Endgültig: Keine Lizenz für Wallau
Endgültig: Keine Lizenz für Wallau
Minden. Das Lizenzverfahren für die Handball-Bundesliga endete mit einem Gaunerstück: Wegen eines verschwiegenen Eigenantrags auf Insolvenz zog die SG Wallau/Massenheim gestern vor dem Schiedsgericht ihren Einspruch gegen die Lizenzverweigerung durch die Handball-Bundesliga (HBL) zurück. Erst auf ausdrückliche Nachfrage der Richter gaben die Wallauer zu, dass bereits im April ein Vertreter des wirtschaftlichen Trägers – es soll sich um den damaligen Geschäftsführer Volker Haase handeln – die Insolvenz beantragt hat. Mit diesem Vorgang hatte Wallau die Lizenz ohnehin bereits verwirkt, die Verantwortlichen zogen auf «ausdrückliches Anraten des Gerichts», so Richter Ralf Nottmeier, ihren Antrag zurück. «Ich bin fassunglos über diese Dreistigkeit», sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. Zuvor hatte das Ständige Schiedsgericht die Beschwerde des TuSEM Essen gegen die Lizenzverweigerung abgewiesen und damit den Absturz des Europapokalsiegers in die Regionalliga – wo künftig auch die Wallauer spielen werden – besiegelt.
Ein kleines Trostpflaster bleibt den Verantwortlichen der SG Wallau/Massenheim: Bei den Panthern stimmt der «Unterbau». Die zweite Mannschaft beendete die abgelaufene Saison der Regionalliga auf Platz drei, die sechs besten Spieler der von Mike Fuhrig trainierten A-Jugend, die gerade Deutscher Meister geworden ist, halten der SG die Treue und wechseln in die Regionalligamannschaft. «So schlimm das Urteil für den Verein ist, wir jungen Spieler sehen in der neuen Konstellation auch eine Chance für uns», meinte Jugend-Nationalspieler Michael Allendorff. Noch ist unklar, ob die neugegründete GmbH weiterhin bestehen bleibt oder die bisherige zweite Mannschaft unter der Führung des bewährten Bernd Wagenführ mit «Kontostand Null» das neue Abenteuer angeht.
Zum Schluss standen nur noch vier Spieler im Aufgebot der Wallauer, nachdem auch mit Dominik Klein (TV Großwallstadt) und dem isländischen Rechtsaußen Einar-Örn Jonsson (BM Torrevieja/Spanien) die letzten Leistungsträger abwandert waren. Es verblieben lediglich die nicht zum Stammpersonal zählenden Patrick Linder, Marcus Rominger, Maik Makowka und Routinier Andreas Rastner, der aus beruflichen Gründen ebenso wie Rominger in der Region (Zweitligaaufsteiger TSG Münster?) bleiben möchte. «Wir hätten trotz des enormen personellen Aderlass noch eine halbwegs erstligataugliche Mannschaft mit einigen neuen Ausländern zusammen bekommen, die aber von Beginn an wohl gegen den Abstieg gespielt hätte», erklärte Präsident Hans-Dieter Großkurth. «An Essen und uns wurde ein Exempel statuiert, nachdem die HBL in den letzten Jahren zu leichtfertig mit der Lizenzvergabe umgegangen ist. Leider haben wir auch fast keine Unterstützung aus der Politik erhalten», meinte Großkurth, «aber wir sind schon einmal aus ganz tiefen Gefilden bis in die Beletage aufgestiegen, warum soll das nicht noch einmal klappen?»
Die SG Willstätt/Schutterwald hingegen hat in letzter Instanz die Lizenz für die Zweite Handball-Bundesliga bekommen. Das Schiedsgericht gab der Beschwerde gegen die Lizenzverweigerung statt. Das Gremium entschied, dass der Wechsel des wirtschaftlichen Trägers zulässig war. Zudem seien alle Unterlagen fristgerecht eingereicht worden und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit gegeben. Der Verein wird künftig als TV Willstätt in der Zweiten Bundesliga spielen, nachdem der Kooperationsvertrag mit dem TuS Schutterwald am Donnerstag ausgelaufen ist. (el/dpa)