Beiträge von pko

    HSV ist mit Einspruch gescheitert - und meldet Team ab

    HANDBALL: Verbandssportgericht weist Protest zurück / Keine Mannschaft für die Landesliga / Auch Frauen abgemeldet

    Von unseren Redaktionsmitgliedern Steffi Lang und Andreas Lin

    Der Einspruch des HSV Hockenheim gegen den Bescheid des Vizepräsidenten Recht des Badischen Handballverbandes (BHV) wird als unbegründet zurückgewiesen. So lautete das erstinstanzliche Urteil des Verbandssportgerichts des BHV unter dem Vorsitz von Jürgen Brachmann, das den beteiligten Vereinen am Samstag zuging. Somit wurde das zweite Entscheidungsspiel um den Verbleib beziehungsweise Aufstieg in die Handball-Badenliga seinem Ausgang entsprechend mit 21:19 für die SG Leutershausen gewertet, weshalb der HSV in die Landesliga absteigen musste.
    Gestern gab der HSV in einer Pressemitteilung bekannt, dass sich die Abteilungsleitung außerstande sah, ein Landesliga-Team zu melden, da Vereinbarungen des HSV mit einem Großteil der Mannschaft nur für die Badenliga geschlossen werden konnten. Die Hockenheimer haben deshalb rechtzeitig vor dem Staffeltag ihre Mannschaft abgemeldet.

    Einige schlaflose Nächte hat Hans-Georg Teufel hinter sich. Denn die Situation bei den Hockenheimer HSV-Handballern hat den Abteilungsleiter schwer beschäftigt. Zuerst die wenig zufrieden stellende Runde in der Badenliga, dann die verlorenen Relegationsspiele gegen Leutershausen II mit dem nachfolgenden Einspruch wegen der Schiedsrichter in der zweiten Partie. Und schließlich der abgeschmetterte Protest, der nun zur Folge hat, dass die 1. Herrenmannschaft vom Spielbetrieb in der Landesliga abgemeldet wurde.

    Die beiden Einsprüche

    Zur Erinnerung: Der HSV hatte mit Schreiben vom 13. Mai Einspruch gegen die Wertung des zweiten Entscheidungsspiels erhoben und forderte eine Spielneuansetzung. Dabei bezog sich Hockenheim darauf, dass zum Spiel keine Schiedsrichter erschienen und nach 25 Minuten Wartezeit Wolfgang Schwan (SG Leutershausen) und Uli Schuler (TV Friedrichsfeld) die Begegnung leiteten, ohne zuvor das Einverständnis des HSV eingeholt zu haben. Vor dem Spiel sei der HSV lediglich sinngemäß darüber informiert worden, dass das Spiel von Walter/Schuler geleitet würde.

    Da aber Schiedsrichter Schwan Mitglied der SGL sei und auch für die Bergsträßer pfeife, sei die Neutralität in diesem für Hockenheim so wichtigen Spiel nicht gewahrt gewesen. Zudem fügte der HSV weiter an, dass beide Schiedsrichter nicht dem A- und B-Kader des BHV angehören.

    Mit Schreiben vom 23. Mai wurden vom Vizepräsident Recht die Einwendungen des HSV gegen die Wertung des zweiten Entscheidungsspiels zurückgewiesen (wir berichteten). Mit dem Schreiben vom 31. Mai legte der HSV Einspruch gegen den Bescheid ein und beantragte, das Entscheidungsspiel neu anzusetzen. In der Begründung gab der HSV an, dass die Vereinsverantwortlichen darüber informiert wurden, dass das Spiel vom Gespann Schuler/Walter geleitet werde. Hiergegen habe man keine Einwendungen erhoben. Als der Anpfiff ertönte, wären allerdings Schwan/Schuler eingelaufen und hätten das Spiel geleitet. Hierzu wäre das Einverständnis des HSV nicht eingeholt worden.

    Es käme weiterhin hinzu, dass Schwan Mitglied der SGL sei und damit von Anfang an nach den Grundsätzen der Fairness unter allen Umständen gehindert war, als Schiedsrichter mitzuleiten und den HSV-Verantwortlichen nicht bekannt war, dass Schwan Mitglied der SGL ist. Diese Information hätte man erst nach dem Spiel erhalten. Unabhängig davon, dass eine Einigung über die Spielleitung der Schiedsrichter Schuler/Schwan nicht erfolgt sei, sei auch die behauptete, aber tatsächlich nicht gegebene Einigung entgegen der Sportordnung des DHB notwendige Eintragung vor dem Spiel im Spielberichtsbogen unterblieben.

    Das Urteil

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    Kommentar

    Das Verbandssportgericht stellte in seinem Urteil fest, dass das Entscheidungsspiel trotz der vorliegenden besonderen Umstände ausgetragen wurde. Der Verein HSV habe im gesamten Verfahren zu keiner Zeit - auch nicht andeutungsweise - Gründe vorgetragen, die auf eine Benachteiligung des Vereins HSV Hockenheim durch Spielleitung durch die Schiedsrichter Schuler/Schwan, insbesondere durch Schiedsrichter Schwan, schließen lasse. Diesbezüglich fänden sich weder im Spielprotokoll, noch im Schreiben vom 13. Mai und auch nicht in der Einspruchsschrift vom 31. Mai irgendwelche Hinweise. Das Verbandssportgericht gehe daher davon aus, dass das zweite Entscheidungsspiel von den Schiedsrichtern Schuler/Schwan ohne jegliche Beanstandungen entsprechend dem Regelwerk geleitet wurde.

    Die behauptete Verletzung von Formvorschriften der Sportordnung-DHB allein reiche in keinem Falle aus, ein ausgetragenes Spiel neu anzusetzen. Das Verbandssportgericht trete der Argumentation des Vizepräsidenten Recht bei, dass eine Einigung der beteiligten Mannschaften - insbesondere des Vereins HSV Hockenheim - durch das Antreten und die Aufnahme des Spiels wirksam erklärt wurde. Das Verbandssportgericht könne auf Grund des gesamten Verhaltens der Schiedsrichter - insbesondere des Schiedsrichters Schwan - nicht erkennen, dass der HSV von welcher Seite auch immer genötigt oder gar gezwungen wurde, das Spiel auszutragen.

    Keine Spieler für Landesliga

    "Das tut schon sehr weh", sagte Teufel gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Es sei dem HSV aber keine andere Möglichkeit geblieben. "Nur wenn wir in der Badenliga geblieben wären, hätten wir eine Mannschaft gehabt", erklärte der Abteilungsleiter. Nachdem einige Akteure (Wittemund, Adler, Zöller) ihren Wechsel schon vor längerem bekannt gegeben hatten, kamen jetzt nach dem abgewiesenen Einspruch weitere Absagen.

    Nur ein Spieler, Steffen Christ, hatte für die Landesliga zugesagt, dazu Haris Halilovic, der als Trainer wieder an seine alte Wirkungsstätte zurückkehren sollte. Sonst wollte niemand aus dieser Mannschaft, die den Abstieg aus der Badenliga sportlich zu verantworten hatte, in der Landesliga spielen. Finanzielle Kopfstände, die nötig gewesen wären, um die Leute eventuell zu halten, wollte der Verein auf keinen Fall machen. Und kurzfristig so viele Neuzugänge an Land zu ziehen, war schlichtweg unmöglich. Somit meldete Hans-Georg Teufel nach Rücksprache mit dem Gesamtvorstand die Mannschaft ab.

    Damit steht der HSV als erster Absteiger fest. Die neue erste Männermannschaft spielt in der neuen Runde unter Spielertrainer Bruno Rausch in der Kreisklasse B - mit dem bisherigen Ib-Kader, mit Steffen Christ und vielleicht noch dem einen oder anderen Neuzugang.

    Auch Frauen abgemeldet

    "Das ist ein grundlegender Neuaufbau der Handball-Abteilung und das ist auch der Wille des Vereins", betont Hans-Georg Teufel, der aber noch eine zweite Negativnachricht zu schultern hat. Denn auch die Damenmannschaft des HSV musste aus der Landesliga abgemeldet werden. Nachdem einige Spielerinnen in die neue "Alte Damen"-Mannschaft überwechselten, waren schon nicht mehr genug Akteurinnen vorhanden, zumal sich einige mit dem Gedanken trugen, zur HG Oftersheim/Schwetzingen zu gehen. Dorthin haben sich jetzt eine ganze Reihe aus dem Hockenheimer Team verabschiedet: Neben den Rückkehrerinnen Rosi Pumple und Verena Sanns auch Simone Hoffmann und Torhüterin Babs Schmidt - und wohl noch einige weitere.

    © Schwetzinger Zeitung - 22.06.2005

    HSV der Verlierer

    Kommentar von Steffi Lang

    Der HSV Hockenheim ist auch mit seinem zweiten Einspruch gegen die Wertung des verlorenen zweiten Entscheidungsspiels um den Verbleib in der Handball-Badenliga gescheitert und hat nun seine Mannschaft aus der Landesliga zurückgezogen. Die HSV-Männermannschaft, nicht nur zu Regionalligazeiten eine feste Größe im badischen Handball, wird auf der Karte der Vereine in den BHV-Spielklassen verschwinden und nur noch im Handballkreis Mannheim in der Kreisklasse B geführt sein. Auch die Damenmannschaft existiert nicht mehr. Der Handball in Hockenheim ist zweifelsohne am absoluten Tiefpunkt angelangt.

    Der Sturzflug hatte mit den finanziellen Problemen und dem Abstieg aus der Regionalliga begonnen und endet vorerst mit dem Fall in die zweitniedrigste Klasse. Ein Ende der Talfahrt ist nicht abzusehen, ein Aufschwung ist vorerst nicht in Sicht. Das ist die Realität, der die Verantwortlichen jetzt ins Auge blicken müssen. Spätestens jetzt ist Schluss mit Schönreden. Jetzt zählen nicht mehr nur die Worte, sondern Taten. Und die müssen schnell folgen, sonst sind die Lichter bei den HSV-Handballern ganz schnell ganz aus.

    Das letzte blaue Auge haben sich die Rennstädter bei ihrem Einspruch geholt, nachdem der sportliche K.o. schon längst kassiert worden war. Nicht wenige Handballinsider und neutrale Beobachter der Einspruch-Geschehnisse sagten, dass die Rennstädter damit den Bogen endgültig überspannt hätten. Auf der einen Seite ist ein gewisser Frust über eine sportliche Talfahrt verständlich und auch nachzuvollziehen, doch die Hockenheimer Hartnäckigkeit in Sachen Einspruch ließ vermuten, dass der HSV mit allen rechtlichen Mitteln am Strohhalm Badenliga festhalten wollte. Dieser war aber sportlich schon lange außer Reichweite.

    Es bleibt zu hoffen, dass die HSV-Verantwortlichen ihre Lehren aus der Misere ziehen, denn der Zustand ist sehr ernst. Beim Neuanfang zählen vernünftige, solide und langfristige Konzepte, um Hockenheim über kurz oder lang wieder in die höheren Aktiven-Klassen zu bringen. In Zeiten leerer Kassen muss vor allem auf die eigene Jugend gesetzt werden. Beim Weg aus dem Tal wünschen alle Handballinteressierten dem HSV Hockenheim sicher einen guten Orientierungssinn und Weitblick, denn es ist ein steiniger und steiler Weg.

    Ohne Zweifel ist der HSV der große Verlierer des Rechtsstreits, obwohl er voll auf Sieg gesetzt hatte - und endgültig alles verloren hat. Zweifelsohne war es aber auch eine denkbar ungünstige Konstellation für ein entscheidendes Spiel, aufgrund derer der Mann in Schwarz von der SG Leutershausen der Stein des Anstoßes war. Der Referee hätte in einer ruhigen Minute vor dem Spiel besser daran getan, seine Entscheidung, ob er pfeift oder nicht, noch einmal reiflich zu überdenken. Weniger ist manchmal eben mehr. Ein herber Beigeschmack bleibt für alle Beteiligten. Und das auch aufgrund der Tatsache, weil die Mitteilung über die Spielansetzung an den Schiedsrichter-Einteiler per Fax erst gar nicht bei diesem ankam.

    © Schwetzinger Zeitung - 22.06.2005

    Wenn TUSEM als Gesamtverein, ein "e.V." die Lizenz beantrag hat, stehen die Füxxe nicht mehr alleine da. Aber wie mehrmals erwähnt, auch andere Clubs mussten die Unterlagen ihrer Träger-/Stammvereien einreichen.

    Für Trollinger und Marsy: Das heißt immer noch Badenser.
    Und Oslo: Ich kenne da einen Handballfreak in Deutschlands Westen, der würde sich über einen Hamsterbau kringelig lachen.
    Ansonsten musst Du dich wohl durch die HBL-Statuten in der Geschäftsstelle wühlen, die git es nicht online, trotz intensiver Suche.
    Nächste Woche habe ich vielleicht Einblick, dann bekommst Du bescheid.

    Nun mal etwas polemisch, aber vielleicht ehrlich: Wo steht eigentlich geschrieben, dass ein Verein für die 1. Liga unentbehrlich ist und immer nur die gleichen dort antreten. Sprüche wie "ohne SV XX ist die Liga unvorstellbar", "der Verein ist für den Sport der Stadt XY unverzichtbar", "die Region braucht die Handballer des XZ" und das ewige Beteure über "Traditionsvereine". Ab wann ist ein Club eigentlich ein Traditionsverein. In den zweiten, dritten und vierten Klassen wimmelt es von solchen, die es schon gab, da war z.B. Wallau/Massenheim noch nicht einmal gegründet.
    Es gibt 54 Mannschaften in den drei Bundesligen, rund 100 Regionalligisten etc. Alle träumen davon wieder oder zum erstemal hoch zukommen.
    Fakt ist: Im Sinne unseres Sportverstandes, im Gegensatz zu den amerikanischen Profiunternehmen NBL, NFL usw. und der Deutschen Eishockeyliga, gibt es Absteiger, normalerweise sportliche. Sollten aus anderen Gründen, die gewählten Vertreter der HBL (oder auch bei den Handballfrauen oder im Fußball oder wer weis wo) beschließen, dass Vereine nicht mehr den oberen Ligen angehören sollen, müssen als Widerspruch sachliche Argumente und nicht nur "Fangeheule" wie "das könnt ihr nicht machen", "wir gehören in die erste Liga", .......... kommen.
    Basta - Ich habe fertig

    Schwerin findet Gnade bei HBL

    Gebannt saß die Gemeinde der Handball-Internet-User gestern Morgen vor den Schirmen ihrer Computer. Wer würde zuerst eine Meldung zur zweiten Runde der Lizenzentzüge entdecken? Sechs Vereine hatten im ersten Anlauf die Spielgenehmigung von der Handball-Bundesliga (HBL) verwehrt bekommen.

    Gegen 10.18 Uhr war es soweit. Ein Insider brachte den Namen Schwerin ins Spiel, das mit seinem Einspruch als einziges Gnade vor den Augen des HBL-Vorstandes gefunden hatte. Handball-world.com, ein privater Informationsdienst, bestätigte diese Meldung kurz darauf indirekt. Dabei hat Schwerin eine schwere Saison hinter sich und zuletzt, nicht zuletzt auf Grund der unsicheren finanziellen Erhältnisse, einen großen Aderlass in den Reihen der Spieler und Betreuer zu verzeichnen. Der SV Post Schwerin kann nach HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann die Liga frei wählen. Ob dies, im Falle der wahrscheinlichen Zweitklassigkeit Auswirkungen auf den Süden hat, bleibt abzuwarten. Dann muss erst eine Entscheidung gefällt werden, bezüglich der Einteilung der HSG Niesetal/Staufenberg, die unbedingt in die Südliga rutschen wollen. Hier winkt das attraktive Derby mit der HSG Gensungen/Felsberg. Die Spielpläne für die Staffel mit der heimischen HG Oftersheim/Schwetzingen müssten in diesem Fall neu erstellt werden.

    Die Fälle der anderen fünf Clubs, denen die Lizenz auch im zweiten Anlauf verweigert wurde, werden nun, bei Einspruch, vor dem ständigen Sportgericht verhandelt. Die Verfahren dort können sich nach letzten Aussagen von Bohmann möglicherweise bis Mitte Juli hinziehen. mj

    © Schwetzinger Zeitung - 11.06.2005

    Phunky:
    Ich habe schon an anderer Stelle erwähnt, dass die Füchse nicht so auf ihrer Struktur beharren sollen. Auch wir mussten unsere Stammvereine und deren Abteilungen antreiben, damit rechtzeitg alle Unterlagen vorhanden waren.

    Keine Gnade für Essen und Wallau
    "Lage für alle unzumutbar" / Hoffen auf Ständiges Schiedsgericht

    von Joachim Neußer und Holger Luhmann

    Frankfurt/Main (sid) Keine Gnade für Tusem Essen und die SG
    Wallau-Massenheim: Der Ligaausschuss der Handball-Bundesliga (HBL) hat den beiden Traditionsklubs am Freitag auch in zweiter instanz die Lizenz für die kommende Spielzeit verweigert. Während der SV Post Schwerin vom siebenköpfigen Gremium nachträglich überraschend grünes Licht bekam, bleibt Essen und Wallau nur noch die Hoffnung auf das Ständige Schiedsgericht der Lizenzvereine, das bis Ende Juni über die Einsprüche entscheiden will.
    Bei Tusem Essen, das erst am 7. Mai im Finale gegen den SC Magdeburg den EHF-Pokal gewonnen hatte, reagierte Vereinsboss Klaus Schorn konsterniert. "Die Spieler hängen in der Luft. Die ganze Planung ist ein Zeitfaktor, aber ich werde keine Aussage machen, bevor ich nicht die schriftliche Begründung gelesen habe", erklärte der 70-Jährige dem Sport-Informations-Dienst (sid).
    Tusems sportlicher Leiter Hans-Dieter Schmitz wurde da schon deutlicher: "Ich bin überrascht über die Entscheidung. Die Lage ist für uns alle unzumutbar." Tusem war finanziell in Nöte geraten, nachdem ein Sponsor die vertraglich zugesicherten Gelder in Höhe von 2,77 Millionen Euro nicht gezahlt hatte.
    Der zweimalige Meister SG Wallau-Massenheim, der mit rund 1,4 Millionen Euro verschuldet ist, kündigte wie schon im Vorfeld der Entscheidung den Gang vor ein ordentliches Gericht an, obwohl dies der Lizenzvertrag verbietet. "Wir werden notfalls den ganz harten Weg gehen", erklärte Trainer Martin Schwalb, der im Falle eines Zwangsabstiegs in die dritte Liga wohl zum Erstligisten HSG D/M Wetzlar wechselt.
    Bundestrainer Heiner Brand wollte sich zu der angespannten Situation im Handball-Oberhaus nicht äußern. "Ich warte ab, bis alles spruchreif ist. Dann werde ich dazu etwas sagen", erklärte Brand.
    Während neben Essen und Wallau auch den Zweitligisten SG
    Willstätt-Schutterwald, Reinickendorfer Füchse Berlin und SG Werratal die Lizenz erneut verweigert wurde, hielt sich die Freude in Schwerin trotz der positiven Nachricht in Grenzen. "Man kann uns nicht erst den Kopf abschlagen und ihn dann wieder drauf setzen", meinte der zum 1. Juli scheidende Geschäftsführer Michael Krieter.
    Schwerin kann laut Bundesliga-Geschäftsführer Frank Bohmann selbst
    entscheiden, ob das Schlusslicht der abgelaufenen Saison in der am 4./5. September beginnenden neuen Spielzeit nun doch in Liga eins aufläuft. Würde sich Schwerin für das Oberhaus entscheiden, müsste die erste Liga auf 19 Klubs aufgestockt werden. Doch dazu wird es wohl nicht kommen.
    "Unser Ziel ist die Konsolidierung. Mit den Spielern, die wir jetzt zur
    Verfügung haben, können wir nicht in der ersten Liga spielen", sagte der neue Geschäftsführer und Trainer Norbert Henke.

    Laut sid darf sich Schwerin die Spielklasse nach Bohmann aussuchen.

    Kann mir einer erklären warum die Wahl zwischen 1. und 2. Liga besteht? Ich dachte Nordstaffel wäre vorgesehen. Ist die bundesliga jetzt ein Wunschkonzert. Nein heute steige ich nicht ab, ich spiel oben weiter.

    sorry, in den falschen thread gerutscht

    Toll, die Marke "HBL" besser in Szene zu setzen. Hier geht es um Handballsport, wie auch im Fussball und die Logos sind ja wohl eher sekundär. Ohne Skalndale wäre wohl eher einer wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan. Aber natürlich klingeln jetzt die Kassen, denn alle Vereine müssen sich jetzt mit neuen Stofffetzen neu einkleinden. Die gibt es nämlich nicht für umme und nur bei Ersteller als Monopolist.

    Dank "Ronaldo" auch im Netz beim Endspiel immer auf Ballhöhe

    HANDBALL: Der Aufstieg der Ketscher Bären in die 1. Bundesliga ist auch im Internet und in der Presselandschaft ein Thema

    Von unserem Redaktionsmitglied Steffi Lang

    Ketsch steht seit gestern Kopf, denn die Handballerinnen der TSG haben durch den Erfolg im Rückspiel des Play-off-Finales der Gruppe A den Aufstieg in die 1. Bundesliga geschafft. Rund 300 Fans unterstützten dabei ihre Bären in der mit 3600 Zuschauern rappelvollen Hohenstaufenhalle zu Göppingen vor Ort, waren also über den Spielverlauf bestens informiert.

    Aber auch die daheim Gebliebenen waren auf dem aktuellen Stand. Zwar hatte weder die TSG noch FA einen Liveticker auf den Homepages eingerichtet, doch ein Göppinger Fan alias "Ronaldo" schaffte Abhilfe. Er ließ sich aus der Halle direkt per SMS von zwei FA-Fans mit den aktuellen Spielständen versorgen und stellte diese ins Netz. Unter http://www.evergreen-gp.de und auf https://www.handballecke.de gab es die neuesten Infos, nach 90 Minuten waren bei "Ronaldo" ungefähr 150 Kurzmitteilungen eingetroffen. 625 Zugriffe verzeichnete der Aufstiegsspiel-Thread unter https://www.handballecke.de bis gestern, doch schon Sekunden nach dem Bekanntwerden des Endergebnisses gab es hier die ersten Gratulanten. "Glückwunsch an die TSG Ketsch. Da winkt ja eventuell das eine oder andere Handballevent in der SAP Arena", "Glückwunsch an Ketsch, absolut verdienter Sieg. Ketsch war in allen Mannschaftsteilen besser besetzt" oder "Dieses Spiel war auf jeden Fall eine Riesen-Werbung für den Frauenhandball": So und ähnlich lauteten die Statements zum Triumph der Bären.

    Ähnlich hoch her ging es im Gästebuch der Bären, obwohl die TSG-Verantwortlichen schon unter der Woche mit technischen Problemen auf der Vereinshomepage zu kämpfen hatten. Schon am Sonntag kurz nach Spielschluss deutete sich durch den Eintrag von "Egal" an, dass die Bären Grund zum Feiern hatten. Das Wort "1. Bundesliga" war als Zeichen des Erfolges mit sieben Ausrufezeichen versehen. Wenig später gratulierte auch die SG Kronau/Östringen, ihres Zeichens frisch gebackener Aufsteiger in die 1. Liga, dem weiblichen Pendant. "Herzlichen Glückwunsch von den Kröstis nach Ketsch" war zu lesen. Die herzlichsten Glückwünsche kamen unter anderem auch aus Allensbach, Solingen, von Radio Aktiv aus Mannheim und von der HSG Bensheim/Auerbach: "Auch die alten Rivalen gratulieren natürlich zum Aufstieg. Wir werden euch vermissen."

    Auch die Göppinger Fans und die Vereinsführung zeigten sich als fairer Verlierer und gratulierten: "Ich war am Sonntag beim Endspiel in Göppingen. Herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg und viel Erfolg in der 1. Liga. Klasse gekämpft und vor allem klasse unterstützt! Hut ab vor Euren Fans." Auch der Göppinger Manager Thomas Pientka bewies in den Stunden der Niederlage Größe. "Zwei tolle Spiele in einer noch nie dagewesenen Atmosphäre sind zu Ende und bei beiden Spielen hieß der Sieger TSG Ketsch. Somit habt ihr verdient den Aufstieg in die 1. Bundesliga geschafft und im Namen meines gesamten Teams darf ich hierzu herzlich und aufrichtig gratulieren. Ich wünsche euch für die nächste Saison alles Gute und schaut, dass ihr euch langfristig etabliert."

    Aber nicht nur im Internet, sondern auch in der Presselandschaft spiegelte sich der große Erfolg in vielen Schlagzeilen wider. "Das steppt der Bär: TSG Ketsch ist in der ersten Liga", titelte unsere Zeitung und auch der "Mannheimer Morgen" in der gestrigen Ausgabe. "Klappe die dritte: Die Bären sind wieder los" war in den "Weinheimer Nachrichten" zu lesen. "Ketscher Damen spielen in der ersten Liga" titelte die "Rhein-Neckar-Zeitung". Und auch der Bild-Zeitung war der Aufstieg ins deutsche Oberhaus eine Meldung wert.

    © Schwetzinger Zeitung - 07.06.2005


    Ronaldo hat einen neuen Fan

    Dieses Spiel war auf jeden Fall eine "RIESEN" Werbung für den Frauenhandball. Auch wenn der oder die 1. und 2. nach der normalen Runde (aus Nord und Süd) nicht aufgstiegen ist. Die Regeln waren bekannt und basta. Ist beim Eishockey um die Meisterschaft genauso.
    Ketsch war über die letzten zwei Begegnungen die konstantere, bessere Mannschaft und ob sie sich dieses mal in der obersten Klassed behaupten kann, bleibt ab zu warten. ABer diese Atmosphäre in der GP Stauferhalle: saustark, auch wenn die Einheimischen am Schluss etwas schwächelten. Aber 3300 oder 3600 (je nach Quelle) Zuschauer: WOW.

    Das gesamte Interview aus der WAZ, da die Zusammenfassug von lischen vielleicht etwas kurz ist.

    Eine Krise ist auch eine Chance

    Realist, aber auch Optimist: HaDe Schmitz redet die Situation des Tusem im WAZ-Interview nicht schön.

    Das Tempo war rasant: Vor drei Wochen gewann Handball-Bundesligist Tusem Essen den Europapokal, kurz danach verweigerte die Handball-Liga dem Traditionsklub die Lizenz, weil Sponsor Weinerplan die versprochenen Millionen nie überwies. Bevor am Dienstag der Einspruch der Essener verhandelt wird, gab Tusem-Sportmanager Hans-Dieter Schmitz im WAZ-Interview den Redakteuren Thomas Kloß, Thomas Lelgemann und Peter Müller Auskunft über die existenzbedrohende Krise.

    WAZ: Werden wir den Tusem in Liga eins wiedersehen?

    Schmitz: Ach wissen Sie, für mich ist das eine unwirtliche Situation. Mich rufen im Moment viele aus der Liga an. Und die meisten sind entsetzt, dass es eine Bundesliga ohne den Tusem geben soll. Aber der Lizenzierungsausschuss sagt, ihr kriegt keine Lizenz, weil ihr wesentliche Unterlagen nicht eingereicht habt. Und die darf man nicht nachreichen. Unser Chef Klaus Schorn sagt, er habe von vornherein darauf hingewiesen, dass er Unterlagen nachreiche.

    WAZ: Wie lange kann sich die Situation hinziehen?

    Schmitz: Bis Ende Juni. Am Dienstag wird neu verhandelt. Dann hat man noch mal 14 Tage Frist, um Einspruch einzulegen und vor das ständige Schiedsgericht zu ziehen. Das sind vier Leute, die mittelbar mit dem Handball nichts zu tun haben. Die völlig unabhängig sind, wenn man mal unterstellen will, dass einige aus dem Lizenzierungsausschuss nicht objektiv sind. Dieses ganze Konstrukt ist ja unglücklich.

    WAZ: Sie meinen, weil Vertreter von Konkurrenzvereinen über das Schicksal des Tusem entscheiden.

    Schmitz: Genau. Angenommen, Bochum steigt im Fußball ab und dürfte nun entscheiden, ob Dortmund so überschuldet ist, dass die die Lizenz kriegen oder nicht kriegen. Das geht doch nicht. Das ist unmöglich. Die würden sagen: Raus mit denen, und wir bleiben drin.

    WAZ: Aber wenn es so ist, dass der Tusem gar keine Unterlagen eingereicht hat . . .

    Schmitz: . . . gar keine nicht. Das stimmt nicht.

    WAZ: Trotzdem: Wie soll man dann eine Lizenz erteilen?

    Schmitz: Klaus Schorn sagt, er hätte die Forderungen an Weiner reinstellen können. Per se. Obwohl er nicht weiß, ob Weinerplan noch bezahlt. Das hat er aber nicht gemacht. Da ist er auch dickköpfig. Soll er ja schon mal sein.

    WAZ: Klaus Schorn hat solche Schummeleien bei anderen Vereinen immer kritisiert.

    Schmitz: Sicherlich. Ich glaube ja auch persönlich, wenn er es wirklich noch schafft, Sponsoren zu bekommen, dann wird das Schiedsgericht für uns entscheiden. Auch wenn das formaljuristisch nicht hundertprozentig wäre. Ich glaube, dass man einem Traditionsklub wie dem Tusem alle Brücken bauen wird. Bei Gummersbach war das ähnlich.

    WAZ: Wie konnte der Tusem in diese Situation geraten?

    Schmitz: Das sieht ja jetzt so aus, als wenn das alles plötzlich passiert ist. Letztlich zieht sich die Krise schon seit zwei Jahren hin. Das begann mit dem Ausstieg der Post als Sponsor damals. Seitdem verwalten wir ja nur noch den Mangel.

    WAZ: Wie konnte man sich auf Weinerplan verlassen? Ohne das genauer zu prüfen?

    Schmitz: Nach dem Ausstieg der Post haben wir lange nach jemandem gesucht, der einspringen kann. Die Lizenz war ja schon damals gefährdet. Und dann kam Weiner und hat gesagt, ich gebe fünf Millionen in zwei Jahren. Wir bauen ein Topteam auf. Und er hat sich eingebracht. Der war bei jedem Auswärtsspiel. Der hat mit uns eine detaillierte Personalplanung gemacht. Mit den Spielervermittlern geredet. Und er hat erkannt, dass man beim Tusem was tun muss. In der Öffentlichkeitsarbeit, bei den Zuschauern, in Sachen Kleinsponsoren. Der hatte schon gute Ideen - und wir haben gedacht: Booh, jetzt haben wir einen Großen.

    WAZ: Hätte Klaus Schorn auf solche Ideen nicht vorher auch selbst kommen müssen?

    Schmitz: Ich glaube, dass der Job, einen Verein zu führen, heute zu komplex geworden ist. Das kann einer alleine nicht mehr. Und in dieser Situation, in der der Klaus nur gedacht hat, wie fülle ich die finanzielle Lücke, hat er für die anderen Dinge keinen Sinn mehr gehabt. Und es ist auch so, dass muss man auch mal sagen, der Klaus hat mittlerweile seine biologischen Grenzen erreicht. Das sagt er ja selbst. Er ist 70 Jahre alt. Die Aufgaben werden immer mehr, und er wird immer älter. Ich mache mir Sorgen um Klaus. Bei allen Meinungsverschiedenheiten. Ich habe manchmal Angst um ihn.

    WAZ: Hat der Tusem es versäumt, eine breite Führung aufzubauen? Frühere Handball-Größen wie Stefan Hecker, Alfred Gislason, Thomas Happe einzubinden?

    Schmitz: Ja, das hat der Tusem versäumt, das muss ich sagen. Da waren viele, die man hätte nehmen können.

    WAZ: Es gibt Gerüchte, die besagen, es steigen nur dann Sponsoren ein, wenn Klaus Schorn nicht mehr dabei ist.

    Schmitz: Die habe ich auch gehört. Ich finde, das ist eine Sauerei. Dann müssen die sich zeigen und nicht aus dem Gebüsch heraus agieren. Warum sagen sie nichts? Haben sie Angst vor Klaus Schorn?

    WAZ: Kann man mit Klaus Schorn über solche Entwicklungen reden?

    Schmitz: Ich sag´ mal so: Eine Krise ist auch eine Chance. Wenn es noch gut geht mit der Lizenz, wäre das eine Chance, vieles zu verbessern.

    WAZ: Womit wir wieder bei Georg Weiner wären. Glauben Sie, dass er noch zahlt?

    Schmitz: Also, den Glauben habe ich mir abgewöhnt. Georg Weiner hat mir ehrenwörtlich bestätigt, dass seine Firma nicht zahlen kann, aber dass Freunde von ihm einspringen werden. Georg Weiner hat ein schlechtes Gewissen. Der hat ganz oft angerufen und sich entschuldigt.

    WAZ: Waren Sie, war man beim Tusem zu naiv?

    Schmitz: Wenn sie schon fast tot sind, greifen sie nach jedem Strohhalm.

    WAZ: Wenn doch noch alles gut geht, wird der Tusem aber keine Mannschaft mehr haben, oder?

    Schmitz: Die Spieler werden mit Sicherheit so lange beim Tusem bleiben, wie es geht. Weil sie sich, das war auch der Grund für die sportlichen Erfolge, gut verstehen. Die wollen was gemeinsam machen, die wohnen ja auch fast alle in der Nähe, die Frauen machen viel zusammen. Aber es ist auch klar, dass die meisten sich schon umgesehen haben.

    WAZ: Gibt es Plan B? Beschäftigt sich der Tusem mit der durchaus realistischen Möglichkeit, in der nächsten Saison Regionalligist zu sein?

    Schmitz: Wie sähe das aus? Das würde doch den Eindruck erwecken, als hätten wir schon aufgegeben.

    Ein netter Kommentar, leider zu spät gefunden, aber deswegen nicht weniger aktuell aus dem Darmstädter Echo (Südhessen Aktuell):

    Einwurf
    Rote Karte

    Rote Karte: Die SG Wallau-Massenheim ist ohne Bundesliga-Lizenz. Logische Konsequenz aus dem Insolvenztheater der letzten Monate. Weder der Weg in die Existenzkrise noch das aktuelle Krisenmanagement zeugen von Handball-Professionalität. Im Zirkus um freundliche Sanierung und feindliche Übernahme der maroden Spielbetriebs GmbH ist kein überzeugender roter Faden zu erkennen.
    Der Schulterschluss zwischen der Opposition um die Schöpfer und Zahlmeister des Bundesliga-Handballs, Bodo Ströhmann/Harald Scholl, und der jetzigen Regie fehlt ebenso, wie die Solidarität der Region. Der Zuschauer-Rückhalt wurde trotz lauter Hilferufe nicht stärker. Sponsoren stehen auch nicht Schlange, Gläubiger dafür beharrlich.

    Bisher gelang es nicht, ein solide finanziertes, nachhaltiges Konzept zu präsentieren. Auf dem Tisch türmen sich weiter Altlasten: Forderungen des Fiskus, ausstehende Gehälter. Schon in der neuen Spielzeit droht das gleiche Theater. Die seit Monaten kultivierte Hinhaltetaktik der Gesellschafter (besonders deren Sprecher Ralf Jahncke) bis zum jüngsten Veto der Deutschen Handball-Liga (DHL) weckte kein Vertrauen. Eine glaubwürdige Sanierung schaut anders aus.

    Vor diesem Hintergrund wirkt der Poker durch die Rechtsinstanzen und die Drohung mit zivilrechtlichen Schritten peinlich. Rote Karte. Hätten die Sanierer diese Energie besser in die Hausaufgaben gesteckt.

    So bleibt die traurige Erkenntnis: SG Wallau-Massenheim besitzt zu wenig Substanz für eine Existenz in der Handball-Bundesliga. Da empfiehlt sich der Neuaufbau in der Regionalliga, wo die zweite Mannschaft beheimatet ist. So tief wäre der Sturz also nicht einmal.

    Mit sechs Lizenzverweigerungen, darunter Europacup-Sieger Tusem Essen, dokumentiert die HBL endlich den Willen, Glücksrittertum, Bilanztricks und unseriöse Haushaltsführung den Riegel vorzuschieben. In der am Sonntag zu Ende gegangenen Bundesligasaison erwischten die Lizenzgeber dennoch erst die Spitze des Eisbergs. Fast ein Dutzend Vereine in Liga eins und zwei wären ebenfalls reif. Die kriminellen Machenschaften beim HSV Hamburg (mit acht Punkten Abzug bestraft) haben Ruf und Image der „stärksten Liga der Welt“ schon vor Weihnachten geschadet. Rote Karte? Fehlanzeige.

    Es ist vieles faul. Neben mangelhafter Wirtschaftlichkeit sorgt die Überfremdung für Entwicklungsstörungen. Der Drang in große Hallen, die wenigsten Klubs können diese füllen, entwurzelt und entfremdet. Nord-Süd-Gefälle trübt das Leistungsbild. Die Kräfteverschiebung von der Fläche (kleinere Vereine) in die Zentren zermürbt viele Klubs in der Drei-Klassengesellschaft Bundesliga. Die Atmosphäre in vielen Hallen lässt bedenklich knappen Spielraum für Fairplay, setzt Schiedsrichter unter Druck – Heimvorteil auf die Spitze getrieben. All das drängt sportliche Qualität und Spielkultur in den Hintergrund.

    Erfolg und Spaß um jeden Preis. Geschäft, Zirkus und Aggressionsventil. Guter Handballsport kann sich oft kaum mehr entwickeln. Auch wenn die Statistiken Qualität vorgaukeln.

    Hans-Peter Seubert
    31.5.2005

    Jungs und Mädels: versucht einmal Weinerplan Hellas im Internet zu finden. Eine Firma, deren Internetauftritt nicht mehr existent ist (Dieser Ordner enthällt keine brauchbaren Benutzerdaten), ein Millionenunternehmen, dessen Emailadresse bei AOL gehostet ist (Antwort: User unknown), strahlt sicher eine Menge Zuversicht darüber aus, in naher Zukunft größere Beträge locker zu machen.

    Für alle, die an der Besetzung des Bundesliga-Vorstandes herumkritisieren. Die HBL ist die Vereinigung der 54 Männer-Bundesligisten, die aus ihrer Mitte einen Vorstand wählen. Es liegt in der Natur der Dinge, dass dadurch nur Vorstände oder Manager o.ä. aus beteiligten Vereinen mit dabei sind. Der Geschäftsführer Bohmann hingegen ist bestellt bzw. angestellt.

    "Die Spiellizenzen in der HBL wurden erstmals von einem neuen Gremium, das als seinen Tagungsort Hamburg wählte, vergeben. Entgegen der bisherigen Praxis entscheiden an Hand der von den Clubs eingereichten Unterlagen nur noch HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann und Wirtschaftsprüfer Siegfried Friedrich über die Zulassungen für die kommende Spielzeit. Bei Rechtsfragen soll der frühere Nationaltorhüter und jetzige Anwalt Andreas Thiel hinzugezogen werden." (Artikel SZ, Dienstag).
    Dieser "Gutachterausschuss" legte dem 8-köpfigen Vorstand seine Auswertung vor, dieser am Dienstag wohl acht Stunden lang diskutierte.

    Zu den Füchsen, die als einziger "eingetragener Verein" im bezahlten Handball mitmischen kann ich nur sagen: Hochachtung bis jetzt. Denn wer als e.V. mit solchen Summen hantiert muss einiges im Hintergrund (wohlgemmerkt: nicht Untergrund) laufen haben. Bei uns (Stammvereine der HG Oftersheim/Schwetzingen) war schon zu Oberligazeiten alleine durch den Getränkeverkauf die Gemeinnützigkeit des jeweiligen Vereins gefährdet, weshalb unabhängige GmbHs eingerichtet wurden.

    Tusem-Boss unter Schock

    HANDBALL / Keine Lizenz für Essen und fünf weitere Erst- und Zweitligisten. Einspruchsfrist eine Woche.

    ESSEN. Den Boss des Handball-Bundesligisten Tusem Essen traf die Nachricht wie ein Keulenschlag. "Damit hatte ich nicht gerechnet. Denn wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", war Klaus Schorn fassungslos. Gestern früh hatte die Deutsche Handball-Liga den Essenern mitgeteilt, dass dem EHF-Pokal-Gewinner die Lizenz für die kommende Saison verweigert wird.

    Neben den Essenern zückte der Vorstand der Handball-Bundesliga (HBL) in erster Instanz auch die Rote Karte für die Erstligisten SG Wallau-Massenheim und Post SV Schwerin sowie die Zweitligisten Reinickendorfer Füchse Berlin, SG Werratal 92 und SG Willstätt/Schutterwald.

    Die betroffenen Vereine haben eine Woche Zeit, Einspruch einzulegen. Als letzte Chance bliebe danach der Gang vors Ständige Schiedsgericht des Deutschen Handball-Bundes. Der Weg vor ein ordentliches Gericht ist nach dem Lizenzvertrag der Bundesligisten nicht möglich.

    "Wir haben bislang keine schriftliche Begründung erhalten. Von daher kann ich eigentlich noch gar nichts dazu sagen. Klar ist jedoch schon jetzt, dass wir alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen werden", kündigte Schorn an.

    Die Essener, die vor gut zwei Wochen mit dem Gewinn des EHF-Pokals zehn Jahre nach dem letzten internationalen Triumph wieder an sportliche Glanzzeiten angeknüpft hatten, befinden sich seit Monaten in finanziellen Schwierigkeiten. Hauptsponsor Weinerplan Hellas hatte 2,77 Millionen Euro vertraglich zugesichert, aber bis heute keinen Cent überwiesen. Da die Firma mittlerweile gar nicht mehr existiert, wird auch kein Geld mehr fließen, so dass eine Riesenlücke im laufenden Etat klafft.

    "In den letzten Wochen haben wir vergeblich nach anderen Lösungen gesucht", so Klaus Schorn. "Doch nun nimmt man uns mit der Lizenzverweigerung die Möglichkeit nachzubessern, was durch den Europacuptitel gut möglich wäre. Und für die kommende Saison ist unser Etat gesichert, ohne Weinerplan-Gelder. Fakt ist: Wir sind das Opfer krimineller Machenschaften."

    Vor allem auf die dritte Instanz setzt der 70-Jährige seine Hoffnung: "Das Ständige Schiedsgericht urteilt wertneutral." Schorn, der ein vehementer Gegner der Selbstständigkeit der Bundesliga war, fährt schwere Geschütze auf: "Innerhalb der Bundesligisten ist der Neid einfach zu groß. Das ist doch ein Laden der persönlichen Selbstbedienung. Der eine ist scharf auf einen Spieler, ein anderer auf einen Europapokalplatz, ein dritter will den Abstieg verhindern. Das wäre im Fußball ja so, als wenn Arminia Bielefeld darüber entscheidet, ob der Hamburger SV die Lizenz erhält."

    Das Deutsche Sport Fernsehen hat sich am Sonntag für die Bundesligapartie Tusem gegen VfL Gummersbach (15 Uhr, Arena Oberhausen) als Live-Spiel entschieden. Es droht für lange Zeit die letzte Übertragung eines Tusem-Spiels zu sein. (NRZ)

    25.05.2005 THOMAS SCHRÖER

    Liga verweigert Tusem die Lizenz




    Mit dem Europapokal: Die Tusem-Stars Torgowanow (links) und Velyky am 7. Mai nach dem Finale in Oberhausen. Bild: Simon

    WAZ Essen. Für den Tusem war es eine Überraschung, für andere nicht: Die Handball-Bundesliga (HBL) hat dem Essener Europapokalsieger die Lizenz für die kommende Saison verweigert. Außerdem sind auch die SG Wallau-Massenheim und Absteiger SV Post Schwerin betroffen.


    "Ich weiß überhaupt nicht, welcher Teufel da wen geritten hat", reagierte Tusem-Chef Klaus Schorn auf die Entscheidung der HBL in Hamburg. "Denn außer der offiziellen Pressemitteilung liegt mir keine Begründung vor."

    Eben diese Pressemitteilung besagt, dass "nach intensiven Beratungen" und "auf Grundlage der Empfehlungen des Gutachter-Ausschusses" die Entscheidungen getroffen wurden. Nüchtern folgt der Vereinsname Tusem Essen unter dem Punkt "Keine Lizenz erhalten". Der Verein müsste demnach in der kom-menden Saison in die Regionalliga eingegliedert werden.

    "Das Verfahren wurde ohne Rücksicht auf Namen, Marken oder Tradition durchgeführt. Alle wurden gleich behandelt", erklärte Liga-Geschäftsführer Frank Bohmann. "Es bleibt uns nicht anderes übrig, die Liga kurz- und langfristig auf gesunde Beine zu stellen."

    Tusem Essen, dreimal Deutscher Meister und Pokalsieger und erst vor 18 Tagen EHF-Pokalsieger gegen den Bundesliga-Konkurrenten SC Magdeburg geworden, plagen seit geraumer Zeit finanzielle Probleme. Hauptsponsor "Weinerplan" - eine Projektmanagement-Firma aus Oberhausen - ist selbst in Not geraten und hat deshalb die vertraglich zugesicherten 2,77 Millionen Euro nicht gezahlt. "Wenn solche Zusagen nicht erfüllt werden, kommt alles ins Wanken", sagt Schorn.

    Dennoch: "Meiner Meinung nach ist die Entscheidung nicht nachvollziehbar. Der Tusem ist Lizenzinhaber und hat die Unterlagen pünktlich und korrekt eingereicht", unterstrich er gestern noch einmal und kritisierte vielmehr den achtköpfigen Liga-Vorstand, der die Entscheidung letztendlich gefällt hat. "Fünf der acht Mitglieder sind direkte Nutznießer dieser Abstiegsregelung", sagte er. "Pfullingen bleibt in der Liga, Göppingen, ich zähle sie mit Kornwestheim mal als zwei Stimmen, könnte nun in den Europacup kommen, Lemgo will einige unserer Spieler und Magdeburg hat gegen uns das Europacup-Finale verloren."

    Neben den drei Bundesligisten wurde auch den ZweitligistenSG Willstätt-Schutterwald, Reinickendorfer Füchse Berlin und SG Werratal die Lizenz verweigert. Ein radikaler und bisher einmaliger Schnitt im deutschen Handball. In den Jahren seit 1983 hatten vier Vereine aus wirtschaftlichen Gründen freiwillig auf eine weitere Liga-Zugehörigkeit verzichtet, einen Lizenzentzug gab es aber noch nicht.

    Die Vereine haben nun eine Woche Zeit, Einspruch einzulegen. "Natürlich werden wir das machen", bekräftigt Klaus Schorn. Als letzter Schritt bliebe danach noch der Gang vor das Ständige DHB-Schiedsgericht. Der Gang vor ein ordentliches Gericht ist nach dem Lizenzvertrag der Handball-Bundesliga nicht möglich.

    "Es war zwingend notwendig zu handeln, um die sportliche und wirtschaftliche Zukunft zu sichern", kommentierte Uwe Schwenker, Manager von Tabellenführer THW Kiel, die Entscheidung. "Einige sind mit Vollgas gegen die Wand gefahren, ohne zu bremsen."

    Tusem-Manager Schorn will dies für seinen Verein nicht gelten lassen, weiß aber, dass "wir nur zwei Möglichkeiten haben: Entweder wir legen einen Zahlungsbeleg unseres wirtschaftlichen Trägers vor oder andere springen für ihn ein". Neue Sponsoren sind allerdings nicht in Sicht.


    25.05.2005 Von Michael Brandhoff (WAZ)

    Vielleicht sehen wir das alle hier viel zu dramatisch. Wir posten uns den ganzen Tag die Finger wund, aber den Sportnachrichten beim ZDF-heute ist es nicht mal eine Meldung wert. Sagt wohl alles über den Stellenwert des Handballs aus.