Beiträge von brodie79

    Ich finde das sportliche mit drei Keepern ist das eine. Das mag man vlt. noch hinbekommen. Aber bindet das nicht (unnötig) Kapital auf einer Position, welches dann wieder auf einer anderen fehlt, um vlt. mehr zu machen als einen "Kaderspieler"? Wenn so eine Drei-Torhüter-Lösung ein Team macht, was soviel Geld hat, dass es nicht juckt, dann kann man auf das rein sportliche gucken, aber so hätte doch bestimmt der eine oder andere Euro an anderer Stelle helfen können?

    Wetzlar hatte bisher in der Saison noch in keinem Spiel 32 Tore. Und so monsterhoch war das Tempo nicht. Selbst in der zweiten Halbzeit, wo es dann wirklich drauf ankam, konnte sich Wetzlar einen freien Wurf nach dem anderen herauskombinieren. Das die Quote der Torhüter absolut in Ordnung war, bei Bellahcene sogar richtig gut, spricht für ihre Qualität. Natürlich kann man auf die Offensive gucken und sieht dort Fehler und Fehlwürfe, die so nicht sein sollten, aber es war eben wieder ein Spiel, wo es der Gegner viel zu leicht hatte Tore zu machen. Offensiv kann man immer mal auf einen überragenden Torhüter treffen, usw., aber Defensive muss eigentlich immer gehen. Wenn der Gegner dann reihenweise unmögliche macht, okay, aber das musste Wetzlar nicht.

    In der vorletzten Saison von Gislason, d.h. 17/18 ist der THW in der Liga fünfter geworden mit neun Niederlagen und einem Unentschieden. Dann kam Pekeler zur Saison 18/19 von den Löwen und damit ging es beim THW wieder deutlich bergauf, vor allem defensiv. Das war der Grundstock, dass es beim THW wieder um Meisterschaften ging.

    Der THW hat mit Alfred aber deutlich schlechter gespielt als mit Jicha. Mit Jicha kam wenigstens eine gewisse Spielfreude rein, die es unter Alfred gar nicht gab. Man konnte aber schon in den letzten zwei, drei Jahren sehen, dass der THW vor allem in der Abwehr nur noch selten auf das höchste Level kommt. Gerade in der CL gab es regelmäßig amtlich die Hütte voll, auch mit Landin. In der Liga hat Landin noch öfters gerettet, letztes Jahr haben sie dank Mrkva auch mit dem zweiten Torhüter Spiele gewonnen, wie z.B. in Hannover. Das war nochmal ein Schritt nach vorne, der dann die Meisterschaft mit begünstigt hat. Aber ich sehe irgendwie nicht, wie der THW die Gegner so richtig gestoppt bekommt.

    In Magdeburg waren zuletzt in der CL 2.000 Zuschauer weniger gegen ein Top-Team mit Veszprém da als in der Liga gegen Lemgo. Bei Kiel in der CL genauso. Das kann man aber auch in anderen Sportarten beobachten, dass in den ersten Runden das Zuschauerinteresse geringer ist. Zumindest kann man die Spiele jetzt mit Dyn auch sehen. Zuletzt waren die ersten Runden überhaupt nicht übertragen worden. Ob das aus THW Sicht heute so erstrebenswert war, ist natürlich die Frage.

    Kiel hat zuletzt in der Saison 21/22 gegen Wetzlar verloren. In der Saison 20/21 als der THW am Ende Meister wurde, haben sie mit 9 in Wetzlar verloren. In der Saison 19/20 mit der Corona-Abbruch-Meisterschaft hat Wetzlar mit 7 in Kiel gewonnen. Der THW schafft es auch ohne Pokal recht gut wegen Wetzlar zu verlieren.

    Ich habe Final 4s in Hamburg in den letzten Jahren immer in einem Fan-Block gesehen. Das letzte z.B. im Erlangen-Block. Die Tickets habe ich zwei Tage vor dem Spiel gekauft, weil spontan überlegt. Und da waren noch etliche andere auch, die nix mit Erlangen zu tun hatten. Ich meine selbst am Finaltag hätte man da noch Plätze bekommen. Da war noch einiges frei, auch am Tag zuvor. Solange ein Team außerhalb der ganz großen dabei ist, kein Thema. Würde mich auch nicht überraschen, wenn das in Köln nicht noch einfacher wäre.

    Die Stärke vom THW war doch immer, dass man in der Regel Spieler findet, die an diesem Tag in diesem Spiel funktionieren. Das ist dann mal der, mal der oder mal der. Aufgrund der vielen Wechsel, auch in der Startformation, weiß man beim THW eigentlich nie, wohin die Reise geht. Das heißt dann eben auch für die Spieler, dass sie Spiele oder gar Saisonphasen haben, wo sie entweder wenig bis gar nicht spielen oder nur eine Nebenrolle haben, weil es bei anderen läuft. Insofern ist die Bewertung einzelner Spieler von einem Spiel oder über eine kurze Phase recht schwierig. Hat aber den Vorteil, dass man so eine größere Konstanz in die Ergebnisse bekommt, weil irgendeiner es dann schon rausreißt und in der Regel am Ende der Saison noch etwas mehr im Tank hat.

    Die Ö-R haben ja in erster Linie einen Bildungsauftrag. Auf die Übertragung von Sport bezogen könnte man das so interpretieren, dass "alle" Sportarten ausgewogen ins Programm kommen.

    Wenn man nur mit dem Argument Einschaltquote kommt, dann dürfte es nur noch so Sendungen wie Florian Silbereisen etc geben. Das mit Bildungsauftrag zu verbinden, fällt mir schwer.

    Ich wäre ganz rigoros: mehr Kunst und Kultur (ink. Sport in "ganzer" Breite), mehr Dokumentation, weniger Film, insb. weniger Serien, und v.a. weniger Volksmusik etc. Das darf dann auch einen Pflichtbeitrag kosten, denn so ein Programm kann nicht weitschaftlich sein, entspricht aber dem Bildungsauftrag.

    Genau das ist die Theorie. Aber was passiert in der Praxis bzw. was passierte, dass die ÖR sich mehr wie Privatsender verhalten haben. Nicht völlig, aber mehr. Die Privatsender kamen auf und man konnte sehen, wohin die Zuschauerentwicklung ging. Man konnte sehen, dass man nicht ganz so niveauvollem Programm viel mehr Zuschauer gewinnt als mit Qualität. Das muss man einfach realistisch sagen. Und damit einher ging die Frage: Wie behalten sie eine Relevanz, die eine gesellschaftliche Akzeptanz von Zwangsgebühren auf einem Level hält, dass diese Aufrecht erhalten werden. Und da muss man eben einfach sagen, dass die Bereitschaft der Leute, die sonst RTL II gucken, einen Sender zu finanzieren, auf dem wirklich so gut wie gar nichts läuft was interessiert, nicht wirklich vorhanden ist. Also versucht man den Spagat zwischen dem, was die Leute sehen wollen und dem, was dem eigentlichem Auftrag entspricht. Natürlich können die ÖR sagen: Wir machen nur oder fast ausschließlich das, was unser Auftrag ist, aber realistisch gesehen, spielen sie damit mit dem eigenen Leben.

    Die öffentlich rechtlichen haben das Problem, dass wenn sie quer alles relativ gleichberechtig zeigen, die Einschaltquoten so niedrig sind, dass die Stimmen gegen die Zwangsgebühren noch stärker werden, als sie es ohnehin jetzt schon hin. Zeigen sie das, was Quote bringt, also Fußball, kommen sie ihrem eigentlichen Auftrag nicht wirklich nach, aber zumindest haben sie eine gewisse Rechtfertigung für die Gebühren. Insofern wäre das ganze Modell mit einer gewissen Verteilung der Sendezeit nur dann tragfähig, wenn es einen gesamtgesellschaftlichen Willen gäbe, für Inhalt zu bezahlen, der einen selber nur sehr selektiv interessiert. Jetzt beschwert sich zwar die relativ geringe Menge der Handball-Interessierten, aber die große Masse an Fußball-Interessierten ist zufrieden. Insofern müssen die öffentlich rechtlichen eigentlich wie ein Privatsender agieren, bekommen dafür aber auch noch Zwangsgebühren. Viel Sinn macht das nicht, aber das nicht wirklich die Schuld der öffentlich rechtlichen. Das ist sicher ein gut gemeintes Konzept, aber wie so häufig spielt die Praxis dann nicht mit.

    Es wird doch am Ende immer vor allem wegen den Finanzen am Modus gedreht. Ich kenne es vom Basketball bei einem Zweitliga-Verein. Mit einer gewissen Einnahmen-Teilung war es der Pokal immer ein Minus-Geschäft, wo überlegt wurde, ob man die Teilnahme ablehnen kann. Macht man eine so etwas wie eine Gebühr für die Auswärtsmannschaft oder teilt, was unter dem Strich übrig bleibt, lohnt es sich für die Top-Teams auch nicht wirklich und sie schicken nicht die komplette Mannschaft, was aufgrund der großen Unterschiede in der Regel trotzdem reicht. Das ist dann auch für die Zuschauer wieder uninteressanter. Da kamen zu Spielen in der Liga mehr Zuschauer als im Pokal gegen einen Erstligisten, weil es in den Spielen in der zweiten Liga um etwas ging und im Pokal war klar, dass der Erstligist sehr wahrscheinlich gewinnt, auch mit geschonten Spielern. Und wenn nicht, dann ist das Weiterkommen auch irgendwie sportlich nicht so viel Wert, weil man immer das Gefühl hat, dass das Spiel nicht wirklich ernst genommen wurde. Im Fußball lohnt sich der Pokal finanziell schon alleine wegen den TV-Einnahmen, die man im Handball auch nicht haben wird.

    Die BBL wird sicher Mühe haben, an das Level von anderen europäischen Ligen zu kommen. Dafür ist das auch das finanzielle Level dort zu hoch. Real und Barca dürften so um die 45 Mio Etat haben, viele andere um die 30 Mio. Bayern dürfte nächstes Jahr die 20 Mio in Deutschland auch locker überbieten mit den neuen Sponsoren-Deals. Im Basketball ist in Europa nochmal ganz anderes Geld verfügbar im Vergleich zum Handball (gewesen). Alleine Mirotic hat 2019 einen Vertrag bei Barca für 72,6 Mio für 6 Jahre unterschrieben, der aber jetzt beendet werden soll. Da wird man in der BBL wahrscheinlich nie hinkommen.

    Zu einer WM wird man bei den USA wahrscheinlich niemals das Top-Team sehen, dafür hat sie zu geringen Stellenwert. Bei Olympia sieht das anders aus. Beides ist nur alle vier Jahre, aber Olympia ist dort einfach etwas ganz anderes. Für die USA war der 4. Platz sogar eine Verbesserung. Das letzte Mal sind sie nur 7. geworden.

    Die Entwicklung der deutschen Mannschaft ist wirklich beeindruckend. In Basketball-Deutschland war man doch sehr skeptisch als Herbert neuer Bundestrainer wurde, weil viele doch eher einen harten Hund in der Rolle gesehen hätten und keinen Players-Coach, der bekannt dafür ist, dass er den Spielern sehr viele Freiheiten gibt und selbst unglaublich unaufgeregt ist. Aber das scheint mit der Mannschaft wunderbar zu passen.

    Seine Antwort auf die Frage zu Schröder nach dem Viertelfinale gegen Lettland war schon was und im Nachhinein hat es ausgezahlt, aber zu sagen, dass er aus rein sportlichen Gründen Schröder die letzten fünf Minuten eigentlich auf die Bank hätte setzen müssen, aber es bewusst nicht gemacht hat, weil für ihn der Grundsatz zählt, dass man zusammen gewinnt und zusammen verliert. Das zeigt schon, was dort für ein Teamgedanke geherrscht hat.

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    Man hat sich beim THW vor ein paar Jahren entschieden, Bierfreund zu fördern. Zu diesem Zeitpunkt wusste man, dass er wahrscheinlich keine 2,00m werden wird. Auch Palicka, Gerard, PdV sind keine Riesen. Ich vergleiche Bierfreund ist nur von den Körpermaßen her mit den drei "Legenden", welche alle drei herausragende Torhüter sind. Szmal ist auch nur 1,86 gewesen und Heinevetter ist auch "nur" 1,94m... das ist ale kein Argument. Erfahrung kommt nicht von "dritter Mann auf der Bank". Der 7. französische Nationaltorwart ist keiner, der den THW weiterbringt und gratis wird es den auch nicht geben.

    All diese Torhüter sind aber nicht bei einem CL-Verein in den Profi-Bereich eingestiegen. Heinevetter hat in dem Alter, wo er bereits als großes Talent galt, in der 2. Liga gespielt und ist dann nach Magdeburg. Szmal hat auch erst bei einem kleineren polnischen Verein gespielt und ist dann zu Plock und dann weiter in die Bundesliga. Selbstvertrauen holt man sich auch nicht, wenn man in jedem Spiel die Hütte vollbekommt, weil die Entwicklung einfach (noch) nicht so weit ist. Und wieviel wird man bei CL-Clubs mit diesem Spielplan überhaupt richtig trainieren können zwischen all den Spielen und Reisen. Bierfreund sollte trainieren und spielen und möglichst da, wo er die Chance hat, dass er viel trainieren kann und sich im Spiel auch Selbstvertrauen holen kann und nicht in einem Setup, wo es heißt Leistung bringen, viel reisen und dazwischen regenerieren aufgrund der vielen Spiele.

    Späth wird bei den Löwen mit 2,00 m und 97 kg geführt. Ludwig bei den Füchsen mit 1,94 m und 93 kg. Bierfreund beim THW mit 1,90 m und 83 kg. Späth hat eine ganz andere natürlich Präsenz, auf der er sein Torwart-Spiel aufbauen kann. Bierfreund war in den beiden sehr schnell und agil unterwegs, aber er wirkte ein bisschen wie ein Turner beim Handball. Er wollte unbedingt seine Parade und je mehr die nicht kam, desto aktiver ist er geworden. Er ging häufig in eine starke Bewegung bevor der Wurf kam. Er kann auch mit seinen körperlichen Voraussetzung ein guter Torhüter werden mit einem anderen Stil, aber dazu muss er die Sicherheit gewinnen, dass er auch die Ruhe behält, die Würfe liest und dann seine Schnelligkeit als Waffe ausspielt. Das von einem 19-jährigen direkt auf absolutem Top-Niveau zu erwarten ist eine Menge verlangt.

    Man muss sich nur mal den Kader von Titelgewinnern ansehen in den letzten Jahren. Die Argentinier sind mit einer Menge Spieler Weltmeister geworden, die weit von Weltklasse weg sind. Natürlich haben sie Messi, aber den hatten sie die ganzen Jahre vorher auch und dazu noch in jünger und besser. Außer heftigen Fußball-Nerds kannte doch vom argentinischen Mittelfeld mit de Paul (Athletico), Fernandez (Benfica) und Mac Allister (Brighton) keiner jemanden. In der Abwehr spielte ein alter Otamendi (Benfica), der seine besten Jahre hinter sich hatte bei Man City. Da spielte nen Tagliafico hinten links, der bei Ajax damals auf der Bank saß. Der Torhüter Martínez ist von Arsenal über Jahre quer durch die Gegend verliehen worden, in der Hoffnung, dass er Spielpraxis bekommt. Der saß selbst bei Getafe in La Liga auf der Bank, bevor dann der Wechsel zu Aston Villa den Durchbruch brachte. Die Liste könnte man so weiter drehen.

    Oder anders: Wer könnte denn heute noch viele Spieler nennen aus dem Kader, mit dem Italien die letzte EM gewonnen hat? Klar sind da paar richtig gute dabei, aber es kein Wunder, dass sich Italien für die letzten beiden WMs nicht qualifizieren konnte. Aber bei dem Turnier hat es einfach gepasst. Das war eine (auf dem Platz) verschworene Gemeinschaft, die einfach richtig gut funktioniert hat. Und das ist das, was Du im Fußball brauchst. In Sportarten wie Handball, Basketball, usw. kann man sehr viel über individuelle Qualität regeln. Nicht alles, aber sehr viel. Das kann man im Fußball nicht.

    Und in Deutschland werden hier Entscheidungen getroffen, die irgendwie weird sind. Jetzt Gündogan zum Kapitän zu machen als Beispiel. Bei Gündogan fragt man sich seit Jahren, wo der Gündogan aus dem Verein in der Nationalmannschaft ist. Warum auch immer, aber konnte eigentlich nie zeigen, dass er eine Säule dieser Mannschaft sein muss. Und jetzt ist er Kapitän. Das ist so wie Emre Can bei Dortmund. Man macht einen Spieler zum Kapitän, bei dem man überlegen muss, ob er überhaupt spielen sollte und der dazu nicht unbedingt für einen Neuaufbau über Jahre steht.