Beiträge von HansRichard

    Wow, das fluppt ja hier: mein erster Beitrag und schon lande ich kurz im "Spiegel"...!

    Gleichwohl teile ich die Kritik an dieser Form der Berichterstattung. Ein anonymes Zitat aus einem Forum Beleg-artig zu verwenden ist für mich nicht seriös und wirft kein gutes Licht auf Herrn Eggers (den ich nicht kenne) und den Spiegel! Es ist leider ein Trend und kein guter für den deutschen Journalismus, dass sich vermeintlich seriöse Medien manchmal ja sehr kompakt an anonymen Meinungen im Netz bedienen, als wären das solide Quellen. Soll wohl Modernität suggerieren, so nach dem Motto, hey, wir in der Redaktion eines Papiermediums gucken auch mal in dieses Internet!! In diesem Fall brauchte Herr Eggers wohl noch "Volkes Stimme"...

    Meine Lokalzeitung macht das alle paar Tage zu allen möglichen Themen, die Aufregung versprechen und das unter Verwendung aller Pseudonyme. Will man hingegen einen Leserbrief veröffentlichen, so geht das nicht ohne komplette Adresse! Verrückt, in diesen Zeiten!

    Und da ich gerade bei Medien bin und damit kehre ich zur Causa Fuhr/Birkner zurück: ich habe bei der HSG Blomberg-Lippe gesehen, dass die dortige Zeitung namens "Lippische Landeszeitung" als Top-Sponsor des Vereins fungiert!! Auch da laufen bei mir Bilder ab, die nichts mit seriösem Journalismus zu tun haben. Ich hätte als Leser dieses Blattes nicht das Vertrauen, dass mir die Redaktion immer die richtigen Fakten, Hintergründe und notwendigen Meinungen liefert, wenn es um eine erforderliche kritische Begleitung des "Partnervereins" geht - wie eben in dieser Causa. Da stehen schließlich auch klare wirtschaftliche Interessen hinter.

    Eine solche Konstruktion gibt es nach meiner Beobachtung mittlerweile sehr häufig, besonders im Sport, aber auch in der Kultur. Da ich weit weg von Lippe lebe und die Zeitung nie gelesen habe, kann ich nicht konkret belegen, was berichtet, wie eingeordnet und was möglicherweise verschwiegen wurde. Aber allein die Anscheinsvermutung, dass nicht unabhängig berichtet werden könnte, ist schlimm genug - und für die Akzeptanz einer Zeitung sehr riskant.

    Schönes Wochenende allerseits. Ich werde erstmal in diesem Jahr Handball gucken. Nein, nicht die WM, sondern live die Weibliche Jugend Oberliga, mit der Enkelin!

    Ich nochmal mit einer Reaktion hierdrauf:

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    Oder wollen wir einen Sport ohne Emotionen???

    Das ist leider eine im Sport immer noch weit verbreitete Haltung: Ohne Emotionen im Sport wäre dieser tot, also bitte lieber an nix rühren! Ich habe nix gegen Emotionen (war als Spieler/Trainer auch nicht nur lieb) solange sie nicht beleidigend oder respektlos sind! Diesen Unterschied herstellen zu können, muss ich besonders von Spitzentrainern erwarten. Wenn sie das nicht können, sollen sie sich einen anderen Job suchen.

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    Du hast hohe Ansprüche an die Führungsverantwortlichen eines Sportvereins. Es gibt schlichtweg kaum Leute die einen Verein führen und sich den Geschäftsführer auf den Buckel laden. Gerade in der Frauen-HBL hat doch der Chef ganz oft einen persönlichen Bezug zum Verein.

    Danke erstmal für die Rückmeldungen. Ich habe vor allem hohe Ansprüche an die Führungsverantwortlichen eines kleineren mittelständischen Unternehmens, die Sportvereine - wie die über die wir hier reden - ja oftmals sind. Diese Ansprüche haben glücklicherweise auch andere, wie man in all den aktuellen internationalen/nationalen Debatten um Missbrauch und sexuelle Gewalt im Sport sehen kann. Und diese Ansprüche beinhalten halt auch Verhaltensweisen, die für Vorgesetzte im Umgang mit Angestellten aus meiner Sicht unverzichtbar sind.

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    Da Du im Blomberger Umkreis zu Hause bist. Ich hatte es schon einmal in den Raum geworfen. Angenommen Genges und Kietsch hauen in den Sack und Brikner muss gehen. Stehen ad hoc fähigere Ersatzleute zur Verfügung die nach den von Dir geforderten Prinzipien und Erfahrungen zu "mit Compliance/Governance und Unternehmens-Integrität" den ganzen Laden zusammenhalten?

    Nein, ich bin weder physisch noch emotional im Blomberger Umkreis zuhause. Ich kenne keine Details und auch nicht die handelnden Personen. Insofern weiß ich nicht, ob und wer da möglicherweise zur Verfügung stehen würde.

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    Das große Problem mit "im Eifer des Gefechts" ist ja nicht, dass ein Mensch sich in diesem Moment Beurteilungen ausdenkt, die ihm sonst nie in den Sinn gekommen wären, sondern dass der Mensch ungefiltert all das ausspricht, was er bei einem überlegteren Agieren für sich behalten hätten. Wenn ein Trainer in einem hitzigen Moment Spielerinnen als "fett" oder geworfenen Bälle als "schwul" bezeichnet, dann hat er diese Sichtweise auch in weniger emotionalen Momenten - hat sich dann nur so unter Kontrolle bzw. reflektiert seine Äußerungen, dass er diese Gedanken dann nicht ausspricht. Das Grundproblem liegt also tiefer als in der emotionalen Situation an der Seitenlinie.

    Volle Zustimmung!

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    Du wirst hoffentlich feststellen, dass es hier noch viele weitere interessante Themen gibt, nicht nur die "Causa A. Fuhr".

    Habe ich schon festgestellt. Allerdings - wie geschrieben - bin ich als Gelegenheits-Beobachter weit vom Insider-Status entfernt, der nötig ist, um hier halbwegs seriös mitreden zu können. Die "Causa A.Fuhr" betrifft ja eher allgemeine gesellschaftliche Fragen, da kenne ich mich etwas besser aus.

    Hallo zusammen,

    ich bin neu hier im Forum und habe mich vor allem angemeldet, um im sog. "Fall Fuhr" auf dem Laufenden zu bleiben.

    Kurz zu meinem Hintergrund: ehemaliger Spieler (Oberliga) und Jugendtrainer, seit über 25 Jahren nur noch zahlender Zuschauer zwischen Kreis- und Bundesliga . Meine recht große Familie ist sehr Handball-affin quer durch die Generationen , die Leistungsebenen und die Funktionen. Aktuell spielen zwei Enkelinnen Handball, eine davon in der höchsten Jugend-Landes-Liga. Dazu ein Enkel. Mein Schwiegersohn ist als Bezirksliga-Trainer aktiv. Kurz: wir sind am Handball durchaus interessiert und besonders am Handball der Frauen und Mädchen, ohne uns als Insider bezeichnen zu wollen.

    Der "Fall Fuhr" und der Umgang des Verbandes und der Vereine damit hat uns alle sehr bewegt, teilweise auch entsetzt. Er ist immer wieder Thema in der Familie, besonders die 15 und 13jährigen Enkellinnen stellen viele Fragen.

    Mein Eindruck nach ausführlicher Lektüre hier und anderswo und das schreibe ich auch als jemand, der die letzten Jahre seines Berufslebens in einem großen deutschen Unternehmen auch mit Fragen der Unternehmenskultur, mit Compliance/Governance und Unternehmens-Integrität zu tun gehabt hat, ist:

    - ich sehe keinen ausgeprägten Aufklärungs- und Aufarbeitungswillen, weder beim DHB noch in den betroffenen Vereinen, das alles erinnert eher an die Blockadehaltung der katholischen Kirche im Missbrauchskomplex, es wird nur auf Zeit gespielt. Augen zu und durch, so die Devise.

    - klare Verantwortlichkeiten werden geleugnet, Pflichtverletzungen gegenüber möglichen Opfern werden akzeptiert, notwendige Konsequenzen nicht gezogen! In Wirtschaftsunternehmen wären Leitende Mitarbeiter wie z.B. die Herren Kromer und Kietsch (und möglicherweise weitere...) angesichts der Vorwurfslage zumindest vorübergehend bis zur eindeutigen Klärung aus dem Verkehr gezogen worden. Hier jedoch glaubt man, mit einer paar schön klingenden Verlautbarungen den Fall gelöst zu haben. Für mich ein jämmerliches Verhalten!

    - Themen wie Werteakzeptanz, Persönlichkeitsschutz/Menschenrechte, Gleichberechtigung, das Recht auf körperliche und emotionale Unversehrtheit u.a. werden auch im Sport immer wichtiger und spielen z.B. auch im Verhältnis zu Unternehmen/Sponsoren eine größere Rolle. Das scheint im Handball noch nicht so angekommen. In der Erklärung des Vereins Blomberg habe ich diesen Satz gefunden: "Generell ist im Sport die Wortwahl sicher oft gröber als im normalen Alltagsgeschehen, häufig nicht druckreif. Es geht aber nie um persönliche Beleidigungen, sondern geschieht im Eifer des Gefechts und der Emotion." Das ist ein Satz aus dem mittleren 20. Jahrhundert und sollte den Kommunikations-Verantwortlichen um die Ohren gehauen werden. Er legitimiert Respektlosigkeit gegenüber und Erniedrigung von Frauen. Auch "im Eifer des Gefechts" dürfen Führungskräfte wie Trainer nicht mal ansatzweise beleidigend auftreten. Wer das nicht kapiert, wer diesbezüglich seine Emotionen nicht im Griff hat, hat auf einer Trainerbank nichts mehr verloren.

    - Der Handball-Verband und Vereine denken in dieser Sache weder nachhaltig noch zukunftsorientiert, sondern nur kurzfristig. Die Sportart Frauenhandball wird weiter darunter leiden.

    - Es braucht für mich einen groß angelegten Kulturwandel im deutschen Handball. Es braucht z.B. mehr Frauen in Führungspositionen, mehr interne Kontrollen von Führungskräften, mehr kompetente Beratung von außen. Aber vor dem Wandel käme der Wille dazu....

    Das ist jetzt nur mal in Kürze zusammengefasst mein persönlicher Meinungsstand, der sich auch auf Infos hier aus dem Forum bezieht. Ich weiß, dass ich nicht viel Neues beitragen kann, sorry dafür, wollte aber dennoch mal meine Sicht der Dinge als Beobachter hier zusammenfassen - das übrigens ganz stark im Auftrag meiner Tochter (ehemalige Spielerin) und meiner (noch) aktiven Enkellinnen.