Beiträge von brodie79

    Kiel hat bisher mehr Tore pro Spiel geworfen als Melsungen, Magdeburg oder Flensburg. Es sind sogar mehr Tore pro Spiel als letzte Saison. Das sieht nicht wirklich flüssig aus, ist oft Brechstange, ist nicht super effizient deswegen, aber der THW findet trotzdem Wege, wie genügend Bälle ins Tor gehen. Die Wurfeffizienz war letzte Saison sogar leicht niedriger als diese bisher. Von daher finde ich den Fokus auf die Spielart in der Offensive irgendwie schwierig.

    Auf der Gegenseite bekommt man pro Spiel bisher zwei Gegentreffer mehr als letzte Saison und die Quote der Torhüter ist von 34% auf 30% gefallen, was trotzdem noch knapp hinter der Spitze ist. Der THW war letzte Saison von der Quote her das beste Team, aber nur auch knapp vor RNL und Melsungen. Allerdings hier deutlich besser als z.B. Berlin oder Magdeburg. Auffällig ist z.B. dass die Anzahl der 7m Gegentore von 2,1 auf 3,9 pro Spiel gestiegen ist, wobei die Quote der gehaltener 7m gleich geblieben ist. Ich glaube hier kann man schon ablesen, dass es dem THW sehr schwerer fällt den Gegner in der Verteidigung vor sich zu halten.

    Heißt das etwa, der THW ist nicht mehr interessant für Spieler, wenn ja warum?

    Es gibt doch genügend Gründe von Geld, Struktur der Mannschaft, Spielweise, Kariereplanung, Ligaalltag bis präferierte Lebensumgebung. Bei Spielern, die Familie haben, kommen dann nochmal andere Kriterien dazu. Es macht doch für keinen Spieler immer Sinn nach Kiel zu gehen. Dafür gibt es viel zu viele Alternativen, die vlt. besser passen. Warum haben denn sowohl Kiel als auch Flensburg und Magdeburg Spieler nach Kolstad verloren? Ich bin mir sicher, dass Magdeburg Gullerud nicht loswerden wollte. Am Ende war es sein Wunsch (eher) zu gehen und die Nachfolgerlösung gestaltet sich eher schwierig.

    Die meisten Verpflichtungen von Spielern stehen in der Regel sehr viel eher fest. Um bei Øverby zu bleiben. Bei ihm war im November 2020 schon (inoffiziell) bekannt, dass er ab 2022 beim THW spielen wird. Die Frage wird sein, ob man beim THW so geplant hat, dass man ab 2024 wirklich jemand holen muss, oder ob man nicht gedacht hat, man verlängert a la Horak nochmal ein Jahr mit Øverby als Kaderergänzung, weil Pekeler und Wiencek das tragen werden und schaut eher in Richtung 2025.

    Off Topic (so halb):

    Ich habe mir die Tage mal Holstebro gegen GOG in der Halle gegeben während meines Urlaubs. GOG hat gerade noch ein Unentschieden gerettet nach -5 in der 2. Halbzeit. Mensing hatte eine Bewegung, die klappte nach 3 Minuten nicht mehr und dann war es das mit seinem Repertoire. Madsen dagegen hat gebissen und gekämpft. Sehr kompromisslos in seiner Spielweise. Erinnerte von dem Aspekt her fast ein wenig an Weinhold. Aber im Gegensatz zu Weinhold viele Scharmützel mit Gegner und Diskussionen mit den Schiris. Ordentliches Energiebündel. Wenn er immer so drauf ist, wird das ein Spieler, der gut polarisieren wird. Mensing dagegen unglaublich passiv, Da sah man keinen Spieler, der sich gegen die Niederlage wehrt, wie das bei Madsen der Fall war.

    On Topic:

    Die Abwehr-Thematik hatte sich in der CL die letzten zwei Jahre schon angekündigt und ist nun voll in der Liga angekommen. Ich sehe auch nicht, wie PdV da irgendwas entscheidend besser macht wird. So viel besser als die Torhüter-Leistung dieses Jahr wird es nicht werden. Sicher war die mit Landin in der Liga nochmal ein Stück besser, aber auch Landin hat in einigen Spielen kaum einen Finger an den Ball gekommen, was völlig normal ist. Insofern macht ein Übergangsjahr wenig Sinn. Dafür bräuchte es eine Perspektive in der Abwehr. Ich hatte vor der Saison hier gefragt, wie sich die Abwehr denn verbessern sollte dieses Jahr und da war Johansson in den Mittelblock so die einzige Perspektive. So wirklich aufgedrängt hat er sich bisher eher nicht. Von daher hat man jetzt 3 Kreisläufer, die in erster Linie den Mittelblock bilden, wo man vlt. bei Peke nochmal ein, zwei Schritte nach vorne erwarten kann. Wobei ich nicht weiß, ob das realistisch ist, angesichts der Verletzungen. Wer kommt also für Øverby. Einen Top-Spieler vorne wie hinten wird man wahrscheinlich nicht bekommen. Also eher einen defensiven und Wiencek beschränkt sich mehr auf Offensive oder einen offensiven und Wiencek spielt hauptsächlich Abwehr?

    Ich finde das sportliche mit drei Keepern ist das eine. Das mag man vlt. noch hinbekommen. Aber bindet das nicht (unnötig) Kapital auf einer Position, welches dann wieder auf einer anderen fehlt, um vlt. mehr zu machen als einen "Kaderspieler"? Wenn so eine Drei-Torhüter-Lösung ein Team macht, was soviel Geld hat, dass es nicht juckt, dann kann man auf das rein sportliche gucken, aber so hätte doch bestimmt der eine oder andere Euro an anderer Stelle helfen können?

    Wetzlar hatte bisher in der Saison noch in keinem Spiel 32 Tore. Und so monsterhoch war das Tempo nicht. Selbst in der zweiten Halbzeit, wo es dann wirklich drauf ankam, konnte sich Wetzlar einen freien Wurf nach dem anderen herauskombinieren. Das die Quote der Torhüter absolut in Ordnung war, bei Bellahcene sogar richtig gut, spricht für ihre Qualität. Natürlich kann man auf die Offensive gucken und sieht dort Fehler und Fehlwürfe, die so nicht sein sollten, aber es war eben wieder ein Spiel, wo es der Gegner viel zu leicht hatte Tore zu machen. Offensiv kann man immer mal auf einen überragenden Torhüter treffen, usw., aber Defensive muss eigentlich immer gehen. Wenn der Gegner dann reihenweise unmögliche macht, okay, aber das musste Wetzlar nicht.

    In der vorletzten Saison von Gislason, d.h. 17/18 ist der THW in der Liga fünfter geworden mit neun Niederlagen und einem Unentschieden. Dann kam Pekeler zur Saison 18/19 von den Löwen und damit ging es beim THW wieder deutlich bergauf, vor allem defensiv. Das war der Grundstock, dass es beim THW wieder um Meisterschaften ging.

    Der THW hat mit Alfred aber deutlich schlechter gespielt als mit Jicha. Mit Jicha kam wenigstens eine gewisse Spielfreude rein, die es unter Alfred gar nicht gab. Man konnte aber schon in den letzten zwei, drei Jahren sehen, dass der THW vor allem in der Abwehr nur noch selten auf das höchste Level kommt. Gerade in der CL gab es regelmäßig amtlich die Hütte voll, auch mit Landin. In der Liga hat Landin noch öfters gerettet, letztes Jahr haben sie dank Mrkva auch mit dem zweiten Torhüter Spiele gewonnen, wie z.B. in Hannover. Das war nochmal ein Schritt nach vorne, der dann die Meisterschaft mit begünstigt hat. Aber ich sehe irgendwie nicht, wie der THW die Gegner so richtig gestoppt bekommt.

    In Magdeburg waren zuletzt in der CL 2.000 Zuschauer weniger gegen ein Top-Team mit Veszprém da als in der Liga gegen Lemgo. Bei Kiel in der CL genauso. Das kann man aber auch in anderen Sportarten beobachten, dass in den ersten Runden das Zuschauerinteresse geringer ist. Zumindest kann man die Spiele jetzt mit Dyn auch sehen. Zuletzt waren die ersten Runden überhaupt nicht übertragen worden. Ob das aus THW Sicht heute so erstrebenswert war, ist natürlich die Frage.

    Kiel hat zuletzt in der Saison 21/22 gegen Wetzlar verloren. In der Saison 20/21 als der THW am Ende Meister wurde, haben sie mit 9 in Wetzlar verloren. In der Saison 19/20 mit der Corona-Abbruch-Meisterschaft hat Wetzlar mit 7 in Kiel gewonnen. Der THW schafft es auch ohne Pokal recht gut wegen Wetzlar zu verlieren.

    Ich habe Final 4s in Hamburg in den letzten Jahren immer in einem Fan-Block gesehen. Das letzte z.B. im Erlangen-Block. Die Tickets habe ich zwei Tage vor dem Spiel gekauft, weil spontan überlegt. Und da waren noch etliche andere auch, die nix mit Erlangen zu tun hatten. Ich meine selbst am Finaltag hätte man da noch Plätze bekommen. Da war noch einiges frei, auch am Tag zuvor. Solange ein Team außerhalb der ganz großen dabei ist, kein Thema. Würde mich auch nicht überraschen, wenn das in Köln nicht noch einfacher wäre.

    Die Stärke vom THW war doch immer, dass man in der Regel Spieler findet, die an diesem Tag in diesem Spiel funktionieren. Das ist dann mal der, mal der oder mal der. Aufgrund der vielen Wechsel, auch in der Startformation, weiß man beim THW eigentlich nie, wohin die Reise geht. Das heißt dann eben auch für die Spieler, dass sie Spiele oder gar Saisonphasen haben, wo sie entweder wenig bis gar nicht spielen oder nur eine Nebenrolle haben, weil es bei anderen läuft. Insofern ist die Bewertung einzelner Spieler von einem Spiel oder über eine kurze Phase recht schwierig. Hat aber den Vorteil, dass man so eine größere Konstanz in die Ergebnisse bekommt, weil irgendeiner es dann schon rausreißt und in der Regel am Ende der Saison noch etwas mehr im Tank hat.

    Die Ö-R haben ja in erster Linie einen Bildungsauftrag. Auf die Übertragung von Sport bezogen könnte man das so interpretieren, dass "alle" Sportarten ausgewogen ins Programm kommen.

    Wenn man nur mit dem Argument Einschaltquote kommt, dann dürfte es nur noch so Sendungen wie Florian Silbereisen etc geben. Das mit Bildungsauftrag zu verbinden, fällt mir schwer.

    Ich wäre ganz rigoros: mehr Kunst und Kultur (ink. Sport in "ganzer" Breite), mehr Dokumentation, weniger Film, insb. weniger Serien, und v.a. weniger Volksmusik etc. Das darf dann auch einen Pflichtbeitrag kosten, denn so ein Programm kann nicht weitschaftlich sein, entspricht aber dem Bildungsauftrag.

    Genau das ist die Theorie. Aber was passiert in der Praxis bzw. was passierte, dass die ÖR sich mehr wie Privatsender verhalten haben. Nicht völlig, aber mehr. Die Privatsender kamen auf und man konnte sehen, wohin die Zuschauerentwicklung ging. Man konnte sehen, dass man nicht ganz so niveauvollem Programm viel mehr Zuschauer gewinnt als mit Qualität. Das muss man einfach realistisch sagen. Und damit einher ging die Frage: Wie behalten sie eine Relevanz, die eine gesellschaftliche Akzeptanz von Zwangsgebühren auf einem Level hält, dass diese Aufrecht erhalten werden. Und da muss man eben einfach sagen, dass die Bereitschaft der Leute, die sonst RTL II gucken, einen Sender zu finanzieren, auf dem wirklich so gut wie gar nichts läuft was interessiert, nicht wirklich vorhanden ist. Also versucht man den Spagat zwischen dem, was die Leute sehen wollen und dem, was dem eigentlichem Auftrag entspricht. Natürlich können die ÖR sagen: Wir machen nur oder fast ausschließlich das, was unser Auftrag ist, aber realistisch gesehen, spielen sie damit mit dem eigenen Leben.

    Die öffentlich rechtlichen haben das Problem, dass wenn sie quer alles relativ gleichberechtig zeigen, die Einschaltquoten so niedrig sind, dass die Stimmen gegen die Zwangsgebühren noch stärker werden, als sie es ohnehin jetzt schon hin. Zeigen sie das, was Quote bringt, also Fußball, kommen sie ihrem eigentlichen Auftrag nicht wirklich nach, aber zumindest haben sie eine gewisse Rechtfertigung für die Gebühren. Insofern wäre das ganze Modell mit einer gewissen Verteilung der Sendezeit nur dann tragfähig, wenn es einen gesamtgesellschaftlichen Willen gäbe, für Inhalt zu bezahlen, der einen selber nur sehr selektiv interessiert. Jetzt beschwert sich zwar die relativ geringe Menge der Handball-Interessierten, aber die große Masse an Fußball-Interessierten ist zufrieden. Insofern müssen die öffentlich rechtlichen eigentlich wie ein Privatsender agieren, bekommen dafür aber auch noch Zwangsgebühren. Viel Sinn macht das nicht, aber das nicht wirklich die Schuld der öffentlich rechtlichen. Das ist sicher ein gut gemeintes Konzept, aber wie so häufig spielt die Praxis dann nicht mit.

    Es wird doch am Ende immer vor allem wegen den Finanzen am Modus gedreht. Ich kenne es vom Basketball bei einem Zweitliga-Verein. Mit einer gewissen Einnahmen-Teilung war es der Pokal immer ein Minus-Geschäft, wo überlegt wurde, ob man die Teilnahme ablehnen kann. Macht man eine so etwas wie eine Gebühr für die Auswärtsmannschaft oder teilt, was unter dem Strich übrig bleibt, lohnt es sich für die Top-Teams auch nicht wirklich und sie schicken nicht die komplette Mannschaft, was aufgrund der großen Unterschiede in der Regel trotzdem reicht. Das ist dann auch für die Zuschauer wieder uninteressanter. Da kamen zu Spielen in der Liga mehr Zuschauer als im Pokal gegen einen Erstligisten, weil es in den Spielen in der zweiten Liga um etwas ging und im Pokal war klar, dass der Erstligist sehr wahrscheinlich gewinnt, auch mit geschonten Spielern. Und wenn nicht, dann ist das Weiterkommen auch irgendwie sportlich nicht so viel Wert, weil man immer das Gefühl hat, dass das Spiel nicht wirklich ernst genommen wurde. Im Fußball lohnt sich der Pokal finanziell schon alleine wegen den TV-Einnahmen, die man im Handball auch nicht haben wird.

    Die BBL wird sicher Mühe haben, an das Level von anderen europäischen Ligen zu kommen. Dafür ist das auch das finanzielle Level dort zu hoch. Real und Barca dürften so um die 45 Mio Etat haben, viele andere um die 30 Mio. Bayern dürfte nächstes Jahr die 20 Mio in Deutschland auch locker überbieten mit den neuen Sponsoren-Deals. Im Basketball ist in Europa nochmal ganz anderes Geld verfügbar im Vergleich zum Handball (gewesen). Alleine Mirotic hat 2019 einen Vertrag bei Barca für 72,6 Mio für 6 Jahre unterschrieben, der aber jetzt beendet werden soll. Da wird man in der BBL wahrscheinlich nie hinkommen.

    Zu einer WM wird man bei den USA wahrscheinlich niemals das Top-Team sehen, dafür hat sie zu geringen Stellenwert. Bei Olympia sieht das anders aus. Beides ist nur alle vier Jahre, aber Olympia ist dort einfach etwas ganz anderes. Für die USA war der 4. Platz sogar eine Verbesserung. Das letzte Mal sind sie nur 7. geworden.

    Die Entwicklung der deutschen Mannschaft ist wirklich beeindruckend. In Basketball-Deutschland war man doch sehr skeptisch als Herbert neuer Bundestrainer wurde, weil viele doch eher einen harten Hund in der Rolle gesehen hätten und keinen Players-Coach, der bekannt dafür ist, dass er den Spielern sehr viele Freiheiten gibt und selbst unglaublich unaufgeregt ist. Aber das scheint mit der Mannschaft wunderbar zu passen.

    Seine Antwort auf die Frage zu Schröder nach dem Viertelfinale gegen Lettland war schon was und im Nachhinein hat es ausgezahlt, aber zu sagen, dass er aus rein sportlichen Gründen Schröder die letzten fünf Minuten eigentlich auf die Bank hätte setzen müssen, aber es bewusst nicht gemacht hat, weil für ihn der Grundsatz zählt, dass man zusammen gewinnt und zusammen verliert. Das zeigt schon, was dort für ein Teamgedanke geherrscht hat.

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