Können Zebras die Arena stürmen?
Die Liste der Klubs, welche ihr Image mit Hilfe eines Tiernamens zum Ausdruck bringen wird nicht kürzer. Obwohl in der letzten Saison die Panther sich fürs erste zur Ruhe setzten, tauchen mit den Rhein Neckar Löwen eine neue Großwildtierart in der Liga auf. Gehen Bob Hannings Planungen auf, könnten bald auch die in Berlin beheimateten Handballer wieder Erstligaklubs in ihrem Fuchsbau empfangen.
Das Ur-Tier der Handball-Bundesliga ist jedoch das Zebra. Schon 1947 zu Zeiten von Hein Dahlinger lief die Mannschaft von Serienmeister THW Kiel in gestreiften Trikots auf. Dieser modischen Vorliebe der damaligen Verantwortlichen ist auch die Entstehung dieser „Marke“ zu verdanken. Vor allem das Dauerabonnement auf die Meisterschaft seit Beginn der 90er Jahre hat das Zebra im Handball zu dem gemacht, wofür im deutschen Fußball die bayerische Lederhose steht: einem Synonym für Erfolg.
Nach den Vorstellungen von modernen Marketingstrategen, welche mit besonderer Vorliebe Eishockey- und Basketballklubs mit einem animalischen Zusatz versehen, dürfte das Zebra für den THW heute nicht mehr zur engeren Wahl stehen. Eine kurze Recherche ergab, dass allenfalls die Einwohner Botswanas ihre nationale Fußballauswahl ebenfalls mit diesem Kosenamen versehen.
Denn mit den Eigenschaften eine Wildpferdes, um welches es sich beim Zebra handelt, lässt sich die gegenwärtige Starauswahl wohl kaum beschreiben. In freier Wildbahn handelt es sich um eher scheue Gesellen welche sich ihr gestreiftes Kleid zur Tarnung vor dem lauernden Feind zulegten.
Die Superstars des Welthandballs hingegen begegnen jedem Gegner mit breiter Brust. Nur zwei Klubs in Europa haben es in den letzten Jahren verstanden, wie man die THW-Herde einfängt. National die Nachbarn flussaufwärts aus Flensburg und international die Matadore vom FC Barcelona.
Unsere HSG kann sich zumindest zu gute Halten, die Zebraherde in der Dutenhofener Sporthalle bis auf das letzten Spiel unter Kontrolle gehalten zu haben.
In der Arena führt Leithengst Stefan Lövgren seine Schar zum ersten Mal auf das Parkett.
Trainer Noka Serdarusic, welcher sich im 13 Trainerjahr um die perfekte Dressur seiner Rosse kümmert, will als aktueller Titelträger natürlich auch in diesem Jahr die Schale nicht freiwillig hergeben. Sorgen sind auch unangebracht. Schließlich wurden mit Nikola Karabatic, Kim Andersson und Vid Kavticnik wiederum drei Superstars verpflichtet, welche wohl zu jedem Benefizspiel einer Weltauswahl eingeladen würden.
Einzig ob der fehlenden Deutschkenntnisse dieser drei Hochkaräter sah der Coach die Vorbereitung etwas beeinträchtigt. Doch auch wenn es bei den dreien im dritten Saisonspiel mit der Verständigung noch etwas hapern sollte, wird Manager Uwe Schwenker, langjähriger Partner von Serdarusic auf dem Kieler Führungssessel, nicht in Panik verfallen. Weiß er doch, dass mit Frode Hagen und Christian Zeitz weitere Spieler in der Hinterhand, welche in den meisten Klubs dieser Liga eine Stammplatzgarantie hätten.
Trainierte Pferde von hoher Qualität und Zahl zu halten ist das Hobby mancher Ölscheichs. Im eher strukturschwachen Schleswig-Holstein drehen Windräder, welche jedoch nicht für die fetten Weidegründe verantwortlich sind. Der in dieser Saison um 300.000 Euros auf 5,3 Millionen erhöhte Etat kommt zum einen durch starke Sponsoren zu Stande, welche sich in der Profi-Fußball-freien Gegend auf den THW konzentrieren. Zudem kann Manager Schwenker schon zu Saisonbeginn mit einem festen Zuschauerschnitt planen. Der bewegt sich immer knapp unter Kapazität der Ostseehalle, welche 10250 Zuschauer fast.
In der Landeshauptstadt Kiel spielt sich ein guter Teil des gesellschaftlichen Lebens in diesem Tempel ab. Da der Verkauf von Dauerkarten schon vor Jahren eingestellt wurde, erzählt man schon von Erbstreitigkeiten, welche sich um das Anrecht zur Fortführung des Stammplatzes nach dem Tode drehen. Der Gang von frischgebackenen Vätern führt oft direkt in die Geschäftsstelle, um den Filius in die Warteliste eintragen zu lassen.
Angesichts dieser Umstände, welche sich die Macher jedoch über lange Zeit Schritt für Schritt erarbeiteten, sieht man auch keine Veranlassung nach hoffnungsvollen Talenten Ausschau zu halten, oder etwas junge Zebras im eigenen Verein heranzuziehen. Das Risiko scheint derzeit zu groß. Nichts ist wichtiger als Kontinuität auf hohem Niveau und das bedeutet einen Titel mindestens pro Saison.
HSG mit Verletzungssorgen
Trotz dieser beeindruckenden Fakten werden die HSG-Spieler mit Freude in die Begegnung vor vermutlich ausverkauftem Haus gehen. „Gegen diesen Top-Gegner können wir nur Sympathien gewinnen. Wir können nur hoffen, dass unserer drei angeschlagenen Spieler wieder einigermaßen fit werden. Dann können wir die Kieler über 60 Minuten fordern und schauen was am Ende dabei rauskommt.“, so Regisseur Nescho Golic.
Der Einsatz von Alexis Alvanos (Bauchmuskelzerrung), Christian Caillat (Bänderdehnung im Fuß) sowie Lars Kaufmann (Oberschenkelprellung) wird sich erst am Spieltag entscheiden. Mannschaftsarzt Dr. Pörschke sowie die Physiotherapeuten Reinhold Roth und Peter Nagel sind intensiv mit den Reha-maßnahmen beschäftigt.