Bernd und Harald Andler und die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr. Erneut spielten die Schiedsrichter-Brüder aus dem Schwabenland, die einst in Gummersbach den damaligen Trainer Velimir Petkovic und Rückraumspieler Gennadij Chalepo für Wochen beziehungsweise Monate aus dem Verkehr gezogen hatten, Schicksal für die Grün-Weißen.
Nach einer höchst zweifelhaften dritten Zeitstrafe gegen Christian Caillat und zusätzlichen zwei Minuten gegen die Mannschaft, weil der fassungslose Franzose nach der roten Karte noch protestierte, gerieten die Domstädter gestern Abend bei GWD Minden/Hannover auf die Verliererstraße und hatten am Ende unglücklich mit 27:28 (16:14) das Nachsehen.
Der K.o.-Schlag kam fünf Sekunden vor Schluss, als der ehemalige Eisenacher Stephan Just den starken HSG-Keeper Axel Geerken von der Siebenmetermarke überwand und mit seinem zehnten Treffer den schmeichelhaften ersten Saisonsieg des bisherigen Tabellenletzten aus Ostwestfalen perfekt machte.
"Wir haben über weite Strecken kompakt gestanden und unsere taktischen Vorgaben in die Tat umgesetzt", zeigte sich Trainer Martin Schwalb von der Vorstellung seiner Mannschaft erneut nicht unzufrieden. Wenn da nicht nach einer überzeugenden ersten Halbzeit und einem couragierten Kampf in einer Phase, "als es Spitz auf Knopf ging", wie es der Nachfolger von Holger Schneider formulierte, das bittere Ende gewesen wäre. Nach einem rüde Foul von Jan-Fiete Buschmann, wofür der Mindener Nationalspieler bereits zwei Minuten statt der berechtigten roten Karte kassiert hatte, musste Christian Caillat nach minutenlanger Behandlung auf dem Feld plötzlich wegen eines angeblich vorausgegangenen Fouls - oder Fuß - auch raus. Was nach zwei vorausgegangenen Zeitstrafen eine Matchstrafe in der 39. Minute bedeute. Als der schon vorher bei fast jedem Ballkontakt von den 2000 Zuschauern in der Kampa-Halle ausgepfiffene zweimalige Torschütze in Richtung Schiedsrichter ironisch klatschte, musste seine Mannschaft zwei weitere Minuten lang in Unterzahl spielen. "Damit hat er uns einen Bärendienst erwiesen", grantelte Manager Rainer Dotzauer, der noch zur Pause zufrieden lachte und den rechten Daumen in die Höhe streckte.
Doch nach ständig wechselnder Führung und einem offenen Schlagabtausch war es um die HSG erst geschehen, als der einmal mehr überragende Spielmacher Nebojsa Golic nach seinem Tor zum 21:20 für Wetzlar in der 43. Minute vom Slowenen Ognjen Backovic, der nur zwei Minuten dafür bekam, einen Schlag ins Gesicht erhielt und danach praktisch ausfiel. "Mit ihm hat uns einfach der Kopf gefehlt", haderte Trainer Schwalb.
"Mit Golic wäre es ganz schwer für uns geworden", gab auch der sichtlich erleichterte GWD-Coach Richard Ratka offen zu. "In fremden Hallen kommt es halt immer wieder vor, dass dich die Schiedsrichter benachteiligen", ärgerte sich Alexis Alvanos. "Aber auch wir haben heute Fehler gemacht", räumte der Grieche ein, der 40 Sekunden vor dem Ende ganz frei an GWD-Torwart Malik Besirevic gescheitert war und damit zumindest den hochverdienten Punktgewinn vergeben hatte.
Minden: Besirevic, Buhrmester (bei einem Siebenmeter) - Backovic (2), Niemeyer (7), Kusilew (2), Kunisch, Kraft, Vukas, Buschmann (5), Gudjonsson (2), Simon, Just (10/5), Schäpsmeier.
Wetzlar: Geerken, Nicolai Weber (bei einem Siebenmeter) - Clößner (1), Lex, Sighvatsson (3), Klimpke (1), Kaufmann (2), Alvanos (3), Karipidis (7/5), Golic (8/2), Caillat (2).
Schiedsrichter: Andler/Andler (Remseck/Stuttgart) - Zuschauer: 2000 - Zeitstrafen: Minden drei (Backovic zwei, Buschmann), Wetzlar fünf (Caillat vier, Alvanos) - verworfener Siebenmeter: Just (Minden) scheitert an Geerken (26.).