Beiträge von nicnamejue

    Da die Berichte über Missbrauch und Missstände am Olympiastützpunkt Stuttgart mittlerweile von einer erschreckenden Anzahl ehemaliger Turnerinnen erhoben wird, hier der aktuelle Stand:

    https://www.swr.de/sport/mehr-spo…en-dtb-104.html

    Nun gibt es auch von Elisabeth Seitz eine Stellungnahme und damit, wenn ich das richtig sehe, das erste Mal von einer noch aktiven Sportlerin:

    Die Aussagen, Vorwürfe und Beschuldigungen, die man in den letzten Tagen lesen musste, würde man leider nicht zum ersten Mal hören, schrieb Ex-Europameistern Seitz. "Früher dachte ich, das sei normal. Heute kann ich sagen: Es ist nicht normal. Es muss sich etwas ändern, um endlich ein gesundes Umfeld für alle zu schaffen", forderte sie.

    Erfolg sei nur dann wirklich einer, wenn er auf die richtige Art und Weise erzielt werde. "Obwohl ich auch die guten Seiten kenne, bin ich der Meinung: Es muss sich für die Zukunft im deutschen Frauenturnen etwas ändern!", erklärte die Stufenbarren-Spezialistin.

    Welcher Status Quo? Der, der seit Jahren ganz eindeutig aufzeigt, dass der DHB endlich aus dem Quark kommen muss, um bessere Spielerinnen auszubilden? Die zwölf Vereine, die in der ersten Liga spielen, bilden am Ende mit ihren im eigenen Nachwuchs ausgebildeten Spielerinnen nicht die Basis, um eine hochwertige Bundesliga zu ermöglichen. Das muss in der Breite und auch über die geplanten (und seit nun einigen Jahren nach wie vor nicht umgesetzten) Leistungszentren des DHB passieren. Aber da will ich an der Stelle gar nicht weiter in die Tiefe gehen, denn der Verband hat hier mindestens mal zwei Jahre einfach nichts getan und die Zeit verschenkt.

    Gute, junge Spielerinnen bekommen wir in Deutschland nicht, wenn wir die Gelder bei Themen wie der Halle oder dem einheitlichen Spielfeld oder elektronischen Banden sparen, um sie dann einfach nur in den Kader zu stecken und teuere Spielerinnen aus dem Ausland zu verpflichten. Das ist nämlich der Fall. Die Vereine wollen sportlich maximal erfolgreich sein. Es sehen anscheinend aber nur sehr wenige Leute, dass man ganz dringend in die Vereinsstruktur investieren muss, wenn man dauerhaft erfolgreich sein will. Eine Halle wie in Blomberg reicht dafür auch schon komplett aus, mehr braucht man gar nicht.

    Aber man sieht es hier in Dortmund, wo ja erst vor drei Jahren eine Meisterschaft gewonnen wurde. Es geht aus den unterschiedlichsten Gründen nicht vorwärts. Vereine spielen oft in alten Schulturnhallen oder Hallen, die weit weg sind von dem, was benötigt wird, um den Frauenhandball in der Bundesliga dann auch auf Dauer entsprechend zu entwickeln. Es sollte keine Genehmigungen mehr geben, die Ausnahmen ermöglichen. In was für einer Halle beispielsweise der BHC in der zweiten Liga spielen darf, ist jenseits von Gut und Böse. Daher sollten alle Vereine dringend in ihre Strukturen investieren. Jetzt wird wahrscheinlich wieder das Argument mit dem Geld kommen. Das ist mir am Ende aber zu einfach. Auch die Kommunen sind hier gefordert. In "Dörfern" wie Blomberg oder Bad Langensalza ging es ja schließlich auch.

    ich unterschreibe dir jeden Absatz und bin voll und ganz bei dir. Das sind genau die Themen, die ich mit "Status quo halten" gemeint habe, wobei "Hausaufgaben machen" vielleicht die bessere Umschreibung ist. Dass es die Vereine, HBF und DHB nicht schaffen, diese Themen anzugehen, finde ich extrem bedauerlich.

    Mein Verdacht ist, dass sich die HBF und die Vereine mit neuen schicken Plänen von den wesentlichen Dingen zu gerne ablenken lassen. Man investiert viel Zeit und Geld in den Fassadenanstrich eines maroden Gebäudes, statt erst mal das Dach zu decken. Kurzfristig schön, mittelfristig nutzlos.

    Das Thema Fuhr wird ausgehen, wie das Hornberger Schießen. Ich wage zu behaupten, dass eine Bestrafung Fuhrs für die betroffenen Sportlerinnen auch nicht das primäre Ziel ist. Ich bin auch der Meinung, dass er durch ein faktisches Berufsverbot gestraft genug ist, wenn man das im Verhältnis zu anderen Straftaten und deren Ahndung sieht.

    Vielmehr geht es darum, zu erkennen, welche strukturellen Bedingungen dazu führen, dass Missbrauch stattfinden kann und diese zu beseitigen. Darum ist m.E. auch der Blick auf andere Sportarten wichtig, die schon ausgereiftere Präventionskonzepte haben, als der Handball. Die Gefahr liegt darin, dass Papier sehr geduldig ist. Die Umsetzung ist das Problem. Und bei den dabei erforderlichen Maßnahmen liegt eine große Herausforderung darin, das so zu tun, dass die Trainer sich nicht unter Generalverdacht gestellt sehen. Wenn die Trainer nicht positiv mitwirken, ist die Sache schon gescheitert, bevor sie angefangen hat.

    Das nennt sich Professionalisierung und ist dauerhaft der einzig richtige Schritt, damit sich die HBF nach vorne entwickelt.

    Dieses Argument ist mir schon bewusst, Ich bin mir nur nicht sicher, ob die HBF sich damit nicht übernimmt. Wenn man sieht, vor welche Probleme die Vereine durch diese Auflagen gestellt wurden und wenn zeitgleich sportlicher Qualitätsverlust hier fast täglich moniert wird, frage ich mich, ob die Energie auf die richtigen Themen verwandt wird, oder ob es nicht besser erst einmal darum gehen sollte, den Status quo zu halten?