Schön, dass noch mitgelesen wird. Ich hatte noch etwas im ND-Archiv recherchiert. Neben dem Oberligabetrieb gab es eigentlich nur die Neujahrsturniere von überregionaler Bedeutung. Neben dem in Rostock gab es noch eins in Cottbus und in der Seelenbinderhalle, d.h. von Dynamo. Ansonsten auffällig, dass Chemie Piesteritz, Zweitligist, sehr oft Freundschaftsspiele gegen ungarische bzw. Osteuropatruppen zu Hause gemacht haben. Diese Truppen müssen ja irgendwo ihr Trainingslager gemacht haben. Kienbaum ist aber recht weit (DDR-Sportcamp).
Bei den Frauen hatte Rangsdorf noch ein größeres Turnier.
Zudem zu erwähnen, dass ein weitere Fixpunkt für die DDR-Nationalmannschaft der Karpatenpokal in Rumänien war. Dieser wurde übrigens 2018 wieder aufgenommen. Zuvor von 1959 bis zur Wende durchgängig. Danach mit Unterbrechungen.
Ich habe neulich in den 11 Freunden ein großes Interview mit dem Fussballer Olaf Marschall gelesen. Da war auch eine Aussage drin, welche im Lichte der Recherche hier wohl 1:1 auf einen SC-Handballer zutrifft: "Wenn du einmal drin warst, hattest Du ein gutes Leben." Er spielt damit auf den auch hier schon thematisierten fehlenden Konkurrenzdruck durch fehlende Klubwechsel an.
ERGO: Die DDR hat aus dem System schon richtig viel rausgeholt, insbesondere auch durch das Sichtungssystem. Hätte der Handball jedoch im Westen einen höheren Stellenwert und damit verbunden auch finanzielle Anreize für Spieler gehabt, wäre der Mangel der fehlenden Wechsel zum Tragen gekommen.
Dann hatte Urban79 noch die Frage gestellt, wie der Umgang zwischen SC und BSG Spielern war. Ich denke das war auf der Platte fair. Kann mich auch aktiv an keine Rote Karte erinnern. Alles, was wir hier zusammengetragen haben, wussten die Spieler ja auch. Ein Holger Schneider war bei Post schon der beste LA. Der hat seinen Respekt bekommen. Peter Flau war Torschützenkönig, Rothenburger Top RR. Und wirtschaftlich war man als etablierter BSG Spieler sicherlich besser versorgt als ein 20jähriger SC Spieler am Anfang der Karriere mit Parallelstudium. Da war das Plus einzig die Reisen in den Westen. Empor war ab und an in Dänemark. Die anderen SCs wohl auch im NSW sporadisch (Männer wie Frauen).
Und um noch mal auf den politischen Druck einzugehen. Urban79 hatte auf einen bekannten verwiesen, welcher nur bis Zweitliga kam, da er nicht in die Partei wollte. Da herrschte am Ende wohl auch Pragmatismus. Holger Schneider ist meines Wissens auch nie eingetreten. An seinem Talent kamen die aber nicht vorbei.
Ich denke da gab es dann auch ein Dossier wie wahrscheinlich z.B. eine Republikflucht war. Schneider war ja nicht zu Empor gegangen wegen Westverwandtschaft und ist trotzdem noch nach Seoul gekommen. Den werden die richtige gut beleuchtet haben und das über Jahre. Ist ja erst mit 26 oder den Dreh zu Empor gegangen.
Vielleicht könnten wir uns noch einmal austauschen, welche Stadt eigentlich den größten Lebenswert für einen "Ost-Profi" darstellte. Ich habe zum Glück noch viel von der DDR gesehen, da ich durch den Sport gut rumgekommen war. Rostock war sicherlich ein sehr attraktiver Standort (moderne Halle, Strand, Unistadt). Berlin und Leipzig (allein schon wegen der Moritzbastei) wegen des Kulturangebotes auch. Halle hat ja auch eine Uni. Von der Stadt war ich aber richtig geschockt. da war in meiner Erinnerung alles schwarz und verfallen. Cottbus hatte das legendäre Gladhouse ansonsten aber nicht so prickelnd. Auch nur ne kleinere Bergakademie(?).
Ich hatte mal Katja Kittler im Rostocker Filmclub gesehen, war glaub ich irgend etwas jazziges. Das muss eigentlich auch ein Thema gewesen sein. (Beispiel Wahl zwischen Löbau und Rostock). Magdeburg hatte auch eine gute Klubinfrastruktur? Ich war da vor der Wende einmal und habe es als grüne Stadt in Erinnerung (Rennbahn) und dann den Boulevard mit dem Stalinbauten. Da gab es ein Cafe Kiew oder so. Da kostete ein Toast Hawaii 12 Mark. Was richtig teuer war zu der Zeit im Vergleich. Theater war nicht schlecht. Damals Thomas Dehler, Sohn von Wolfgang Dehler DEFA Inventar, ein lokaler Star. Ich meine die Jugendherberge war in Sudenburg. Und irgendwie war ich noch auch einem Freilichtkonzert in Ottersleben. Aber das ist sehr verschwommen.
von den BSG Standorten vermutlich Eisenach auf der Topliste. Schwerin wegen der Landschaft. Kirchmöser, Löbau, Eberswalde?
Wie es der Zufall will, habe ich auch letztlich mitbekommen, warum ich Takraf (Kranbau) in Magdeburg verortet hatte. Meine Mutter hat mir gescannte alte Heimatkundehefte geschickt (4 Klasse). Da stand das falsch drin.
Richtig war Leipzig.