Die Sportwelt und auch dieses Forum ruht in großen Teilen, hinter den Kulissen gehen derzeit aber überall in den relevanten Handballigen Deutschlands bange Tage über die Bühne. Über die Geschehnisse beim TuS wird der geneigte Siegerländer (noch etwas retro) ausschließlich über die Printmedien informiert. Dabei waren besonders zwei Artikel der letzten Tage von Relevanz und einer sogar kommentierenswert.
Den Anfang macht die Siegener mit ein paar Bildern vom Hallenumbau und einem Bericht, in dem steht, dass vor Dezember keine Zuschauer auf der neuen Tribüne stehen und sitzen werden. Sofern Corona sich benimmt. Ansonsten erst nächstes Jahr. Das ist trotzdem aber eine sehr erfreuliche (und historische) Nachricht, denn im April 2020 wurde tatsächlich mit dem Umbau der altehrwürdigen, seit Jahrzehnten an ihrer Bausubstanz kaum veränderten Stählerwiese begonnen. Jeder Mensch, der wie ich schon seit langen langen Jahren dorthin pilgert, wird unheimlich gespannt sein auf das Endresultat. Ich freue mich riesig und glaube, viele haben noch vor ein paar Jahren nie für möglich gehalten, dass es am Ende dann doch passiert. Weiterhin haben viele Menschen den TuS und die Stählerwiese nur so kennen gelernt, wie sie beim letzten Heimspiel noch aussah. Und bald wird es Menschen geben, die sie nur so kennen, wie sie nach dem Umbau aussieht. Jedenfalls möge sich der gemeine TuS-Fan das Bild vom Inneren des 70er-Stahlklotzes gut einprägen, man gewöhnt sich sehr schnell sehr stark an Veränderungen (Könnt ihr euch noch dran erinnern wie die "Gegengerade" vor der Otto-Quast-Tribüne aussah, als alle noch auf den Sportunterrichts-Kästen etc. saßen? :-)).
Der zweite Artikel stammt aus der Westfalenpost und er stimmt mich ein bisschen weniger euphorisch als das Hallen-Thema. Geschäftsführer Mirza Sijaric sagt darin zunächst, dass dem TuS ein hoher fünfstelliger Betrag durch das ausgefallene GM-Spiel flöten geht, was nicht ganz einem Zehntel des Saisonetats entsprechen dürfte. Dabei handelt es sich offenbar um eine Summe, die in Spielergehälter gesteckt werden sollte. Die Corona-Krise hat den gegenwärtigen Transfermarkt seiner Bedeutung beraubt, weil noch nicht abzusehen ist, wie die ökonomische Situation der Vereine am formalen Saisonende aussehen wird. Das trifft natürlich auch den TuS, bei dem laut WP nächste Saison auch Wicklein und Neitsch nicht mehr auf der Gehaltsliste stehen werden. Das macht summa summarum 1 von 4 Außenspielern im Kader der nächsten Saison (Man wird hoffentlich nicht mit nur Dreien starten) und nur Julian Schneider ist aktuell etatmäßiger Spielmacher. Die WP kommt auf die grandiose Idee, Schneider als Kandidaten für die etatmäßige Linksaußenposition ins Spiel zu bringen, aber ich gehe davon aus, das dieser Vorschlag nicht weiter ernstgenommen wird. Schneider (J. natürlich) hat offiziell noch nicht verlängert und wenn er geht oder auf Etat-LA wechselt, verliert der TuS ALLE. DREI. MITTELSPIELER. der aktuellen Saison und das wäre in meinen Augen eine Katastrophe. Andersson (Coach) würde beim 100-Meter-Schwimmen anstatt auf dem Startblock quasi auf dem Boden des Beckens mit einem 100kg-Gurt um die Füs starten, aber wahrscheinlich tut er das so oder so schon, Corona sei Dank. Mit den fehlenden finanziellen Kader-Mitteln dürfte die Suche nach insgesamt 5 neuen Spielern jedenfalls doppelt schwierig sein. Weiterhin wird die Vertragsverlängerung mit Jonas Müller und Toni Sario in einer Aufzählung am Ende des Artikels bekanntgegeben, beide hatten laut der offiziellen LIQUIMOLY-HBL-Teamseite sowie Pressemeldungen nur bis 2020 Vertrag. Warum man diese Neuigkeiten nicht über Homepage, Social Media und sonstiges verkündet und vermarktet erschließt sich mir ob der Steilvorlage für Content in der (beim TuS überaus) tristen Corona-Social-Media-Zeit nicht wirklich. Das Kaderthema dürfte aber insgesamt das mit der größten Kurzlebigkeit für gültige Nachrichten sein, ob des gigantischen Problems, vor dem nicht nur der TuS sondern wie gesagt alle Vereine stehen: Das Wirtschaftliche. Diese Krise wird ziemlich wahrscheinlich Vereinsexistenzen kosten. Sijaric kommentiert, dass bisher noch keine Sponsoren abgesprungen sind oder ihre Beträge verringert haben und führt als Vorteil für den TuS an, dass man sponsorentechnisch auf breit gebautem Fundament stehe und nicht von einzelnen Unternehmen abhängig sei. Da widerspreche ich ihm allerdings. Denn die vielen unterschiedlichen Betriebe (Sijaric nennt rund 100 (also nicht beim Namen..)) entstammen zu maßgeblichen Anteilen dem Mittelstand. Und der wird es sein (und ist es teilweise auch schon) der von der Corona-Krise ökonomisch wohl mit am härtesten getroffen wird. Das Eintreffen der Sorge Sijarics, dass der Etat der kommenden Saison nach unten korrigiert werden muss, halte ich für unausweichlich und ich glaube, es kann da wirklich hart kommen. Aber das kann (und wird) es dann bei allen anderen genauso, die 2. Handball-Bundesliga und die Erste in Teilen auch noch, ist in der Breite nunmal eine Mittelstandsliga. Ich hoffe, auch vom TuS selbst geht noch irgendeine Finanzierungs-Aktion aus, das Publikum dürfte da sicherlich zahlungswillig sein. Der TuS ist mittlerweile ein gewichtiges Stück Kreuztaler und Siegerländer Identität und diese Identität halte ich umgekehrt für überaus vermarktungsfähig, wenn es um Unterstützungsaktionen geht. Alles weitere wird man sehen. Es sind enorm schwierige Zeiten und man kann den handelnden Personen nur alles Gute und viel Geschick dabei wünschen, den TuS durch sie hindurch zu lenken.
achja: für den fall, dass irgendwelche leute meinen, meine posts einfach wieder auf irgendwelchen mäßig aussehenden facebookseiten veröffentlichen zu müssen, bitte ich hiermit darum das zu unterlassen. urheberrecht dies das