Wer hoch will, muss sich halt mit den Rahmenbedingungen der HBL auseinandersetzen.
Aber genau darum geht es doch: Der Sprung "nach oben" ist mit organischem Vereinswachstum so gut wie nicht mehr zu stemmen. Der TuS Ferndorf ist für Drittligaverhältnisse ein enorm gutgewachsener Verein (zumindest die GmbH), aber deutlich zu finanzschwach für die dauerhafte zweite Liga. Spiele gegen Friesenheim 2 oder Aldekerk bringen uns keinen Meter mehr nach vorne. Für sportliche Weiterentwicklung braucht man die Reibung auf gleichem oder idealerweise einem Tick höherem Niveau. Und auch was das Interesse der Sponsoren und Zuschauer angeht: Wer will im dritten Jahr den drölften 8-Tore-Sieg der Saison sehen - Spiel nach Minute 7 entschieden, zweite Hälfte mit 20 unkonzentrierten Minuten, sonst wäre es +14? Während so überspitzt gesagt fast alle unsere Spielverläufe sind, ist der Abstand zu den Zweitligisten schon sehr groß und wird immer größer. Das ist auch nicht nur unser Problem, einige Vereine sind in einer relativ ähnlichen Lage.
Es bleiben a priori drei Möglichkeiten, diesen Gap zu verkleinern:
a) Die zweite Liga muss an Qualität verlieren - Das ist nur eine hypothetische Möglichkeit.
b) Die Aufsteiger müssen mit dem Aufstieg schlagartig ihren Kapitalisierungsgrad zur Erreichung des Levels an Wettbewerbsfähigkeit der Zweitligisten erheblich steigern. Das ist aber niemals "systematisch" umsetzbar und käme, um in der Terminologie des "Nach oben Springens" zu bleiben, einem Sprung mit Doping gleich - Nebenwirkungen (Wenn das Geld weg und die Klasse nicht gehalten ist) unvorhersehbar.
c) Und das ist die in meinen Augen einzig nachhaltige, seriöse und mittelfristig gedachte Lösung: Die dritte Liga muss an Qualität gewinnen. Und für c) braucht es leider dringend eine Ligareform. Das Argument "Zweigleisige 3. Liga ist utopisch" verstehe ich nur halb. Den ersten 8 Teams unserer Südwest-Staffel traue ich es definitiv zu, um so eine neue dritte Liga zu konkurrieren und auch ihren Aufwand zu bestreiten. Man findet mMn 32 aus den aktuell 64 Teams, die zu einer neuen dritten Liga in der Lage, oder zumindest perspektivisch in der Lage, wären. Wenn man das Ganze dann wirklich offiziell "3. Handball-Bundesliga" nennt, ist das sicher für etliche kleine Vereine ein sehr interessantes Steckenpferd bzw. zu erreichendes Ziel. Darunter installiert man eine großstaffelige Regionalliga und dann kommen erst die obersten Ligen der Landesverbände. Das wäre meine Lösung. Dann würde man dem riesigen Pulk der aktuellen Dritligisten seine "Elite" abschneiden, diese neu vermarkten und den Rest, verrechnet mit den obersten Teams der höchsten Ligen der Landesverbände, ein Regal tiefer parken.
Und mit der "neuen dritten Liga" müsste, wie gesagt, ein erhebliches Maßnahmenpaket zur Attraktivitätssteigerung einhergehen (Einzelne Spiele auch bei DYN, Öffentlichkeitsarbeit auf Niveau von Liga 2 etc., Netzwerkkonferenzen etc pipapo, das führt hier zu weit).
Wenn Wachstum nötig aber nicht möglich ist, führt das irgendwann zu einem Spannungsverlust und der führt schlimmstenfalls in die Stagflation. Noch können wir die metaphorische Spannung durch enorm laute Musik und einen frenetischen Hallensprecher bei uns künstlich hochhalten. Den aktuellen "Hype" wird aber ein oder gar zwei weitere Jahre Friesenheim 2 nicht mehr tragen können. Und planbar ist ein Aufstieg im Angesicht eines Aufstiegsfinals, durch das man durch muss, nunmal nicht.
PS: Der Name "Regionalliga" ist einfach vom Fußball abgeguckt - Richtiger Hinweis von Rotbart, dass kommende Saison etliche Ligen schon so umbenannt werden. Insgesamt ist meine "Idee" einfach das gleiche Modell wie im Fußball, nur das wir eine zweigleisige dritte Liga hätten, im Gegensatz zu einer eingleisigen bei den überbezahlten Balltretern.