Du brauchst im Fußball als Basis eine extrem geschlossene Mannschaftsleistung. Sowohl was die Bereitschaft angeht, sich untereinander zu helfen als auch die taktische Ausrichtung und Disziplin. Dazu braucht es das Selbstvertrauen daraus zu agieren und auch Risiken einzugehen. Das fällt dem Underdog logischerweise immer sehr viel leichter. Hast Du nichts zu verlieren, kannst du frei aufspielen. Im Fußball ist das ein riesiger Faktor. Es bringt auch nichts, wenn man mit dem Messer zwischen den Zähnen herumläuft und seine Energie ohne jegliche taktische Vorgabe und Disziplin vergeudet.
Der deutschen Mannschaft hat die Sicherheit im Spiel über weite Strecken gefehlt. Man hat definitiv gesehen, dass dort keine Mannschaft auf dem Feld steht, die wirklich an das glaubt, was sie spielen. Der Versuch eine taktische Ordnung zu finden, um die vermeintlich besten Spielerinnen irgendwie auf dem Feld zu vereinen, ist nicht aufgegangen. Etliche Spielerinnen war sehr beschäftigt mit dem, was sie spielen sollten, weil sie das sonst nicht spielen. Das hätte nur funktioniert, wenn dort sofort die Rädchen gegriffen hätten und das haben sie nicht. Zwischendrin hat man versucht sich die fehlende Sicherheit und Selbstverständnis (zumindest öffentlich) einzureden.
Die erwähnten Südkoreanerinnen fahren im Übrigen extrem enttäuscht nach Hause, weil die Erwartungshaltung nach dem Finale beim Asien-Cup 2022 entsprechend groß war. Das Weiterkommen in der Gruppe war eigentlich gesetzt. Erst als das Ausscheiden nach den ersten beiden Spielen fast feststand, konnten sie mehr von dem abrufen, was sie eigentlich von sich erwartet hätten.
Gute Trainer schaffen es ihren Spielern die notwendige Sicherheit zu geben auf die unterschiedlichsten Weisen. Ein Pep z.B. erklärt seinen Spielern soviel über Taktik und Positionierung, dass sie glauben sie haben für alles eine fußballerische Lösung und so gewinnen sie an Sicherheit. Andere machen das eher über das Mentale, indem sie es die Spieler stark reden wie Klopp oder eine Wagenburgmentalität entwickeln wie Mourinho.
Schlussendlich gehen die meisten (Trainer) im Sport den Weg, dass sie den auserkorenen Weg durchziehen, bis jemand von außen Stopp sagt oder das Ende erreicht ist wie einen Ausscheiden aus dem Turnier. Sieht man auch im Handball genug, dass dort an Dingen festgehalten wird, die (aktuell) nicht funktionieren, in dem Glauben (oder Hoffnung), dass es doch noch wird. Manchmal bis zum bitteren Ende und manchmal funktioniert es dann doch irgendwann. Was wurde hier im Forum orakelt, dass der "Zwergenhandball" von Magdeburg nie für den ganz großen Wurf reichen würde, weil in der Abwehr zu klein und und und. Sah eine längere auch so aus, dass das so ist, aber mittlerweile kann man sich doch nicht beschweren.
Was die Konsequenzen beim DFB angeht, ist die Frage, was man von der Bundestrainerin bei der Auswertung für Antworten bekommt. Nicht öffentlich, aber intern. Wie sieht sie im Nachhinein die Experimente mit Huth, etc. Nicht nur, was so bla bla Erkenntnisse angeht, wie hat nicht funktioniert, sondern auch auch Antworten darauf, warum es nicht funktioniert hat, was es für Alternativen gibt und warum. Kommen dort gute Ansätze, dann ist es Weitermachen absolut vertretbar. Immer gleich alle Rauswerfen ist auch nicht die Lösung, wenn es wirklich echte Bestrebungen gibt, aus Dingen, die nicht funktioniert haben, zu lernen.