Einen sehr schönen Bericht hat die FAZ heute veröffentlicht. 10000 Euro waren am Ende eingegangen.
ZitatAlles anzeigenInsolvenz: Die einstige Handball-Hochburg an der Bergstraße liegt in Trümmern
"Der Handball in Leutershausen ist gestorben"
FRANKFURT. Selbst drei Ausrufezeichen nützten nichts, der Hilferuf verfehlte seine Wirkung. Spendenkonto!!! Rettet die Bundesliga in Leutershausen. Ein bißchen Geld kam ja zusammen, knapp 10 000 Euro, aber das war viel zuwenig, um dem Handball in Leutershausen neues Leben einzuhauchen. Ein Insolvenzverwalter war im Juli schon bestellt worden wegen der gravierenden wirtschaftlichen Nöte der SGL; am Donnerstag abend läutete der Mann das Ende ein mit der Bemerkung, daß er die Eröffnung des Insolvenzverfahrens empfehle. Kurz vor Saisonbeginn der Zweiten Bundesliga wird die SG Leutershausen, deren Liquiditätslücke sich angeblich auf 400 000 Euro beläuft, also aus den Spielplänen gestrichen. Eine einstige Größe des deutschen Handballs steht damit vor einem Scherbenhausen. Handball in Leutershausen: Das ist ab sofort nur noch Badenliga, fünfte Klasse, Niemandsland.SGL! Das war eine Marke im Handball, geschätzt, gefürchtet, erfolgreich. Die zupackenden Männer von der badischen Bergstraße hatten mit ihrer bodenständigen Vehemenz schon im Feldhandball von sich reden gemacht; 1968 wurden sie deutscher Meister. Später, in der Halle, reichte es zwar nicht mehr zum großen Wurf - immerhin aber wurden die Leutershausener im Jahr 1992 noch einmal Meisterschaftszweiter. Eine Blütezeit mit Stars wie Uli Roth, Jörg Kunze, Holger Löhr oder auch Marc Nagel. Aber kurz danach wurden schon Risse in dieser vermeintlich gefestigten Gemeinschaft, in diesem dörflichen Geflecht sichtbar. Und fast verzweifelt wurde versucht, den Mythos SG Leutershausen neu zu beschwören - vergebens. Die SGL verlor den Zusammenhalt und schließlich auch an den Anschluß an die führenden Kräfte des Handballs. 1995 schied die Mannschaft dann aus dem Elitekreis aus: Abstieg.
Mancher, Trainer Uwe Rahn beispielsweise, glaubt, daß in diesem Jahr bereits der endgültige Absturz der SG Leutershausen begann. Weil man sich nicht mit einer Nebenrolle im deutschen Handball hatte abfinden wollen, weil man stets danach trachtete, schnell wieder nach oben zu kommen - und dabei offensichtlich nicht gerade auf den Pfennig achtete. Aber der Traum erfüllte sich nicht, obwohl die Badener einige gestandene Handballer verpflichteten, den Polen Bogdan Wenta etwa oder den russischen Weltmeister und Olympiasieger Valeri Gopin. Saison für Saison verfehlten die Leutershausener ihr Ziel. Immer blieben sie, weil offenbar das rechte Augenmaß bei den Planungen fehlte, trotz beträchtlicher Investitionen in der Zweitklassigkeit stecken; im vergangenen Jahr zum Beispiel waren sie Tabellenneunte. Letztlich mußten sie sogar hinnehmen, daß statt dessen ein Klub aus der Nachbarschaft, die SG Kronau/Östringen, den Sprung in die Bundesliga schaffte - und sich, finanziell gut ausgestattet, dort umgehend etablierte. Daß die SG Kronau in der Region das Zepter übernommen habe, heißt es, habe die Leutershausener schwer getroffen - es machte den Alltag eines Teams mit ruhmreicher Vergangenheit noch grauer.
Jetzt sind die Kronauer endgültig außer Sichtweite. Vor wenigen Tagen, als sich andeutete, daß die SGL ein Opfer ihrer Altlasten werden würde, bedienten sie sich noch einmal bei den Leutershausener und verpflichteten den Tschechen Petr Hrachovec. Alle seine früheren Kollegen sind seit Freitag freigestellt; ob jeder von ihnen kurzfristig eine neue sportliche Heimat finden wird, ist fraglich.
Rahn, Schulleiter eines privaten Gymnasiums in St. Leon-Rot, sagt, daß er sehr frustriert sei. Im Juli und August schon hatten er und seine Spieler kein Geld mehr bekommen. Das sei jedoch nicht "das große Drama", sagt Rahn. Viel schlimmer findet er, daß ein "echter Traditionsverein von der Bildfläche verschwindet". Rahn macht auch keinen Hehl aus seiner Enttäuschung über das Verhalten der Leutershausener Verantwortlichen, er klagt sogar über einen teilweise menschenverachtenden Umgang mit Spielern.
Auch im Fan-Forum der SG Leutershausen werden bittere Vorwürfe erhoben. "Seit zehn Jahren sind im Umfeld lauter Amateure am Werk", schreibt einer der Frustrierten, "jetzt haben sie ihre verdiente Quittung erhalten. Der Handball in Leutershausen ist gestorben." Ein trauriger Abschied zweiter Klasse.
RAINER SEELE