Hüttenberg vor Saisonstart in der 2. Handball-Bundesliga
TVH will Klassenerhalt
08.09.2005
Im zweiten Anlauf soll der Klassenerhalt geschafft werden. Die Handballer des TV Hüttenberg, im Vorjahr sportlich sang- und klanglos abgestiegen und nur durch den Bankrott einiger Konkurrenten in der Zweiten Liga verblieben, gehen zuversichtlich in die neue Saison. "Wir haben in allen Bereichen Fortschritte gemacht", war Jan Gorr, der neue Coach, mit der Vorbereitung "durchaus zufrieden". Dass das Ziel nur Nichtabstieg heißen kann, weiß aber auch er: "Bis zum Klassenerhalt ist es ein langer Weg."
Die gewohnt offensive 3-2-1-Deckung wird unter dem Trainergespann Gorr/Chalepo in Zukunft etwas defensiver ausfallen. Zusätzlich spielte der TVH eine 5-1-Abwehr ein. "Diese Systeme passen zu unserem Personal", glaubt Gorr. "In den Testspielen sah ich da schon einige Aktionen, die richtig gut waren." Die Hüttenberger Verantwortlichen zogen ihre Lehren aus der vergangenen Saison. "Die Knochen tun weh", bekannte Thomas "Turbo" Schäfer, nachdem der Trainingsumfang bis auf neun Einheiten pro Woche hochgeschraubt wurde. Auch während der Runde halten Gorr und Chalepo die Schlagzahl hoch: Bis zu sieben Übungseinheiten stehen auf dem Wochenplan.
Auch wenn es den Kapitän dem neuen Regelwerk nach nicht mehr gibt, läuft der Traditionsverein auch weiterhin mit Mannschaftsführer Mario Weber auf. Neben ihm gehören die beiden Routiniers Schäfer und Michael Rebstock sowie Christian Stelzenbach zum Mannschaftsrat.
Letzterer musste wegen Knieproblemen in der Testphase kürzer treten. Auch Nicolai Don fiel lange aus. Dazu fehlt laut Gorr auch Florian Laudt nach dessen Einsatz bei der Junioren-WM "noch viel Zeit. Alle drei müssen nun im Schnellverfahren aufholen. Aber wir werden diesen Spielern auch die Chance geben, durch das Tal zu kommen." Der Juniorennationalspieler kehrte diesmal mit Rückenproblemen heim, nachdem ihn im Vorjahr nach der Junioren-EM eine langwierige Fingerverletzung außer Gefecht setzte.
Auf der Torwartposition hat sich nach der Verpflichtung von Artur Banisz ein Dreikampf entwickelt. Mittlerweile scheint klar, dass Michael Rebstock und der polnische Neuzugang erst einmal gesetzt sind. "Das ist keine Entscheidung gegen Torsten Menges, sondern für Rebstock und Banisz", beteuert Gorr. Banisz, der regelmäßig Sprachkurse besucht, hat sich allmählich auch menschlich integriert. Ebenso Sebastian Roth: Wie Laudt läuft der Ex-Kirchzeller mit Zweitspielrecht für die HSG Wetzlar auf. "Sowohl vom System als auch menschlich passt Sebastian sehr gut zu uns", behauptet Lothar Weber, der Leiter der Marketing-Abteilung.
Bei den Abgängen schmerzt vor allem der von Michael Viehmann. Der Kreisläufer läuft jetzt für den Ligakonkurrenten HSG Gensungen/Felsberg auf. "Sein Abgang ist in jedem Fall eine Schwächung", trauert Mario Weber seinem ehemaligen Mannschaftskameraden nach. Viehmanns Position soll Arne Rigterink einnehmen. "Wir werden noch viel Spaß an Arne haben", betonte Gorr immer wieder. Und scheint damit recht zu behalten: Der ehemalige Nordhorner steht in seinem zweiten Jahr in Hüttenberg vor dem Durchbruch. Mit Chalepo bildet er in Zukunft den Hüttenberger Mittelblock.
Chalepo teilt sich zwar im Training mit Gorr die Aufgaben, aber während der Begegnungen muss sich der Weißrusse "voll und ganz auf sein Spiel konzentrieren. Die Trainerarbeit auf der Bank bleibt an mir hängen", erklärt Gorr. Routinier Schäfer wird auf seine angestammte Position als Rechtsaußen zurückkehren, nachdem er zuletzt meist im Rückraum auflief. "Auf Außen kann er uns unheimlich helfen", so Gorr, der die Liga "in der Spitze etwas dünner, dafür in der Breite dichter" sieht.
Seine Titelfavoriten heißen TSG Oßweil, TSG Friesenheim und Bayer Dormagen. Zu möglichen Konkurrenten im Abstiegskampf wollte sich der Hüttenberger Trainer nicht äußern. "Wir werden um jeden Punkt richtig hart kämpfen müssen. Für uns wird es ganz wichtig sein, den Abstand zu unseren Gegnern durch höheren Trainingsaufwand zu verringern."
Auch Lothar Weber macht "keine Hochrechnungen. Wir sind keine Politiker, sondern wollen uns aufs Sportliche konzentrieren." Anders als im vergangenen Jahr hofft Mario Weber diesmal auf frühe Punkte. "Das würde uns wohl einen kleinen Schub geben", weiß der Kapitän aus eigener Erfahrung, wie schwer ein Rückstand aufzuholen ist.
Geht es nach den Finanzen, ist Hüttenberg bereits heute abgestiegen. "Mit einem Gesamtetat von 330 000 Euro liegen wir am Tabellenende", meint Lothar Weber. "Aber das werden wir durch Einsatz und Charakter wett machen." Nur die ebenfalls im Vorjahr sportlich abgestiegene TSG Groß-Bieberau (270 000 Euro) rangiert in dieser Kategorie hinter den Blau-Weißen.
Doch sowohl Fans als auch Sponsoren halten dem TVH die Stange. "Von unseren Geldgebern ist zum Glück niemand abgesprungen. Davor ziehe ich den Hut", bedankte sich Lothar Weber. Die Zuschauerzahl wurde mit 900 eher niedrig angesetzt, nachdem in den vergangenen Monaten trotz des sportlichen Misserfolgs im Schnitt 1050 Schaulustige in die Hüttenberger Sporthalle strömten.
quelle