Aufsteiger sucht nach Alternativen Planspiele beim Bundesliga-Neuling
Handballprofessor Dr. Brack liebt die drei schwäbischen Attribute Sparsamkeit, Fleiß und Bescheidenheit. Gerade diese Merkmale sind für den Balinger Neu-Bundesligisten charakteristisch.
Balingen, 31.07.2006
Für den HBW beginnt am 26. August der "Überlebenskampf", wie es die beiden Balinger Verantwortlichen Dr. Rolf Brack und Günther Kirschbaum mit viel Pathos umschreiben. Mit dem kleinsten Etat aller 18 Erstligisten, (noch) ohne eigene Halle und einem Kader ohne internationale Stars wollen die Schwaben in der stärksten Liga der Welt bestehen. Der Sportwissenschaftler aus Ostfildern setzt auf akribisches Arbeiten im Training, einen breit aufgestellten Kader und Teamgeist - der Manager aus Albstadt auf "Längenfeld-Atmosphäre" in der TÜ-Arena.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat auch der Kartenverkauf beim Neu-Bundesligisten deutlich angezogen - über 600 Dauerkarten wurden bislang abgesetzt. "Das freut uns sehr", sagt Kirschbaum, der Ende vergangene Woche eine weitere Formalie geklärt hat. Nach der mündlichen Zusage von Linkshänder Alexander Trost, der vom insolventen VfL Pfullingen-Stuttgart zum Aufsteiger wechselt, liegt nun auch das schriftliche Einverständnis des Rechtsaußen vor. "Wir sind froh, einen weiteren Erstliga erfahrenen Spieler im Kader zu haben", betont der HBW-Manager, der trotz der erneuten Verletzung von Regisseur Alexander Job (wir berichteten), optimistisch in die Saison geht.
"Die Mannschaft arbeitet hervorragend", sagt der Albstädter, welcher eine "sehr gute Stimmung" im Team ausmacht. Auch die Neuzugänge Milan Kosanovic (Stavanger) und Aleksandar Stanojevic (Belgrad) seien hochzufrieden, verrät Kirschbaum, "und sind bereits voll integriert." Um die Kommunikation auf dem Platz zu verbessern, haben sie bereits mit einem Deutsch-Kurs begonnen. Der Stanojevic-Spielberater, welcher vor kurzem seinen Schützling besuchte, weiß ebenso um die Vorteile des Balinger Bundesligisten: "Dort werden die Abmachungen eingehalten."
Für seine Fans versucht der HBW, die Anfahrt zu den Spielen nach Tübingen zu optimieren. Nachdem der Bus-Transfer mit dem Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau aus Kostengründen nicht zu realisieren war, zieht Balingen-Weilstetten mehrere Alternativen in Erwägung. Denkbar sei ein Shuttle-Service in Verbindung mit einer gültigen Eintrittskarte, verrät Kirschbaum. Der Balinger Manager ergänzt: "Das Denkmodell sieht vor, dass wir pro Heimspiel - je nach Voranmeldung - mehrere Busse anmieten und in Eigenregie den Transfer in die Tübinger Großsporthalle abwickeln." Bis zum Saisonstart will Kirschbaum "eine endgültige Lösung" präsentieren. Das erste Heimspiel ansolviert der HBW Balingen-Weilstetten am Mittwoch, 30. August, in der TÜ-Arena. Gegner ist die HSG Nordhorn.
Kein alibimäßiges Jammern - Bundesligist Balingen-Weilstetten mit Sorgen: Lange Pause für HBW-Spielmacher Job
Mit dem kleinsten Etat, ohne eigene Halle und spektakulären Neuverpflichtungen will der HBW in Liga eins bestehen. "Das ist die schwerste Aufgabe, die ich je hatte", betont Erfolgstrainer Brack.
Balingen, 02.08.2006
Viermal ist Rolf Brack in Liga eins aufgestiegen. Der Sportwissenschaftler der Universität Stuttgart definiert sich jedoch nur ungern über das Tableau. "Wir müssen in zehn Saisonspielen über uns hinauswachsen", erklärt der 52-Jährige, legt die Stirn in Falten und fügt an: "Wir werden unseren Weg mit jungen Talenten unbeirrt weitergehen - und auch in der ersten Liga Highspeed-Handball mit Herz zeigen." Der Balinger Coach will weg von der 08/15-Spielweise, setzt auf innovative Trainingsformen und "taktische Perfektion".
Daran arbeitet Brack seit Mitte Juli - hat sechs Neuzugänge in die Mannschaft zu integrieren und einige Leistungsträger zu ersetzen. Doch der Handball-Professor stellt sich der Herausforderung und verzichtet "auf alibimäßiges Jammern", wie er süffisant anmerkt. Dabei ist der zentrale Rückraum nach der erneuten Verletzung von Alexander Job, welcher bis zum Spiel gegen Minden auszufallen droht, und der "Nichtanwesenheit von Martin Strobel" (O-Ton Brack) verwaist. "Sehr kritisch", bezeichnet der Balinger Coach die Situation, "nichts ist schwieriger als einen Mittelmann zu integrieren." Diese Rolle übernehmen nun Sascha Ilitsch, der Shooting Star der Vorbereitung, und Neuzugang Christoph Schindler. "Sascha kennt unsere Spielphilosophie", erklärt Brack und bemüht den Konjunktiv: "Ilitsch wäre bei einem morgigen Saisonstart in der Startsieben."
Am heutigen Mittwoch beginnt für den Neu-Bundesligisten jedoch nicht die Runde, sondern ein mehrtägiges Trainingslager im Schwarzwald. "Wir werden täglich zweimal in der Halle trainieren. Hinzu kommen Einheiten im Kraftraum und läuferischen Bereich an der frischen Luft", verrät Brack, ehe am Wochenende der S-Cup in Altensteig gespielt wird (siehe auch "Hamburg favorisiert"). Während Regisseur Job aufgrund seiner Sprunggelenksverletzung fehlt, wurden Martin Strobel und Jürgen Müller für die U 20-Europameisterschaften nominiert und sind bereits gestern zur DHB-Auswahl gereist. Während die beiden Spielgestalter nicht zu ersetzen sind, kann sich Neuzugang Milan Kosanovic zwischen den Pfosten erneut beweisen. In den ersten drei Wochen der Vorbereitung hat sich Milòs Slaby als klare Nummer eins des Aufsteigers herauskristallisiert. Auf Augenhöhe seien die beiden anderen Torhüter, sagt Brack, "die Nummern 2a und 2b."
Auch auf der rechten Seite habe sich in den ersten Wochen der Vorbereitung eine "klare Hierarchie" gebildet. Die Einsatzzeiten auf Rechtsaußen werden sich zunächst Alexander Trost und Aleksandar Stanojevic teilen. Erst im weiteren Saisonverlauf soll der Serbe verstärkt auf der rechten Halbposition eingesetzt werden. "Martin Strobel und Stanojevic haben bislang einmal gemeinsam trainiert. Da kommt die Halbposition zu früh", erklärt Brack, der nicht ausschließen will, "dass fünf Linkshänder im Kader stehen." Hinzu kommen die arrivierten Akteure aus der Meistermannschaft - da sind nicht mehr viele Plätze zu vergeben. "Die Neuen müssen in der Vorbereitung erkennen lassen, dass sie an die etablierten Spieler herankommen", fordert Brack. Der HBW Balingen-Weilstetten absolviert am 26. August in Göppingen sein erstes Punktspiel der Saison 2006/07. Anpfiff in der Hohenstaufenhalle ist um 19.30 Uhr.
beide ZAK