Passt nicht ganz zum Titel, aber inhaltlich zum Thema "quo vadis weiblicher Jugendhandball" und ich wollte keinen extra Thread aufmachen:
Die wU16 hat bei den European Open gestern den 2. Platz belegt. Im Finale unterlag man der Schweiz nach Verlängerung mit 31:34. Meine Beobachtungen dazu:
1. Die Schweiz etabliert sich in allen Altersstufen im weiblichen Jugendbereich als eine der führenden Handballnationen der Welt.
2. Deutschland war auf Augenhöhe. In der Vorrunde wurde die Schweiz besiegt, die Niederlage im Finale war knapp. Herzlichen Glückwunsch an die Mädels zu ihrem Erfolg!
3. Der alte Befund bleibt bestehen: je jünger, desto weiter vorne sind die Deutschen mit dabei, je älter, desto weiter fallen sie zurück. Mal sehen, wie es im August für die U18 in China läuft.
4. Das technische Niveau der Deutschen hat mich aber einmal mehr enttäuscht (auch unter Berücksichtigung des Alters). Auch mangelt es an Spielübersicht und Zusammenspiel, insbesondere zwischen Rückraum und den Außen. Physisch war Deutschland überlegen, von der Spielkultur jedoch zumindest in Ansätzen die Schweiz, auch wenn da auch nicht alles Gold war. Der deutsche Rückraum kennt scheinbar nur ein Rezept: sich in der Abwehr festrennen und dann werfen, egal von wo und wie aussichtsreich und vor allem, egal, wie die Mitspielerinnen positioniert sind (Parallele zu Kühne und Co bei der U20 vor wenigen Tagen?!). Manchmal klappt das, oft aber auch nicht. Die Außen standen oft von Freund und Feind so weit unbedrängt frei, dass man den Eindruck gewinnen konnte, sie wären infektiös. Anspiele aber Fehlanzeige. Die primäre Aufgabe an sie war wohl auch nicht, Tore zu werfen, sondern in der Mitte (falsche) Sperren zu stellen, die glücklicherweise nie geahndet wurden, aber auch nicht viel gebracht haben.
Mein alter Verdacht findet so neue Nahrung, dass der DHB seine Spielerinnen primär nach physischer Konstitution aussucht und nur nachrangig danach, wer Köpfchen und Technik hat, um Handball wirklich SPIELEN zu können. (Ausnahmen wie Däuble bestätigen die Regel). In der U16 geht das noch gut, bis zur U20 verschlechtern sich dann die Ergebnisse. Dazu trägt auch bei, dass der DHB im weiblichen Bereich sehr starr am einmal zusammengestellten Kader festhält und nur selten durchlässig ist für neue Gesichter.