Vermeintlicher Angreifer Gerald Radzonath bestreitet seine Attacke nach dem Hüttenberg-Spiel
Vermeintlicher Angreifer Gerald Radzonath bestreitet seine Attacke nach dem Hüttenberg-Spiel
"Schiri weder getreten noch geschlagen"
21.12.2005
Von Christiane Müllerund Alexander Fischer
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Während Handball-Zweitligist TV Hüttenberg auf ein mildes Urteil hofft, bestreitet der vermeintliche Übeltäter der Schiedsrichter-Attacke die schweren Vorwürfe gegen ihn. Gerald Radzonath will zwar auf Nachfrage dieser Zeitung hin "aufgebracht" gewesen sein, die Schiris nach der 24:26-Niederlage gegen die SG Bietigheim/Metterzimmern auch "beschimpft" haben, diese aber "weder getreten noch geschlagen" haben.
Folgen hat der Ausraster auf alle Fälle, in welchem Ausmaß ist noch nicht absehbar. Sowohl für den Traditionsverein, über dessen Strafe die Bundesliga-Spielleitung um Uwe Stemberg (Osnabrück) am Donnerstag entscheiden will, als auch für den vermeintlichen Übeltäter, gegen den der verletzte Unparteiische zivilrechtliche Schritte eingeleitet hat und der auch in Sachen Schadenersatz noch vom TVH kräftig belangt werden könnte.
Gerald Radzonath, der den Schiedsrichter Marco Wallenfels aus dem pfälzischen Ottersheim am Samstag so attackiert haben soll, dass dieser nicht nur in der Halle liegend 20 Minuten lang von TVH-Arzt Dr. Alwin Sauer, sondern auch noch auf der Heimfahrt in der Notfallklinik in Landau behandelt werden musste, sieht die Vorfälle weniger dramatisch. "Ich habe den Schiedsrichter weder getreten noch geschlagen. Das Ganze wurde in den Medien völlig übertrieben dargestellt", erklärt Radzonath.
"Ich gebe zu, dass ich nach dem Spiel wie viele andere auch aufgebracht war und die Schiris beschimpft habe", so der vermeintliche Angreifer weiter, der zugibt: "Ich habe gerufen, sie seien Deppen und sollen doch besser in der Kreisklasse pfeifen, doch handgreiflich bin ich nicht geworden." Ordner hätten ihn abgedrängt, er sei überhaupt nicht in der Lage gewesen, Marcus Wallenfels zu treten oder zu schlagen, berichtet der langjährige Besitzer einer Dauerkarte beim TV Hüttenberg, der sich inzwischen auch gegenüber TVH-Marketing-Chef Lothar Weber erklärte und in den nächsten Tagen auch noch den weiter krank geschriebenen Referee, der bei der Polizei Wetzlar Anzeige wegen Körperverletzung erstattet hat, anrufen möchte. "Sollte ich ihn beim Versuch, mich von den Ordnern zu lösen, irgendwie unabsichtlich getroffen haben, so tut mir das Leid. Erinnern kann ich mich aber daran nicht."
Dass die alarmierten Beamten den 59-Jährigen nach dem Match nicht mehr in der Halle und auch nicht bei sich zu Hause angetroffen haben, ist für Radzonath klar: "Ich war noch ein Bierchen trinken, dafür gibt es jede Menge Zeugen." Seine Interessen lässt der Hüttenberger inzwischen vom Wetzlarer Rechtsanwalt Manfred Rühl vertreten.
Wegen der zu erwartenden Hallensperre haben die TVH-Verantwortlichen das nächste Heimspiel gegen die TSG Friesenheim schon in weiser Voraussicht verlegt. Die Partie, die ursprünglich für den 21. Januar angesetzt war, findet nun am 20. Januar in der Untermainhalle in Elsenfeld statt. Auf Radzonath könnte auch hier noch einiges zukommen, denn der Traditionsklub hat angekündigt, auf Schadenersatz (Strafen, Hallenmiete, Kosten für Verbandaufsicht, Einnahmeausfälle) zu klagen. Am 20. Januar in ElsenfeldIn einem Entschuldigungsschreiben an die Schiedsrichter und die Handball-Bundesliga (HBL) distanzierte sich der TV Hüttenberg gestern vom "Verhalten dieses - einzelnen - Zuschauers" und kündigte an, dass überlegt werde, den Sicherheitsdienst zahlenmäßig aufzustocken und ihm auch den Ordnerdienst zu übertragen. Die Entscheidung der Bundesliga-Spielleitung um Uwe Stemberg fällt am Donnerstag. Bis dahin heißt es abwarten. Auch für Trainer Jan Gorr: "Die Mannschaft ist gedrückt. Wir haben unsere Hilfslosigkeit gespürt. Gegen diese Sachen ist man einfach machtlos." Er hofft aber, dass sein Team nicht leidtragend ist, denn "wir haben in der Liga schon schwer genug zu kämpfen".
Auch für Gennadij Chalepo, dem nach seiner roten Karte vom Samstag eine Sperre von bis zu vier Spielen droht, wünscht sich Gorr ein mildes Urteil. Der Weißrusse hatte Wallenfels nach einer Siebenmeter-Entscheidung ins Gesicht getäschelt. "Es war eine banale Situation. Ich habe sie mir auf Video angeschaut. Er ist flehend in die Knie gegangen und hat dem Schiri die Hände um die Wangen gelegt. Man hat gesehen, dass er nix Böses wollte", erklärte der Coach.