TVH erteilt dem Übeltäter Hallenverbot
TVH erteilt dem Übeltäter Hallenverbot
19.12.2005 - 11:04 von lodeck
Der Imageschaden, den der TV Hüttenberg durch den brutalen Angriff eines Fans auf Schiedsrichter Marco Wallenfels aus Ottersheim erlitt, ist kaum wieder gutzumachen. Vorstand, Spieler und Trainer distanzierten sich von der Attacke. Dass der TVH gegen die SG Bietigheim/Metterzimmern mit 24:26 verloren hatte und damit im Abstiegskampf der 2. Handball-Bundesliga nach zuvor zwei Siegen in Folge einen schweren Rückschlag erlitt, trat weit in den Hintergrund.
Wojciech Honisch, der starke Torwart der Gäste, brachte es auf den Punkt: "Das tut mir wirklich Leid für den TV Hüttenberg. Hier bekommt die ganze Mannschaft, der ganze Verein einen schlechten Ruf. Und das wegen eines Einzelnen. Da sitzen 950 Anhänger und pfeifen nach dem Spiel. Und einer rastet aus. Das ist bitter, aber so etwas darf einfach nicht passieren."
So sahen es auch die Hüttenberger: "Mir fehlen die Worte. Drei Ordner waren sofort am Ort des Geschehens. Doch wenn einer ausrastet, dann helfen wahrscheinlich auch fünf Ordner nichts. Wir kennen die betreffende Person. Der Verein wird reagieren", kündigte Marketing-Chef Lothar Weber Hallenverbot für den Übeltäter an. Das erwartet jetzt aber erst einmal den TVH. Eine mehrere Spiele währende Heimspielsperre sowie eine saftige Geldstrafe im vierstelligen Bereich drohen. Das heißt, Hüttenberg wird zu seinen Heimspielen reisen müssen. Der Vorstand geht von einer Verlegung von 50 bis 100 Kilometern aus.Wallenfels in die NotfallklinikFür Marco Wallenfels hatte der Tritt schmerzhafte Folgen. Noch auf der Heimfahrt musste der Unparteiischen aus Ottersheim in der Notfallklinik in Landau Station machen und sich behandeln lassen. Wallenfels ist zunächst bis Ende der Woche krank geschrieben. Gestern Abend betonte er auf Nachfrage dieser Zeitung, dass er dem TVH keine Schuld an dem Vorfall gibt: "Das war ein für den Verein unabwendbares Ereignis. Kein Ordnungsdienst kann eine solche Tat eines Einzelnen ausschließen. Zum Glück befinde ich mich auf dem Weg der Besserung. Bereits in Hüttenberg habe ich mich von den Verantwortlichen sehr gut versorgt gefühlt. Dafür gebührt dem TVH ein Lob."
"Wir müssen jetzt ganz einfach abwarten, was der DHB macht", sind Weber die Hände gebunden. Der Schock saß auch bei den Spielern tief. "Das ist eine Katastrophe", meinte Michael Bepler. "Das wird ganz, ganz bitter für uns." Der Griff des Zuschauers in die Hoden des Unparteiischen überschattete am Ende alles. Hüttenberg hatte sich zuvor mit einer schwachen Trefferquote selbst im Wege gestanden. "Wenn man es nicht schafft, seine freien Chancen zu verwandeln, ist es unrealistisch, gegen Bietigheim an einen Sieg zu denken", meinte Coach Jan Gorr. Doch die gesamte Leistung stimmt ihn nicht zufrieden: "Wir haben heute Tribut dafür gezollt, dass wir seit Wochen am Limit segeln. Irgendwann geht das nicht mehr." Doch härter als die zwei verlorenen Punkte in einem Duell mit einem direkten Konkurrenten träfen den TVH die Konsequenzen der Tat des Zuschauers. "Wir", sagt Gorr, "sind im Abstiegskampf auf jede Hilfe angewiesen. Dass aber, was dieser so genannte Fan uns leistet, ist ein Bärendienst."
Auch Lothar Weber befürchtet weitreichende Folgen, die im Kampf gegen um den Klassenverbleib eine schwere Bürde sein können. "Wir hatten noch nie Heimschiedsrichter. Durch eine solche Aktion werden wir aber auch keine bekommen. So etwas spricht sich nämlich rum. Die haben uns nun auf dem Kieker", glaubt der Marketing-Leiter.