HSV ist mit Einspruch gescheitert - und meldet Team ab
HANDBALL: Verbandssportgericht weist Protest zurück / Keine Mannschaft für die Landesliga / Auch Frauen abgemeldet
Von unseren Redaktionsmitgliedern Steffi Lang und Andreas Lin
Der Einspruch des HSV Hockenheim gegen den Bescheid des Vizepräsidenten Recht des Badischen Handballverbandes (BHV) wird als unbegründet zurückgewiesen. So lautete das erstinstanzliche Urteil des Verbandssportgerichts des BHV unter dem Vorsitz von Jürgen Brachmann, das den beteiligten Vereinen am Samstag zuging. Somit wurde das zweite Entscheidungsspiel um den Verbleib beziehungsweise Aufstieg in die Handball-Badenliga seinem Ausgang entsprechend mit 21:19 für die SG Leutershausen gewertet, weshalb der HSV in die Landesliga absteigen musste.
Gestern gab der HSV in einer Pressemitteilung bekannt, dass sich die Abteilungsleitung außerstande sah, ein Landesliga-Team zu melden, da Vereinbarungen des HSV mit einem Großteil der Mannschaft nur für die Badenliga geschlossen werden konnten. Die Hockenheimer haben deshalb rechtzeitig vor dem Staffeltag ihre Mannschaft abgemeldet.
Einige schlaflose Nächte hat Hans-Georg Teufel hinter sich. Denn die Situation bei den Hockenheimer HSV-Handballern hat den Abteilungsleiter schwer beschäftigt. Zuerst die wenig zufrieden stellende Runde in der Badenliga, dann die verlorenen Relegationsspiele gegen Leutershausen II mit dem nachfolgenden Einspruch wegen der Schiedsrichter in der zweiten Partie. Und schließlich der abgeschmetterte Protest, der nun zur Folge hat, dass die 1. Herrenmannschaft vom Spielbetrieb in der Landesliga abgemeldet wurde.
Die beiden Einsprüche
Zur Erinnerung: Der HSV hatte mit Schreiben vom 13. Mai Einspruch gegen die Wertung des zweiten Entscheidungsspiels erhoben und forderte eine Spielneuansetzung. Dabei bezog sich Hockenheim darauf, dass zum Spiel keine Schiedsrichter erschienen und nach 25 Minuten Wartezeit Wolfgang Schwan (SG Leutershausen) und Uli Schuler (TV Friedrichsfeld) die Begegnung leiteten, ohne zuvor das Einverständnis des HSV eingeholt zu haben. Vor dem Spiel sei der HSV lediglich sinngemäß darüber informiert worden, dass das Spiel von Walter/Schuler geleitet würde.
Da aber Schiedsrichter Schwan Mitglied der SGL sei und auch für die Bergsträßer pfeife, sei die Neutralität in diesem für Hockenheim so wichtigen Spiel nicht gewahrt gewesen. Zudem fügte der HSV weiter an, dass beide Schiedsrichter nicht dem A- und B-Kader des BHV angehören.
Mit Schreiben vom 23. Mai wurden vom Vizepräsident Recht die Einwendungen des HSV gegen die Wertung des zweiten Entscheidungsspiels zurückgewiesen (wir berichteten). Mit dem Schreiben vom 31. Mai legte der HSV Einspruch gegen den Bescheid ein und beantragte, das Entscheidungsspiel neu anzusetzen. In der Begründung gab der HSV an, dass die Vereinsverantwortlichen darüber informiert wurden, dass das Spiel vom Gespann Schuler/Walter geleitet werde. Hiergegen habe man keine Einwendungen erhoben. Als der Anpfiff ertönte, wären allerdings Schwan/Schuler eingelaufen und hätten das Spiel geleitet. Hierzu wäre das Einverständnis des HSV nicht eingeholt worden.
Es käme weiterhin hinzu, dass Schwan Mitglied der SGL sei und damit von Anfang an nach den Grundsätzen der Fairness unter allen Umständen gehindert war, als Schiedsrichter mitzuleiten und den HSV-Verantwortlichen nicht bekannt war, dass Schwan Mitglied der SGL ist. Diese Information hätte man erst nach dem Spiel erhalten. Unabhängig davon, dass eine Einigung über die Spielleitung der Schiedsrichter Schuler/Schwan nicht erfolgt sei, sei auch die behauptete, aber tatsächlich nicht gegebene Einigung entgegen der Sportordnung des DHB notwendige Eintragung vor dem Spiel im Spielberichtsbogen unterblieben.
Das Urteil
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Kommentar
Das Verbandssportgericht stellte in seinem Urteil fest, dass das Entscheidungsspiel trotz der vorliegenden besonderen Umstände ausgetragen wurde. Der Verein HSV habe im gesamten Verfahren zu keiner Zeit - auch nicht andeutungsweise - Gründe vorgetragen, die auf eine Benachteiligung des Vereins HSV Hockenheim durch Spielleitung durch die Schiedsrichter Schuler/Schwan, insbesondere durch Schiedsrichter Schwan, schließen lasse. Diesbezüglich fänden sich weder im Spielprotokoll, noch im Schreiben vom 13. Mai und auch nicht in der Einspruchsschrift vom 31. Mai irgendwelche Hinweise. Das Verbandssportgericht gehe daher davon aus, dass das zweite Entscheidungsspiel von den Schiedsrichtern Schuler/Schwan ohne jegliche Beanstandungen entsprechend dem Regelwerk geleitet wurde.
Die behauptete Verletzung von Formvorschriften der Sportordnung-DHB allein reiche in keinem Falle aus, ein ausgetragenes Spiel neu anzusetzen. Das Verbandssportgericht trete der Argumentation des Vizepräsidenten Recht bei, dass eine Einigung der beteiligten Mannschaften - insbesondere des Vereins HSV Hockenheim - durch das Antreten und die Aufnahme des Spiels wirksam erklärt wurde. Das Verbandssportgericht könne auf Grund des gesamten Verhaltens der Schiedsrichter - insbesondere des Schiedsrichters Schwan - nicht erkennen, dass der HSV von welcher Seite auch immer genötigt oder gar gezwungen wurde, das Spiel auszutragen.
Keine Spieler für Landesliga
"Das tut schon sehr weh", sagte Teufel gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Es sei dem HSV aber keine andere Möglichkeit geblieben. "Nur wenn wir in der Badenliga geblieben wären, hätten wir eine Mannschaft gehabt", erklärte der Abteilungsleiter. Nachdem einige Akteure (Wittemund, Adler, Zöller) ihren Wechsel schon vor längerem bekannt gegeben hatten, kamen jetzt nach dem abgewiesenen Einspruch weitere Absagen.
Nur ein Spieler, Steffen Christ, hatte für die Landesliga zugesagt, dazu Haris Halilovic, der als Trainer wieder an seine alte Wirkungsstätte zurückkehren sollte. Sonst wollte niemand aus dieser Mannschaft, die den Abstieg aus der Badenliga sportlich zu verantworten hatte, in der Landesliga spielen. Finanzielle Kopfstände, die nötig gewesen wären, um die Leute eventuell zu halten, wollte der Verein auf keinen Fall machen. Und kurzfristig so viele Neuzugänge an Land zu ziehen, war schlichtweg unmöglich. Somit meldete Hans-Georg Teufel nach Rücksprache mit dem Gesamtvorstand die Mannschaft ab.
Damit steht der HSV als erster Absteiger fest. Die neue erste Männermannschaft spielt in der neuen Runde unter Spielertrainer Bruno Rausch in der Kreisklasse B - mit dem bisherigen Ib-Kader, mit Steffen Christ und vielleicht noch dem einen oder anderen Neuzugang.
Auch Frauen abgemeldet
"Das ist ein grundlegender Neuaufbau der Handball-Abteilung und das ist auch der Wille des Vereins", betont Hans-Georg Teufel, der aber noch eine zweite Negativnachricht zu schultern hat. Denn auch die Damenmannschaft des HSV musste aus der Landesliga abgemeldet werden. Nachdem einige Spielerinnen in die neue "Alte Damen"-Mannschaft überwechselten, waren schon nicht mehr genug Akteurinnen vorhanden, zumal sich einige mit dem Gedanken trugen, zur HG Oftersheim/Schwetzingen zu gehen. Dorthin haben sich jetzt eine ganze Reihe aus dem Hockenheimer Team verabschiedet: Neben den Rückkehrerinnen Rosi Pumple und Verena Sanns auch Simone Hoffmann und Torhüterin Babs Schmidt - und wohl noch einige weitere.
© Schwetzinger Zeitung - 22.06.2005
HSV der Verlierer
Kommentar von Steffi Lang
Der HSV Hockenheim ist auch mit seinem zweiten Einspruch gegen die Wertung des verlorenen zweiten Entscheidungsspiels um den Verbleib in der Handball-Badenliga gescheitert und hat nun seine Mannschaft aus der Landesliga zurückgezogen. Die HSV-Männermannschaft, nicht nur zu Regionalligazeiten eine feste Größe im badischen Handball, wird auf der Karte der Vereine in den BHV-Spielklassen verschwinden und nur noch im Handballkreis Mannheim in der Kreisklasse B geführt sein. Auch die Damenmannschaft existiert nicht mehr. Der Handball in Hockenheim ist zweifelsohne am absoluten Tiefpunkt angelangt.
Der Sturzflug hatte mit den finanziellen Problemen und dem Abstieg aus der Regionalliga begonnen und endet vorerst mit dem Fall in die zweitniedrigste Klasse. Ein Ende der Talfahrt ist nicht abzusehen, ein Aufschwung ist vorerst nicht in Sicht. Das ist die Realität, der die Verantwortlichen jetzt ins Auge blicken müssen. Spätestens jetzt ist Schluss mit Schönreden. Jetzt zählen nicht mehr nur die Worte, sondern Taten. Und die müssen schnell folgen, sonst sind die Lichter bei den HSV-Handballern ganz schnell ganz aus.
Das letzte blaue Auge haben sich die Rennstädter bei ihrem Einspruch geholt, nachdem der sportliche K.o. schon längst kassiert worden war. Nicht wenige Handballinsider und neutrale Beobachter der Einspruch-Geschehnisse sagten, dass die Rennstädter damit den Bogen endgültig überspannt hätten. Auf der einen Seite ist ein gewisser Frust über eine sportliche Talfahrt verständlich und auch nachzuvollziehen, doch die Hockenheimer Hartnäckigkeit in Sachen Einspruch ließ vermuten, dass der HSV mit allen rechtlichen Mitteln am Strohhalm Badenliga festhalten wollte. Dieser war aber sportlich schon lange außer Reichweite.
Es bleibt zu hoffen, dass die HSV-Verantwortlichen ihre Lehren aus der Misere ziehen, denn der Zustand ist sehr ernst. Beim Neuanfang zählen vernünftige, solide und langfristige Konzepte, um Hockenheim über kurz oder lang wieder in die höheren Aktiven-Klassen zu bringen. In Zeiten leerer Kassen muss vor allem auf die eigene Jugend gesetzt werden. Beim Weg aus dem Tal wünschen alle Handballinteressierten dem HSV Hockenheim sicher einen guten Orientierungssinn und Weitblick, denn es ist ein steiniger und steiler Weg.
Ohne Zweifel ist der HSV der große Verlierer des Rechtsstreits, obwohl er voll auf Sieg gesetzt hatte - und endgültig alles verloren hat. Zweifelsohne war es aber auch eine denkbar ungünstige Konstellation für ein entscheidendes Spiel, aufgrund derer der Mann in Schwarz von der SG Leutershausen der Stein des Anstoßes war. Der Referee hätte in einer ruhigen Minute vor dem Spiel besser daran getan, seine Entscheidung, ob er pfeift oder nicht, noch einmal reiflich zu überdenken. Weniger ist manchmal eben mehr. Ein herber Beigeschmack bleibt für alle Beteiligten. Und das auch aufgrund der Tatsache, weil die Mitteilung über die Spielansetzung an den Schiedsrichter-Einteiler per Fax erst gar nicht bei diesem ankam.
© Schwetzinger Zeitung - 22.06.2005