Die Allensbacher machen einen etwas geschockten Eindruck, in der Presse mehr als am Samstag in der Halle
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SV Allensbach mit Fehlstart in die Relegation
Die Handballerinnen des SV Allensbach haben den Auftakt zur Relegation für die eingleisige 2. Bundesliga verpatzt. Am Samstagabend verlor der Zweitliga-Achte beim Meister der 3. Liga Süd, TSG Ketsch, unerwartet hoch mit 26:31 (13:13).
Von Beginn an war kein Klassenunterschied zu merken zwischen den Gastgeberinnen, die nach dem Abstieg im vorigen Sommer wieder um die Zweitklassigkeit kämpfen, und den Gästen vom Bodensee, die sich gegen den ersten Abstieg seit 1989 stemmen. Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase setzten sich die in der Defensive aggressiven Ketscherinnen in ihren feuerroten Trikots Tor um Tor ab, so dass das Allensbacher Trainerinnen-Gespann Jenny Wiedenmaier und Sonja Pannach bereits nach elf Minuten eine Auszeit nehmen musste. Die „Zweitliga-Härte“, die die beiden im Vorfeld gefordert hatten, zeigte allerdings nicht der harmlose SVA in Himmelblau, sondern die Gastgeberinnen, in deren Abwehr es kaum ein Durchkommen gab. Ein erster Tiefpunkt war aus Allensbacher Sicht erreicht, als es Mitte der ersten Hälfte 8:3 stand.
Dann jedoch hatte sich die Mannschaft vom Bodensee gefangen. Die eigene Defensive stand nun besser, Allensbach holte auf, glich aus und führte drei Minuten vor der Pause selbst mit 13:11. Zwei leichtfertige Ballverluste ermöglichten Ketsch anschließend aber wieder den Ausgleich, so dass es zur Halbzeit 13:13 stand. Einmal führte Allensbach noch beim Stand von 15:16, doch was sich anschließend auf dem Parkett der Neurotthalle abspielte, war nur schwer nachzuvollziehen. Der Zweitligist rannte dem klassentieferen Gegner hinterher und fand keine Antwort auf das Ketscher Tempospiel.
Vor allem das Duell zwischen den Pfosten ging klar an die TSG, deren Torhüterinnen einen Wurf nach dem anderen entschärften, während Allensbachs Hintermannschaft reihenweise vermeidbare Gegentore von der immer gefährlichen Theresa Köhler auf Rechtsaußen kassierte. Die Gästeauszeit beim Stand von 26:21 (49.) verfehlte ihre Wirkung nicht – nach dem 26:23 gingen dann aber alle Lichter aus. Statt sich gegen die Niederlage zu wehren, ergab der SVA sich in sein Schicksal – wo doch in diesem Duell jedes einzelne Tor entscheiden kann. So endete das Spiel mit 31:26, und die Chancen des SV Allensbach auf den Klassenerhalt sind auf ein Minimum geschrumpft. Es bräuchte schon ein kleines Wunder, um diese Hypothek im Rückspiel am kommenden Samstag zu tilgen. Wohl eher wird der TSG-Fanclub Ultra-Bären jubeln, der zwei Transparente geschrieben hatte: „Unsere Herzen habt ihr schon“, stand auf dem einen, und auf dem anderen: „Jetzt holt euch noch den Aufstieg.“
Ein grausamer Alptraum, „einfach nur frustrierend“
Pure Fassungslosigkeit beim SV Allensbach nach der Niederlage gegen Ketsch. Jetzt muss ein hoher Sieg im Rückspiel her.
Ihre kämpferischste Phase kam leider etwas zu spät: Die Allensbacher Spielerinnen machten direkt nach dem Abpfiff einen Kreis und schworen sich lautstark und gemeinsam auf das Rückspiel gegen die TSG Ketsch am kommenden Samstag ein. Das Problem dabei: Das Hinspiel hatten sie soeben mit 26:31 verloren. So dicht vor dem Abgrund stand der SV Allensbach noch nie in seinen fast 22 Jahren 2. Bundesliga.
Trainerin Sonja Pannach verbarg das Gesicht in den Händen, ihre Kollegin Jenny Wiedenmaier starrte an ihrem Team vorbei, als sie sich einen Schluck Wasser gönnte. „Grausam“, sagte Wiedenmaier später, „das ist der Super-Gau.“ Mit großen Erwartungen war der Tabellenachte der 2. Bundesliga Süd ins Relegations-Hinspiel beim Meister der 3. Liga Süd gegangen. Und jetzt dieser „Alptraum“, wie Pannach die klare Auswärtspleite nannte.
„Ich habe gar keine Erklärung für das. Ich bin völlig neben mir, das muss ich erstmal verdauen“, stammelte Allensbachs Kreisläuferin Babsi Harter. „Wir haben vier Wochen hart trainiert und uns auf dieses Spiel vorbereitet, und dann kriegst du es an dem Tag nicht hin. Das tut weh und ist frustrierend“, fuhr die 29-Jährige fort.
In der Tat gab es mehr als eine Ursache für die Fünf-Tore-Niederlage. „Am Anfang hat man gemerkt, dass wir lange nicht mehr zusammen gespielt haben“, sagte Jenny Wiedenmaier, deren Mannschaft im Gegensatz zu Ketsch bereits vor vier Wochen die Punkterunde beendet hatte. Und je länger das Spiel dauerte, je länger der SV Allensbach die Wende nicht schaffte, desto mehr habe sich Ketsch „in einen Rausch gespielt“.
Mit der Euphorie der Drittliga-Meisterschaft im Rücken waren die Ketscherinnen in der Tat klar besser. „Sie haben alle unsere Schwächen gnadenlos ausgenutzt“, sagte der Allensbacher Manager Manfred Lüttin, der seinem Team keinen Vorwurf machen wollte: „Ich bin zwar enttäuscht, aber nur über das Ergebnis. Die Mannschaft hat ordentlich gespielt.“
Gut, die Defensive einmal ausgenommen. „Wir haben zu viele Tore kassiert“, sagte Trainerin Pannach und Trainerin Wiedenmaier ergänzte: „Wir hatten sicherlich schon bessere Torhüter-Leistungen.“ Und bis auf die Offensive, die sich zu viele leichte Fehler leistete. „Wir haben uns das Tempo von Ketsch aufdrücken lassen“, analysierte Wiedenmaier. „Vorne haben wir wie mit angezogener Handbremse gespielt. Das war nicht befreit, nicht wach. Und dann sind wir mit dem Druck nicht klar gekommen, als es nicht so lief“, sagte Pannach. Schließlich habe der SV Allensbach das Spiel „im Schockzustand“ zu Ende gebracht.
Und dann waren da ja noch die Unparteiischen. „Ich will es mir nicht einfach machen und sagen, die Schiedsrichter waren nicht gut“, sagte Manager Lüttin, „aber dieser Auftakt mit drei Siebenmetern in Serie für Ketsch binnen vier Minuten, das ist schon grenzwertig für ein Bundesliga-Gespann.“ Insgesamt bekam Ketsch neun Strafwürfe zugesprochen, Allensbach nur fünf.
Das alles spielt aber keine Rolle mehr, wenn am kommenden Samstag das Rückspiel angepfiffen wird. Der SV Allensbach muss zuhause mit mindestens fünf Treffern Unterschied gewinnen, wenn Ketsch mehr als 26 Tore erzielt, sogar mit sechs, um die Qualifikation zur neuen eingleisigen 2. Bundesliga zu schaffen. Eine schwere Aufgabe, doch die Allensbacherinnen geben sich kämpferisch. „Wir sind daheim und da haben wir schon ganz anderes geschafft“, sagt Kreisläuferin Harter. „Es wird schwer, aber wir haben noch eine Chance“, fügt Trainerin Wiedenmaier hinzu. Sie hat auch die schlüssigste Erklärung, warum es vielleicht doch noch klappen könnte: „Wenn wir am Limit gespielt hätten, wäre das was anderes, aber heute hat man gesehen, dass noch Luft nach oben ist.“ Viel Luft.
Stimmen zum Spiel in Ketsch
Stefan Hansert (Fan): „Eigentlich wollten wir hier nicht verlieren. Jetzt wird es schwer, aber wir können das noch schaffen.
Wenn wir nicht gewinnen, haben wir es auch nicht verdient.“
Robert Wollny (Hallensprecher): „Ich habe einen deutlichen Sieg erwartet. Chancen sind zwar noch vorhanden, aber mit sechs Toren gegen eine solche kämpferische Mannschaft zu gewinnen, wird sehr schwer. Die Fans waren toll, die Stimmung war toll. Auf der Heimfahrt ist die Stimmung sicherlich bedrückt.“
Daniel Spagnut (Fan): „Ich bin sehr enttäuscht. Aber ich werde nächste Woche wieder dabei sein. Sechs Tore werden aber schwierig. Meiner Meinung nach war der Torwart zu schwach.“
Renate Hog (Fan): „Jetzt gewinnen wir sicher nächste Woche. Beim Heimspiel haut das hin.“
Renate Grunwald (Fan): „Wir gewinnen sogar mit sieben Toren. Eins muss man sagen: Die Fans haben alles gegeben.“
Martin Greinert (Fan): „Die Niederlage war eigentlich unerwartet. Das Problem war, dass wir unsere kleinen Erfolgserlebnisse nicht geholt haben. Mal einen Siebenmeter halten oder mal ein glückliches Tor machen. Sechs Tore aufzuholen wird jetzt sicherlich schwierig.“
Manfred Lüttin (Manager): „Wenn wir jetzt noch Chancen haben wollen, muss im Rückspiel alles klappen. Vielleicht kann es ja noch wichtig werden, dass wir auswärts 26 Tore gemacht haben.“ (md)