Mittlerweile haben beide Schneiders verlängert und damit werden auch nächste Saison zwei Brüder-Paare aus Ferndorf in Ferndorf spielen. Hat das noch wer in der zweiten Liga? Der Kader des TuS weist nun "nur noch" Handlungsbedarf auf drei Positionen auf, Rückraum Mitte und beiden Außen. Ich halte das defensive Vorgehen nach wie vor für richtig, allerdings muss man angesichts der dann doch relativ regen Transfertätigkeit der Konkurrenz auch den Blick auf die sportliche Qualität richten. Und das sieht aktuell trist aus. Ein erfolgreiches Konzept ist lange gespielt und verfeinert worden, jetzt ist es weg und mit ihm, in Trainer und zwei Spielmachern, seine drei Protagonisten. Solche "Umschaltmomente" sind für alle Sportvereine empfindliche Phasen in denen es gilt, behutsam und meist auch mit etwas Zeit, aus dem Alten das noch da ist und dem Neuen das kommt eine funktionierende und entwicklungsfähige Einheit zu formen. Soweit die Theorie. Diese Chance, die eigene Spielphilosophie mit einem Neustart aufbauen und umsetzen zu können, war es wohl, die R. Andersson an der Aufgabe in Ferndorf und der 2. Liga in DE gereizt hat. Der TuS hatte sich dank Lerschts Arbeit einen sicheren Platz im Mittelfeld der Liga hart erarbeitet, nun wird die Gefühlslage am Kindelsberg allerdings ziemlich rasant wieder auf knallharten Abstiegskampf abstürzen. Was bedeuten wird, dass Andersson von Anfang an Druck haben wird. Und nicht den Kader, den er vielleicht wollte. Wenn es hart kommt und man niemanden holen können wird, vielleicht auch nur einen Kader aufgefüllt mit Oberligaspielern. Das kann ich mir allerdings nicht wirklich vorstellen. Ich denke auch, er wird da in einer gewissen Weise Forderungen haben. Die erste Post-Corona-Saison hat jedenfalls bereits jetzt, da die alte noch nicht einmal offiziell ins Archiv gestellt wurde, das Potential, den ehrlich erarbeiteten Fortschritt (als Gegenmodell zum schnell erkauften) der Ära Lerscht zu zerstören. Andersson kann eine Unglücksfigur in der Geschichte des TuS werden, er kann aber auch mit einem erneuten Klassenerhalt schlagartig nach seiner ersten Saison Helden-Status erreichen. Denn der Klassenerhalt wird in der kommenden Saison vermutlich schwerer, als in der aktuellen und auch als in der davor.