Freudentänze nach Überraschungscoup
Gelungener Einstand von Schwalb in Wetzlar
Vom 06.09.2005
Von
Jürgen Heide
WETZLAR Als Karol Bielecki neun Sekunden vor Schluss zum 34:34 für Magdeburg ausglich, sah es so aus, als würde der Handball-Meisterschaftsfavorit in Wetzlar mit einem blauen Auge davon kommen. Nur fünf Sekunden blieben den Grün-Weißen, nachdem sie die Mittellinie überquert hatten, um den letztjährigen Dritten noch zu bezwingen. Als der überragende Alexis Alvanos eine Sekunde vor Ablauf der Uhr aus neun Metern abzog und der Ball im SC-Gehäuse zum 35:34 (18:17)-Erfolg einschlug, brachen auf und neben dem Spielfeld alle Dämme. Mit Freudentänzen feierten die Gastgeber ihren Coup auf dem Parkett, während sich die HSG-Fans unter den 4400 Zuschauern in der Mittelhessen-Arena glückselig in den Armen lagen.
Zum Einstand von Martin Schwalb hatte der stark verbesserte letztjährige 14. gleich ein Ausrufezeichen gesetzt, weshalb es der neue Trainer auch verschmerzen konnte, dass er sich bei einem Zusammenprall bei den Feierlichkeiten fast den Kiefer ausgerenkt hatte. "Ich bin hochgesprungen und weiß gar nicht mehr, wie ich aufs Feld gekommen bin. Das waren Emotionen pur, für die wir Sport betreiben", sagte ein losgelöster Schwalb nach "dem ersten Schritt eine gute Mannschaft zu werden.".
Zwei Tage zuvor hatte Schwalb dagegen auf der Pressekonferenz vor dem Spiel noch Dampf abgelassen und dabei indirekt seinen Vorgänger Holger Schneider hart kritisiert. "Du kannst ruhig sagen, was du denkst", hatte Manager Rainer Dotzauer Schwalb aufgefordert, als dieser über die Abwehrsysteme der Grün-Weißen sprach. "Da war nichts da", sagte der frühere Wallauer in Richtung des nach Stralsund abgewanderten Schneider. Zudem fiel auch seine Nachfrage bei den Spielern hinsichtlich der Angriffssysteme nicht zu seiner Zufriedenheit aus. "Da war bis auf zwei Sachen, die gut sind, auch nicht viel da, auf das ich zurückgreifen konnte." Doch auch die Spieler hatten ihr Fett wegbekommen, "weil einige nicht so aus dem Urlaub zurückgekommen sind, wie man das hätte erwarten müssen."
Der Coup gegen Magdeburg sei für ihn keine persönliche Genugtuung gewesen, sagte Schwalb, "weil es hier nicht um mich geht." Die intensive Vorbereitung, "Schwalb hat uns ganz schön rennen lassen", so Linksaußen Andreas Klimpke, hatte sich am Sonntag ausgezahlt. "Martin ist einer der besten Trainer in der Liga. Er ist jung und kann sehr gut mit jungen Spieler arbeiten", lobte der zwölffache Torschütze Alvanos seinen Coach, während Klimpke erklärte, "dass Schwalb uns in der Halbzeit gesagt hat, dass wir gewinnen werden und wir von Anfang an daran geglaubt haben." Völlig euphorisch reagierte der seitlich hinter der Bank sitzende Dotzauer auf den Sieg. "Da steckten die gleichen Spieler wie in der vergangen Saison in den Hemden, doch der Geist ist ein anderer", lobte der Manager seinen Coach.