch diese Woche zu einer guten Lösung kommt", zitiert das Handelsblatt DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier. Eigentlich sollte der offizielle Ticketverkauf zumindest für die Spiele der DHB-Auswahl am 1. Oktober beginnen. "Wir sind zuversichtlich, am 1. Dezember mit dem Ticketverkauf für die deutschen Spiele zu beginnen", sagte Bredemeier - Mitglied des Organisationskomitees (OK) der WM - der Zeitung.
Als Spielorte der WM 2007 sind bisher die Kölnarena, die Hamburger Color Line Arena, die Mannheimer SAP-Arena, die Kieler Ostseehalle, die Dortmunder Westfalenhalle, die Lemgoer Lipperlandhalle, die Mittelhessen-Arena in Wetzlar, die Neue Arena in Stuttgart, das Gerry-Weber-Stadion in Halle/Westfalen, die Magdeburger Bördelandhalle, der AWD-Dome in Bremen sowie für das Eröffnungsspiel die Berliner Max-Schmeling-Halle vorgesehen. Mindestens aus Kiel, Hamburg, Köln, Halle, Dortmund und Stuttgart wurde bisher bekannt, dass man den Vertrag so nicht akzeptieren wolle.
Sollte der DHB seine Drohung wahrmachen und nicht bei seinen Geldforderungen Abstriche machen, müssten andere Hallen in Deutschland gesucht werden. Dies würde für den DHB Mindereinnahmen bedeuten, da sich die Summe von insgesamt 4 Millionen Euro durch die Hallenbetreiber wahrscheinlich nicht mehr realisieren ließe.
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