Den Politiker aber schmücken Medaillen. Der Zweite im Bunde: Wilfried Kindermann, Chefarzt der deutschen Olympioniken und Chefarzt der FIFA während der WM in diesem Jahr in Deutschland. Er sitzt in allen wichtigen Gremien.
Der Professor war Mitautor einer staatlich finanzierten Studie, die die Wirkung von Doping-Mitteln bei Gewichthebern herausfand. So wusste man bereits 1976, wann Sportler Anabolika absetzten sollten, damit sie im Urin nicht nachweisbar sind. Das war wichtig, die ersten Dopingtests kamen auf.
Der Arzt, im Dienste des Staates und der Sportverbände nahm damals kein Blatt vor den Mund: Die hörbaren Nebenwirkungen der männlichen Hormone werden schon kein Aufsehen erregen – so glaubte er. Zitat Wilfried Kindermann:
„Im Osten kommen Frauen auch mit tieferen Stimmen durch den Alltag.“
An Bobfahrern erforschte er, wie man ihnen am besten das Angstgefühl nehmen kann. Beta-Blocker, starke Herzmedikamente kamen zum Einsatz. Alles natürlich nur zur Forschung, versichert Prof. Kindermann. Ein Zeitzeuge hat andere Erinnerungen.
Wolfgang Zimmerer, Bobfahrer
„Es gibt eben Leute, Aktive, die wo eben der Nervenbelastung nicht standgehalten haben, ja. Und für denen, glaub ich, war so ein Mittel unheimlich stark, also unheimlich gut. Die haben ihren Körper besser im Griff gehabt, ja.“
Der Vorteil: bei den Wettkämpfen helfen die Pillen, die Angst und somit das natürliche Gefühl für Gefahr zu unterdrücken. Die Forschung des Professors ging weiter: Ende der 80er Jahre zum Thema: Testosteron. Das Dopingmittel, mit dem Floyd Landis, der Tour de France-Gewinner kürzlich erwischt wurde.
Prof. Gerhard Treutlein, Universität Heidelberg
„Mein Eindruck ist ganz eindeutig in die Richtung, dass da in den 70er und 80er Jahren zumindest von einigen, sehr prominenten Sportmedizinern Pro-Doping-Forschung betrieben worden ist.“
Der Professor will dazu nichts vor der Kamera sagen. Das Geld für die Studien kam vom Bund, und der will oder kann dazu keine Details veröffentlichen: merkwürdige Forschungsprojekte.