Neues Personal in alter Halle
Handball-Bundesligist HSG Wetzlar startet unter Trainer Martin Schwalb in die Saisonvorbereitung
VON NORA BRÖKERS
Einheitlich in den Vereinsfarben Grün und Weiß gekleidet, tummelten sich die Erstliga-Handballer der HSG Wetzlar am Montagabend wieder auf gewohntem Terrain: in der Sporthalle von Dutenhofen. Zwei Monate hatten die Profis den Ball im Schrank gelassen, entspannt und Urlaub gemacht. Acht Wochen vor dem ersten Spiel der neuen Saison haben die Mittelhessen mit einer öffentlichen Trainingseinheit die Vorbereitung begonnen. Dabei alberten die Spieler zu Beginn ausgelassen auf dem Feld herum, tauschten Neuigkeiten aus oder wagten die ersten Würfe aufs Tor. Noch schnell ein Mannschaftsfoto für die Journaille, und schon ertönte ein Pfiff von Martin Schwalb. 18 Spieler scharten sich um ihren neuen Trainer, um dessen Anweisungen zu lauschen. Dann begann in der engen Sporthalle das schweißtreibende Aufwärmprogramm, bei dem sich jeder Spieler von seiner besten Seite präsentierte.
"Einige von den Jungs habe ich heute das erste Mal beim Training erlebt, sie machen alle einen willigen und sympathischen Eindruck", sagte Schwalb nach der ersten Einheit und fügte hinzu, dass "viele Spieler hier sind, die etwas erreichen wollen". Anlaufschwierigkeiten blieben aber nicht aus, die Unsicherheit einiger Spieler bei den ungewohnten Übungen kommentierte der ehemalige Wallauer mit tiefem Durchatmen und einem verschmitzten Kopfschütteln.
Fünf Neuzugänge
Nicht nur auf der Trainerposition hat sich einiges getan, nachdem Holger Schneider nach dem Schlingerkurs der vergangenen Saison mit vielen Höhen in der ersten und Tiefen in der zweiten Saisonhälfte sowie einem dreizehnten Platz in der Endtabelle den Stuhl freiwillig geräumt hatte. Fünf Neuzugänge haben die Wetzlarer verpflichtet. Nationalspieler Lars Kaufmann (Concordia Delitzsch) sowie Nikolai Weber und Christian Hildebrand (beide TV Gelnhausen) kommen aus der zweiten Liga an die Lahn, der zweimalige Handballer des Jahres in Griechenland, Savas Karipidis, bildet mit dem befreundeten Alexis Alvanos ein griechisches Duo. Mit einem Zweitspielrecht ausgestattet, läuft Florian Laudt vom TV Hüttenberg in der ersten Liga auf. Acht Spieler unter 24 Jahren stehen damit im Kader der Grün-Weißen. "Wir haben uns verjüngt, und es war klar, dass wir diesen Prozess auch einleiten und gehen mussten. Wir haben jetzt gute Spieler gefunden, das wird eine gute Mannschaft", prophezeite Mannschaftskapitän Axel Geerken.
Besonders der groß gewachsene, 23-jährige Kaufmann wird der HSG helfen können. Der Rückraumspieler erzielte in der vergangenen Saison 297 Tore, im Schnitt knapp neun pro Spiel. Schon beim Trainingsauftakt deutete der siebenmalige Nationalspieler, der sich mit vielen Spielanteilen in der ersten Liga weiterentwickeln will, seine Wurfgewalt an und war zufrieden: "Die Mannschaft hat sehr gut auf mich reagiert."
Nun gilt es, sich heranzutasten an die Arbeitsweise des Trainers und die Spielweise der Neuen in das Mannschaftsspiel zu integrieren. "Das war ein schönes Training. Ich denke, man hat die Handschrift von Martin schon deutlich gesehen. Wir werden mit viel Dynamik trainieren und viel laufen", sagte Geerken. Waldläufe, Krafteinheiten und Trainingsspiele werden die Wetzlarer in den nächsten Wochen absolvieren, zweimal täglich trainieren. Genug Zeit, einen eigenen Spielstil herauszuarbeiten - eine Aufgabe für den Leitwolf: "Ich werde der Mannschaft nichts aufdrücken, was sie nicht kann. Wir spielen so, wie es der Mannschaft passt. Aber ich erwarte, dass jeder in der Halle merkt: Die wollen alles."
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