Hm, also ich fand die Folge insgesamt eher provokant und ziemlich negativ gegenüber dem Handball. André Voigt hat dabei deutlich gemacht, dass er vom aktuellen Handball offenbar kaum Ahnung hat. Seine Aussage, Handball habe keine Dynamik und es gäbe nur ein Hin- und Hergespiele um den Kreis, sollte er dringend mal „aktualisieren“.
Das Bashing gegen den DHB hat er zwar dahingehend relativiert, dass er beim DBB ähnliche Kritik übt – aber wirklich überzeugend war das nicht.
Seine Einschätzung, die BBL stehe strukturell besser da, erklärt sich vermutlich dadurch, dass er seit Jahren nur in seiner Basketball-Bubble lebt und kaum über den Tellerrand schaut.
Eurer Einschätzung, Basketball sei am Handball vorbeigezogen, kann ich jedenfalls nicht zustimmen. Das mag temporär zutreffen – vielleicht für ein, zwei Wochen rund um das EM-Finale – aber strukturell ist der Handball weiterhin besser aufgestellt. Insbesondere in der Jugendarbeit sehe ich klare Vorteile. Allein schon durch die Quantität an an mehr Jugendspieler im Handball.
Allerdings geht auch im Handball enorm viel Potenzial verloren: Für viele Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund ist die Sportart schlicht nicht attraktiv genug. Hier wird nach wie vor zu wenig getan, und damit gehen unzählige Talente verloren.
Auch auf Profi-Ebene sehe ich Handball in Deutschland vorne. Zum Vergleich: Das Basketball-Finale haben nur 3,89 Mio Menschen gesehen – im Handball wäre das eine enttäuschende Quote. Das Finale der Handball-EM 2016 verfolgten dagegen rund 13 Mio Zuschauer.
Also was bleibt aus dem Interview: Was kann der Handball vom Basketball lernen?
Das ist aus meiner Sicht schwierig. Basketball lebt im Wesentlichen von der Entwicklungshilfe aus den USA. Für nachhaltigen Erfolg braucht es starke Nationalmannschaften – und die wiederum entstehen nur durch gute Jugendarbeit und eine gezielte Heranführung an den Profisport. Im Handball wird daran ebenfalls intensiv gearbeitet, aber es gibt noch Luft nach oben.
Fazit:
Neben der Jugendarbeit ist vor allem die Öffentlichkeitsarbeit entscheidend. Die Bundesligisten müssen ihre Hallen füllen, mehr Sichtbarkeit in den Medien schaffen und neue Zielgruppen ansprechen. Nur so kann der Handball verhindern, von Sportarten mit deutlich mehr finanziellen Mitteln verdrängt zu werden.