Beiträge von brodie79

    Die 30 Prozent von Bellahcene und Mrkva in der Bundesliga sind auch noch okay. Vor dem letzten Spiel dürften die beiden bei der Quote sogar noch leicht vor Portner gelegen haben. Nur das letzte Spiel war dann halt ein Griff ins Klo.

    Rein von der Quote ist bisher Hernández auch der recht deutlich bessere Torhüter in Magdeburg, auch mit dem guten Spiels von Portner in Kiel. Insofern war Portner rein statisch die schlechtere Wahl, in der Praxis die richtige. Eine Position, wo oft die Statistik gar nicht unbedingt der beste Ratgeber ist.

    Bellahcene hat bisher eher in der CL überzeugt als in der Liga. Auch weil die Torhüter-Leistung in der CL besser ist als letztes Jahr, steht der THW ganz gut da. Wobei es natürlich auch Rutschen wie das Spiel zuhause gegen Aalborg gab. Bisher hält Bellahcene in dem Wettbewerb 36,6 %. Da hatte der THW mit 26,6 % von Landin letzte Saison arg zu kämpfen. Dafür ist Mrkva von 29,3 % auf 26,3 % gefallen. Aber insgesamt in der CL eine Verbesserung.

    Die Entwicklung im Verein ist wichtig, aber ich möchte hier mal kurz zu einer anderen Sportart gucken, die mir nochmal einiges näher ist Handball und das ist Basketball. Hier ist Deutschland 2023 Weltmeister geworden. Und das nicht, weil man die besten Spieler im Kader hatte, sondern weil das eine funktionierende Mannschaft war, die vor allem taktisch und personell in jedem Spiel auf das reagieren konnte, was der Gegner probiert hat. Da hat in jedem Spiel ein anderer geglänzt, ganz wie das notwendig war aufgrund dessen was der Gegner probiert hat.

    Der Großteil der Spieler war vier Jahre vorher schon dabei, wo es katastrophal lief mit dem vorherigen Bundestrainer. Die Spieler waren damals auch schon etablierte Größen in ihren Vereinen. Teileweise sind sie letztes Jahr sogar schon etwas über ihren Zenit hinaus gewesen. Das hat man aber nicht gemerkt, weil die taktisch ihren Gegnern immer voraus waren und sie taktische Änderungen diszipliniert durchgezogen haben, wo dann auch Schröder, also der Knorr der deutschen Basketball-Welt, die richtige Mischung gefunden hat, wann er agieren muss und wann er die anderen wie einsetzt. Man hat da unfassbar gemerkt, welchen Impakt es hat, wenn die Mannschaft sich im Spiel anpassen kann und nicht Schema F runterspielt.

    Damit das funktioniert muss eine Mannschaft aber auch einige Zeit zusammenspielen und sich kennen. Von daher glaube ich schon, dass es wichtig für den deutschen Handball wäre, dass die Nationalmannschaft nicht jedes Jahr ein komplett anders zusammengewürfelter Haufen ist, sondern sich über einige Turniere auch finden kann. Da ist es vlt. sogar mal besser, wenn ein individuell (leicht) schlechterer Spieler dabei bleibt mit dem dann die Abläufe und Anpassungen besser laufen.

    Das Problem in Richtung Gislason ist für mich da eben auch, dass ich wenig bis gar keine Anpassungen im Spiel wahrnehmen kann. Irgendwie kommt da nur rüber, dass die Spieler sich gefälligst zusammenreißen sollen. Aber dass man mal wahrnimmt, dass Deutschland jetzt Y macht, weil der Gegner X macht, kann ich als Laie zumindest kaum erkennen. Vlt. fehlt mir da aber auch das Fachwissen, aber z.B. das Spiel gegen Österreich hat mich da nachhaltig negativ beeindruckt, wie hilflos die deutsche Mannschaft da wirkte.

    Ist denn das Niveau in der CL so viel höher als in der HBL? Ich sehe die Dringlichkeit International zu spielen nicht unbedingt gegeben. Wichtig ist sich bei einem der Top 5-6 einen Stammplatz zu erarbeiten und so auf Spielzeit zu kommen. Das mit der Spielzeit ist vielleicht dann einfacher, wenn der Verein auch international spielt, da dafür ein breiterer starker Kader notwendig ist, aber die Gegner sind auch bei Bundesliga Spielen auf einem ordentlichen Niveau.

    Das generelle Niveau ist schon teilweise nochmal ein anderes, aber nicht durchgängig. Neben dem reinen Niveau kommt dazu, dass man dann in sehr viel kürzeren Intervallen seine Leistung bringen muss, ähnlich wie das dann bei Turnieren ist. Ansonsten ist der Umgang mit Erwartungshaltungen von außen noch ein Thema. Wenn man mit Gummersbach als Sechster der Liga gegen den THW verliert, dann ist das nicht weiter schlimm, weil das auch nicht unbedingt im Umfeld anders erwartet wird. Das ist was anderes als Spieler von Flensburg im Derby oder SCM, wenn es vlt. um Titel geht. Insofern wäre es gut, wenn möglichst viele Spieler bei Teams spielen würden, für die nicht oberes Mittelfeld ein Erfolg ist, sondern der Anspruch vorhanden ist, Titel zu gewinnen. Aber dann auch wirklich zu spielen, wenn die wichtigen Spiele anstehen und nicht nur irgendwie im Kader sein.

    Ich glaube man darf bei aller Euphorie bzgl. etwaiger Entwicklungen nicht vergessen, dass sowas nie ein Selbstläufer ist. Beim EM-Titel 2016 standen zehn Spieler im Kader, die jünger als 25 waren. Entsprechend groß war der Optimismus für die Zukunft. Bei vielen Hoffnungsträgern von damals wie Dissinger, Lemke, Schmidt, Kühn, Ernst, Wiede oder späteren wie Drux, Suton oder Semper entwickelte es sich leider nicht so wie erhofft, oftmals auch wegen diversen Verletzungen.

    Entscheidende Spiele in denen Deutschland Punkte gesammelt hat? Ungarn z.B.

    Ich bleibe beim Vergleich zur Leichtathletik: Schluss-Spurt bei 400m angesetzt, auf den letzten 100m riesen Vorsprung und austrudeln lassen. Mit dem Wissen bereits weiter zu sein läuft so ein Spiel eben auch anders. Aber die Argumentation: die anderen sind auf den letzten 200m eingebrochen und nur deswegen haben unsere grottenschlechten letzten 100m gereicht, aber eigentlich unverdient - da gehe ich nicht mit. Wir haben die Punkte, sind weiter - Punkt. Aber es ist eben auch typisch deutsch, das man auch in so einem Erfolg wieder das Haar in der Suppe findet...

    Der Vergleich wäre eher, dass man bei 400m einen Spurt ansetzen wollte, der Gegner aber schneller ist, davonzieht und alles so aussieht, als würde er gewinnen. Dann stürzt er aber unglücklich und so kann man dann doch wieder vorbeigehen. Beim Versuch vom anderen dann doch nochmal aufzuschließen, reichen dessen Kräfte nicht mehr und man selber gewinnt. Da würde auch niemand hinterher sagen: War verdient, weil was stürzt der andere auch. Gehört aber natürlich dazu, dass man nicht stürzt. Insofern hat man das Rennen fair gewonnen, aber war man jetzt wirklich besser? In der Ergebnisliste auf jeden Fall und das haben wir jetzt hier auch.

    Dagur hat mit der Mannschaft einen Weg gesucht und phasenweise gefunden, wie man die individuelle Unterlegenheit, die es damals in Summe genauso gab, kompensieren kann. Das wird man nicht immer hinbekommen, aber er hatte dann 2016 mit der Mannschaft etwas gefunden über die entsprechende Defensive und Härte in Form der Bad Boys Mentalität. Dass sowas nicht dauerhaft funktioniert, ist auch klar. Ich bin mir recht sicher, dass bei längerem Bleiben von Dagur er diese Erfolge von 2016 nicht nochmal hätte wiederholen können bzw. er etwas anderes hätte finden müssen.

    Wenn man sich ansieht, was Prokop vor hatte, dann wollte er in der Nationalmannschaft auch ganz andere Wege gehen, als Schema F zu spielen und die Spieler müssen das Ding schon alleine ziehen. Davon konnte er dann einzelne Spieler oder auch Teile der Mannschaft nicht überzeugen und dann wurde es schwierig. Das hat Prokop doch auch nicht gemacht, weil ihm langweilig war und er eine Herausforderung gesucht hat, sondern weil er wusste, dass es taktisch mehr braucht, um mit der Mannschaft ganz oben mitzuspielen.

    Von einem Trainer(-Team) auf höchstem Niveau würde ich auch mehr erwarten, als die Erkenntnis, dass Fehlwürfe einfach mangelnde Konzentration sind. Das hat mit Sicherheit auch damit zu tun, wie der Torwart seine Bewegungen macht, warum er die Würfe so gut lesen kann, usw. Dann sollte man auch entsprechende Hilfe an die Spieler geben können, was sie anders machen können, um darauf zu reagieren und nicht einfach sagen: Konzentriert euch mal. So hat das immer ein Niveau, wo eigentlich jeder beliebige Trainer stehen könnte und Allgemeinplätze von sich gibt.

    Das ist sicher auch ungerecht Gislason gegenüber, der nun kein Vollblinder sein kann mit all seinen Erfolgen, aber er ist vermutlich eher jemand, mit dem man immer einen gewissen Stiefel spielen wird und damit im Rahmen dessen sein wird, was die Qualität der Spieler hergibt. Wenn die Auslosung dann noch günstig ist und die anderen für Deutschland spielen, dann reicht es auch für ein Halbfinale. Wenn man sagt, dass man damit leben kann, dann ist Gislason der perfekte Bundestrainer, weil er vermutlich dafür sorgen wird, dass es auch nach unten keinen (großen) Ausrutscher gibt.

    Ich finde es nicht mal unverdient, aber es ist irgendwie schwierig zu begreifen, wie die Gesamtheit der gezeigten Leistungen für ein Erreichen des Halbfinals ausreichen kann. Es würde sich besser anfühlen, wenn man zumindest gegen Österreich ähnlich gewonnen hätte wie gegen Island, d.h. nicht hoch, aber am Ende doch immer wieder vorne. So bleibt ein Ergebnis, was im Grunde ein Erfolg ist, aber für wenig Begeisterung bei mir sorgt. Merkwürdiges Turnier aus deutscher Sicht.

    ..., aber ein Eric Johansson würde sich wahrscheinlich über 3 Tore freuen wie Bolle.

    Dessen Turnier ist es auch so gar nicht. Ein Carlsbogard, der in Barcelona fast nur Abwehr spielt, ist hier offensiv klar stärker.

    Die Schweden spielen das doch sehr konsequent. Carlsbogard spielt defensiv Innenblock und damit es nur einen Wechsel gibt, spielt er auch offensiv. Sobald der Gegner eine Zeitstrafe hat, kommt Johannson im Angriff rein. Offensiv hält sich Carlsbogard meist recht zurück, wie das seine Art ist und nimmt nur die absolut sicheren Sachen. Obwohl Carlsbogard so ingesamt viel mehr spielt, hat Johansson öfter aufs Tor geworfen und auch mehr Assists verteilt. Gerade in Überzahl setzen die Schweden auf die Übersicht und Passfähigkeit von Johansson. Generell dominiert in der Offensiv in erster Linie Mitte und Rückraum rechts, wo sie auch konsequent durchwechseln, damit sie auf den Positionen entsprechend den Druck machen können.

    Österreich hat nicht den Spielerpool wie Deutschland, Spanien oder Kroatien. Also müssen sie Wege finden, wie sie mit dem, was sie haben, mehr draus machen als die reine individuelle Qualität gegeneinander spielen zu lassen. Und das schaffen sie bei dieser EM. Das ist dann der Verdienst vom Trainer und am Ende das, was man in Deutschland gerne sehen würde im Hinblick von Deutschland zu Dänemark, Schweden oder Frankreich. Das wird man vlt. nicht in jedem Turnier schaffen, aber zumindest immer mal wieder, wenn die individuelle Qualität nicht besser wird. Genau das ist mit Dagur gelungen. Man wird die individuelle Unterlegenheit nicht immer kompensieren können, aber im Grunde eine Stufe höher das machen, was Österreich gerade jetzt bei EM gelingt. Und daran muss man den Bundestrainer dann messen können. Bislang konnte man nicht den Eindruck gewinnen, dass das mit Alfred gelingen können. Die Mannschaft bringt in etwa das, was man vielfach auch erwarten kann, aber man hat eigentlich nie den Eindruck, dass sie mehr ist als die einzelnen Teile.

    Die Reaktion der Österreicher direkt mit Abpfiff war merkwürdig. Hoch geführt, eigentlich alles im Griff, dann fast noch verloren und sie jubeln? Ich hätte verstanden, wenn sie sauer gewesen wären. Sei es über sich, oder über die Schiris, den Handballgott oder wen auch immer. Oder enttäuscht, dass ihnen eine so große Chance entgangen ist. So nüchtern von außen betrachtet ist es natürlich ein Erfolg, aber bei so einem Spielverlauf als Spieler direkt im Geschehen zu jubeln, wenn man nicht nur nicht gewinnt, sondern auch Deutschland weiterhin die Chance auf HF lässt? Da würde doch jeder Sportler auch gewinnen wollen und wenn es nicht klappt, dann überwiegt erstmal die Enttäuschung oder die Wut.

    Einige Entscheidungen in der Kaderplanung haben funktioniert, andere nicht. Quenstedt war nach dem Landin-Wolff-Drama nachvollziehbar von der Rolle her, aber nicht der Besetzung. Das war ein großer Fehler. In den Jahren hätte ein zweiter Torhüter dem THW sehr gut getan. Auf der anderen Seite stehen neben der Verpflichtung von Sagosen auch Spieler wie Reinkind, Mrkva, Øverby, Johansson oder jetzt gerade Bellahcene, welche die (öffentlichen) Erwartungen übererfüllt haben. Selbst Gisli war im Grunde ein Treffer vom reinen Transfer her. Auch wenn er vermutlich beim THW nicht dieselbe Entwicklung genommen hätte. Sollten Skipagøtu und Madsen langfristig einschlagen waren da schon eine Menge Treffer dabei, die das Gesamtfazit Katastrophe doch etwas weit hergeholt erscheinen lassen. Ich würden sagen: 3+.

    Faust hat beim THW einen so unbekümmerten und frechen Eindruck hinterlassen, dass man sich echt wünschen würde, dass er eine richtige Chance bekommt. Spieler mit Feuer würden Kiel wirklich gut stehen. Er machte bislang auch nicht den Eindruck, dass die Aufgabe zu groß für ihn ist. Insofern würde ich dem THW den Mut wünschen richtig auf ihn zu setzen. Zumal Zerbe jetzt auch nicht der Überspieler ist. Ekberg hat in der Liga aktuell eine Quote von 59% auf Außen. Die Position ist mittlerweile beim THW ein Problem geworden.

    Genau. Zur Saison 2018/19 kam Pekeler und mit ihm wurde die Defensive deutlich besser. Damit ging es beim THW dann wieder deutlich bergauf. Nichtsdestrotz hat der THW die eine Saison EL oder damals EHF Cup ohne Kadereinsparungen überstanden mit einem Verlust von 150K €. Kann mir nicht vorstellen, dass sie dieses Risiko nicht nochmal eingehen werden.

    Wallinius und Johansson haben langfristige Verträge. Bei Johansson freut es mich sehr. Der hat derzeit einen Hänger, wird uns zukünftig aber noch viel Freude bereiten. Was sie sich von Wallinius versprochen haben, ist mir auch schleierhaft. Wenn man ihn ausleihen könnte, sollte man es machen, dann wäre das Geld für Bilyk da. Aber alle drei für RL (wie im Kader 23/24 ausgewiesen) ohne CL wird kaum machbar sein. Also wird einer von Ihnen eine RM-Positionen einnehmen müssen (im Kader 23/24 sind es Dule, Weinhold und Skippy). Behält man Bilyk, müsste man eigentlich aus finanzieller Erwägung auf Weinhold und Dule verzichten, immer vorausgesetzt die CL-Quali wird nicht erreicht. Aber vielleicht täusche ich mich ja hinsichtlich der finanziellen Möglichkeiten und einzelner Spielergehälter.

    Gerade weil Wallinius einen so langfristigen Vertrag hat, stellt sich die Frage, was der THW hier vor hat. Natürlich muss man beim THW in erster Linie Erfolg haben und wenn Wallinius da nicht zuträglich ist, dann spielt er nicht. Aber dann muss man eigentlich daran arbeiten, diesen Vertrag zu beenden. Dann sähe die Personalie Bylik wieder anders aus. Wenn man auf ihn setzt bzw. an ihn glaubt, dann sollte er auch spielen. Soviel wird man beim THW zwischen all den Spielen nicht trainieren, sodass es sonst eigentlich ein eher verlorenes Jahr für ihn wäre.

    2018/19 im damaligen EHF Cup war der Kader nicht anders als in einer CL-Saison. Zu Beginn hatten sie sogar sechs Rechtshänder im Rückraum mit Nilsson, Dissinger, Dule, Bilyk, Zarabec und Gisli, bevor Dissingers Vertrag aufgelöst wurde und er während der Saison zu Skopje ist. Das wird vermutlich auch ein wenig Geld gekostet haben. Denke mal, eine Saison werden sie überbrücken können.

    Bilyk ist ein sehr guter Kaderspieler, gerade für den Bundesliga-Alltag, der dem THW in vielen Spielen den Hintern gerettet hat, weil er gegen schwächere Gegner aus Nichts Tore machen kann. Da kompensiert er die taktische Ideenlosigkeit oft sehr gut, auch weil er mitunter Tiefe findet durch seine typischen Bewegungen. Aber für das ganz oberste Regal reicht es nicht. Da muss der THW schon auf Johannsson hoffen, der aber aktuell auch nur punktuell zündet. Dessen "Entwicklung" in dieser Saison ist für den THW wesentlich bedenklicher als die Frage, was aus Bilyk wird. Noch dazu mit dem Wallinius-Faktor, wo überhaupt nicht erkennbar ist, was der Plan ist. Wenn man nicht auf Wallinius setzt, dann wäre Bilyk dort gut aufgehoben, aber wenn doch, dann sollte er auch regelmäßig mehr spielen.

    Im Kader 2014 standen von Dortmund vier Spieler:

    • Weidenfeller
    • Durm
    • Großkreutz
    • Hummels

    Der einzige, der überhaupt gespielt hat, war Hummels. Von Bayern sieben Spieler, die alle gesetzt waren:

    • Neuer
    • Boateng
    • Kroos
    • Lahm
    • Schweinsteiger
    • Götze
    • Müller

    2014 hatte Deutschland außer Lahm keinen Außenverteidiger von Format. Der wollte dazu noch zentral im Mittelfeld spielen, was er bis ins Achtelfinale auch gemacht hat. Aufgrund der Analyse von Urs Siegenthaler, dass die klimatischen Bedingungen keine Schienenspieler zulassen werden, spielte Deutschland mit vier Innenverteidigern in der Abwehr. Dazu verletzte sich Reus direkt vor der WM, was eine Umstellung zur Folge hatte, dass Kroos zentral in die Mannschaft rückte und Özil auf links. So hatte Deutschland im Zentrum immer drei Spieler, die auch Defensivarbeit verrichteten im Gegensatz zu Özil. Aufgrund dieser Umstellungen hatte Deutschland eine bessere defensive Stabilität. Immer noch nicht absolut top, aber gut genug, dass man bei dem Turnier nicht konstant Gegentore bekommen hat. Im Übrigen hatte Deutschland 2014 auch keine Mittelstürmer außer dem in die Jahre gekommenen Klose. Daher spielte Deutschland die überwiegende Zeit mit Götze als "falsche neun". Klose spielt im Viertelfinale gegen Frankreich das erste Mal länger als 45 Minuten während des Turniers.

    Man kann also durchaus jede Menge Problemstellen haben und trotzdem was reißen.

    Magdeburg hat für Marko Bezjak vor zwei Jahren, als er im selben Alter war wie Dule jetzt, eine neue (wichtige) Rolle gefunden. Was so ein cleverer Spieler wert ist, hat man im CL Halbfinale gesehen, wo Bezjak Barcelona in der Offensive gut auseinandergenommen hat, als er übernehmen musste. In einer solchen Rolle kann Dule für den THW Gold wert sein. Das sollte jetzt keine Ausrede sein, warum niemand anderes das Zepter übernehmen kann, wie es dann Gisli bei Magdeburg gemacht hat.

    Insgesamt machen die Aussagen von Jicha und Szilagyi wenig Sinn. Wenn der THW voll auf Skippy setzen würde und er entsprechend konstant und viel spielen würde, dann können sie die Wir-brauchen-Zeit-Karte vlt. spielen, aber ansonsten ist die Mannschaft nicht viel anders als letztes Jahr. Und Sagosen war jetzt nicht der Spieler, auf den nun alles zugeschnitten war, dass sein Wegfall nun eine komplette Umstellung bedeutet.

    Zumal man mit Appelgren gleich drei Jahre verlängert hat. Total nachvollziehbar wäre noch eine Saison gewesen, weil Späth bei der Verlängerung noch verletzt war, etc., aber bei gleich drei Jahren muss es doch einen (langfristigen) Plan gegeben haben.