Eindeutiges Bekenntnis auch in schweren Zeiten vonnöten
Mittwoch bestreiten die Handball-Damen des BVB ihr viertletztes Hauptrundenspiel beim 1. FC Nürnberg, bevor es ab 29. April in den Play Offs um den Titel geht. Einen Tag zuvor, am Dienstag, wird´s noch brisanter: da entscheiden die Gespräche zwischen der KGaA (zu der die Handballerinnen gehören) und dem Abteileilungsvorstand über die Zukunft des Bundesligateams. "Wir sind am Ende der Fahnenstange angelangt, weitere Kürzungen können wir nicht hinnehmen, wenn Bundesligahandball noch Sinn machen soll", lautet der eindeutige Standpunkt von Heinz Reitemeyer, seit 1987 - mit kurzer Unterbrechung - an der Spitze der Abteilung.
Er wird im April aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten und weiß seine Herzensangelegenheit doch in besten Händen. Denn als Amtsnachfolger wird er Klaus Eugen Röhricht vorschlagen. Der wäre auch bereit, den ehrenamtlichen und zeitaufwändigen Job zu übernehmen. Aber nicht, um als "Bestatter" den Bundesliga-Handball zu Grabe zu tragen.
Wo bleibt der Aufschrei der Sportfans, wo die Lobby pro Dortmunder Sport? Bieten die Kommunalpolitiker nur ihre Hilfe an, wenn Missmanagement desaströse Ausmaße annimmt? Haben bei ihnen nur noch Fußball und ein defizitäres Konzerthaus den Stellenwert, um sich öffentlich über Freizeitwerte zu äußern?
26 Erst- und Zweitbundesligisten (!) sind in Dortmund seit 1980 in der Versenkung verschwunden, von Hand- über Basket- bis Volleyball, von Schach über Rollhockey, Boxen bis Ringen. Von sportlicher Vielfalt ist nichts mehr geblieben, auch wenn Bürgermeisterin Birgit Jörder im Vorwort des " Do-Cups" tatsächlich zu dem Schluss kommt, dass "wohl kaum anderswo der Sport so viele Gesichter und Ausdrucksformen hat wie im Ruhrgebiet, insbesondere in Dortmund."
Bei weiteren Kürzungen droht den Handballerinnen der Tod auf Raten. Der neue Geschäftsführer, "Aki" Watzke, gab zwar vor wenigen Tagen ein Votum für die Damen ab: "Ich möchte, dass es bei ihnen weitergeht und bin überzeugt, dass wir zu einem Konsens kommen. Wir liegen gar nicht weit auseinander." Aber "nicht weit" ist relativ.
Die Zeit drängt, denn auch im Handball gibt es eine Frist für das Lizensierungsverfahren, und die endet am 31. März. Die Abteilung wäre bei positivem Bescheid der Geschäftsführung hervorragend aufgestellt, wenn man davon absieht, dass Trainer/Manager Thomas Happe nur noch wenig Zeit bliebe, um die durch die Abgänge entstandenen Lücken im Kader sinnvoll zu schließen.
Die Bestandsaufnahme: Die erste Mannschaft erreichte die "Meisterrunde", der Unterbau, von der "Zweiten" bis zur Jugend (alle im e.V.), ist erstklassig. Es gibt viele Gründe, die Damen nicht Jahr für Jahr als Bittsteller auftreten zu lassen, sondern ihnen langfristig eine Zukunft zu bieten. Mit einem eindeutigen Bekenntnis - auch oder gerade - in schweren Zeiten käme die Geschäftsführung nicht nur ihrer moralischen Verpflichtung gegenüber den Handballerinnen nach, sondern auch dem Dortmunder Spitzensport. Der ist, verehrte Frau Jörder - fast ausgeblutet.
Christian Menn
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