Vielleicht gibts auch noch etwas mehr als nur schwarz oder weiß? Vielleicht kann die Mannschaft auch nicht das umsetzen, was der Trainer will? Oder die Mannschaft will es nicht umsetzen oder etwas von beidem? Vielleicht kann oder will die Mannschaft auch nur Dagur-Handball spielen? Dann brauchen sie nämlich auch keinen Trainer, weil Dagur Geschichte ist? Oder vielleicht benötigt der Anpassungsprozess doch etwas mehr als nur 5-6 Spiele, von denen die aktuellen aufs högschtem Niveau unter högschtem Druck gespielt werden müssen.
Wurde eigentlich unter Dagur sofort von 0 auf peng der heute bereits legendär verklärte Handball gespielt? Weiß ich gar nicht mehr oder brauchte das nicht auch eine Anlaufphase?
Vielleicht kam der EM-Titel für die Truppe ja auch zu früh und sie hat vielleicht nicht mehr die Mentalität und Unbekümmertheit aus 2016? Vielleicht wird sie von Gegnern jetzt auch anders angenommen? Vielleicht kommen sie mit der Hochjubelei der Jubelpresse auch nicht klar? Ich weiß es nicht. Das einzige, was ich weiß, ist, dass der Prokop nach dem Spiel gegen Slowenien gescheitert war. Das wahrscheinlich früheste Scheitern der Handballgeschichte. 
Finde ich sehr treffend, welche Fragen du da aufführst!
Dieses ständige Gejammer a la der "Dagur Handball war viel schöner und bei der EM 2016 unter Dagur war eh alles besser" geht mir nämlich langsam aber sicher auch gehörig auf den Zeiger.
Ja, mir hat 2016 auch einiges besser gefallen, aber Dagur ist auf eigenen Wunsch gegangen und kommt wohl so schnell nicht wieder.
Selbst wenn er in 2-3 Wochen wieder auf der Matte stehen würden, ist das niemals eine Garantie dafür, dass wir wieder den schönen und erfolgreichen "Dagur-Handball" von 2016 sehen würden.
Genau das weiß sicher auch Dagur und mich würde es sehr wundern, wenn er das nicht auch genau so einschätzen würde: Europameister 2016, Olympia Bronze 2016, das ist und wäre auch unter Dagur nicht endlos so weitergegangen (siehe WM 2017)
Bei der EM 2016 hat nun mal nach der Auftaktniederlage dann gegen Spanien quasi alles geklappt.
Als Underdog ins Turnier gegangen, mit der Auftaktniederlage dieses Underdog Image auch noch schön gefestigt und ab dem Moment könnte man quasi unbekümmert und ohne die ganz großen Erwartungen aufspielen.
Mit dieser Ausgangslage hat man eben dann wirklich das Optimum rausholen können.
Mit Wolff hatte man einen bärenstarken Rückhalt und Leute wie Kühn, Kohlbacher und Häfner kamen quasi wie Phönix aus der Asche.
Zudem hatte man mit Martin Strobel einen (erfahrenen) Spielmacher mit von der Partie, dessen Nationalmannschaftskarriere bereits 6,5 Jahre alt war und der bei der EM 2016 das Turnier seines Lebens spielte.
Kurzum, bei der EM 2016 passte quasi alles.
Viele der positiven Fügungen 2016 (Leistung Strobel, überragende Quoten T. Reichmann, Unbekümmertheit, Underdog Rolle, internationaler Durchbruch einiger Spieler) waren aber eben einmalige Ereignisse.
Und nur wer das alles ausblendet und ebenso ausblendet, dass man nun einen neuen Trainer hat bei seinem ersten eigenen NM-Turnier hat, der kann es sich dann einfach machen und der Argumentation von einem großen Teil der Medien folgen "wir haben wohlmöglich gerade den stärksten Kader aller Zeiten inkl. dem vielleicht besten LA der Welt"
Ja, der Kader ist sehr stark, ob es der stärkste aller Zeiten ist, sie mal dahin gestellt, insbesondere auf RM sehe ich eine große Schwachstelle, da ein Schmid/Duvnjak/Cindric/Zarabec/Lauge/Olsen/Sagosen/Gottfridson/Strobel 2016/Pieczkowski/Ernst/etc. in unseren Reihen schlicht nicht zu finden ist. Fäth, Weber und Drux sind allesamt auf ihre Weise torgefährlich aber es sind alles 3 keine genialen Spielmacher, die in der Lage wären als Motor der Mannschaft auf RM zu agieren.
Genau so nütz einem der vielleicht nominell beste LA der Welt nix, wenn er seine PS aktuell nicht auf die Platte bringen kann.
Erinnert sei da an Reichmann 2016, weniger Vorschusslorbeeren aber gerade vom 7m Punkt traumwandlerisch sicher.
Das sind einfach alles so die paar wenigen Prozent, die am Ende darüber entscheidet, ob es +1 / +-0 oder -1 ausgeht.
(Ver)Einfach(t)es Beispiel von gestern: Lindberg eiskalt von der 7m-Linie: 4/4, wir kommen halt nur auf 1/2 und am Ende steht ein 26-25 für die Dänen auf der Anzeigetafel
Prokop hat sicher im Vorfeld und zu Beginn des Turnieres nicht alles richtig gemacht.
Genau so wie seine Spieler hat er aber eben auch nicht alles falsch gemacht.
Insofern sollte man das Spanien Spiel erst noch einmal abwarten, noch besteht ja eine gewisse Resthoffnung auf das Halbfinale.
Erst wenn das Turnier dann wirklich für das deutsche Team vorbei ist, kann man ein endgültiges Fazit ziehen.
Ich gehe fest davon aus, dass ein gewisser Kreis beim DHB (Hanning / Prokop / Kromer / Roggisch etc.) das Turnier im Nachgang noch mal gründlich aufarbeiten wird.
Daraus gilt es dann die richtigen Lehren zu ziehen.
Wie hier immer wieder manche (mit offensichtlichem Schaum vor dem Mund) dass sehr baldige Ende von Prokop herbeireden wollten, kann ich einfach nicht nachvollziehen.
Zielsetzung war zu keiner Zeit ihm einen Vertrag bis Ende Januar 2018 zu geben und dann mind. Platz 3 bei der EM oder er fliegt, sondern man will mit ihm was vernünftiges aufbauen um dann 2019 (WM) und vor allem 2020 (Olympia) voll da zu sein.
Das sollte sich der ein oder andere anscheinend immer wieder mal vorsagen, genau so wie die Tatsache dass die Ära Dagur zu Ende ist und ständiges Nachtrauern den deutschen Handball definitiv nicht weiter bringen wird!