rtik in Melsungen beurlaubt
Trtik in Melsungen beurlaubt
MT zieht personelle Konsequenzen nach Pleite in Düsseldorf - Noch kein Nachfolger im Gespräch
Melsungen. Sie saßen zusammen, analysierten und diskutierten, erst am Morgen und dann wieder am späten Nachmittag. Am gestrigen Abend wurde MT-Trainer Dr. Rastislav Trtik schließlich mit sofortiger Wirkung beurlaubt - einen Tag nach der bitteren 24:25-Schlappe im Kellerduell der 1. Handball-Bundesliga bei der HSG Düsseldorf. Es war bereits die zwölfte Niederlage der MT Melsungen in dieser Serie. Die Nordhessen liegen als Tabellen-15. nur noch zwei Punkte von einem Abstiegsrang entfernt.
"Wir hatten aufgrund des großen personellen Umbruchs zu Saisonbeginn damit gerechnet, dass es zunächst etwas Sand im Getriebe geben würde. Dennoch hatten wir stets die Hoffnung, dass es dem Trainer gelingen wird, das in der Mannschaft steckende Potenzial heraus zu kitzeln", sagte Claus Schiffner, Vorsitzender des MT-Aufsichtsrats. "Die jüngsten Niederlagen haben uns leider zu einer anderen Erkenntnis kommen lassen."
Seit dem Sommer 2004 fungierte der gebürtige Slowake als Trainer der Melsunger, führte das Team im vergangenen Jahr von der 2. in die 1. Liga und erreichte mit der Mannschaft im ersten Jahr im Bundesliga-Oberhaus einen respektablen zwölften Platz. Trtiks Vertrag läuft noch bis zum Sommer 2008.
Trtik selbst zeigte sich gefasst, als ihm die Verantwortlichen den Entschluss mitteilten. "Die Entscheidung ist keine Überraschung für mich", sagte der 45-Jährige gegenüber unserer Zeitung. Noch im Verlauf des Tages hatte Trtik erklärt, wie er das Team zurück auf Erfolgskurs bringen wollte. Mit der nötigen Spieldisziplin und Mannschaftsgeist. Dass ein Spieler wie der Serbe Vladica Stojanovic künftig in seinen Planungen ebenso keine Rolle mehr spielen sollte wie der Grieche Giorgos Chalkidis, dem er schon für die Partie in Düsseldorf das Vertrauen entzogen hatte, stieß im Verein auf wenig Zustimmung.
"Wir wollen aus dieser Mannschaft alles herauskitzeln", betonte Alexander Fölker. Einem Rauswurf eines weiteren Spielers erteilte der Sportliche Leiter eine klare Absage: Das brächte nur mehr Unruhe in den Klub. Im November hatte bereits Linksaußen Goran Sprem (inzwischen HSG Nordhorn) seine Sachen an der Fulda packen müssen.
Heute wird der Klub auf einer Pressekonferenz bekanntgeben, wer das Training in dieser Woche leitet und wie es mit der Mannschaft weitergehen wird.
KOMMENTAR
Üblicher Vorgang
Björn Mahr über Trtiks Beurlaubung
Das Management der MT Melsungen musste etwas tun - und tat es nun auch. Aus für den Trainer. Aus für Rastislav Trtik. Der übliche Vorgang, wenn der Erfolg ausbleibt, die Mannschaft die Ziele nicht erreicht und der Unmut der Zuschauer von Spieltag zu Spieltag wächst. Jetzt zählen auch nicht mehr die großen Verdienste Trtiks um den Handball in der Bartenwetzerstadt.
Die einzige Alternative wäre gewesen, einen weiteren Spieler vor die Tür zu setzen. Nach Goran Sprem nun vielleicht noch Vladica Stojanovic oder Giorgos Chalkidis. Dann hätten die MT-Verantwortlichen aber ihr Gesicht verloren und sich eingestehen müssen, dass sie bei der Personalpolitik mehr als nur einen Fehler gemacht haben. So gibt es derzeit nur einen Verlierer: Rastislav Trtik.
Der Zeitpunkt der Beurlaubung kommt überraschend, aber nicht zu früh. Am Samstag geht es für die MT gegen den berechenbaren Neuling aus Hildesheim. Den dringend nötigen Impuls hat das Team nun bekommen. Jetzt muss die Mannschaft zeigen, ob so viel in ihr steckt, wie es der Verein und die Zuschauer von ihr erwarten.